Geld sparen mit Abfallmanagement

Abfallunternehmen Innotec: Hausmüll wird zur Win-win-Situation

Geld sparen mit AbfallmanagementViele Wohnungsunternehmen übergeben ihr Abfallmanagement mittlerweile in die Obhut von Privatfirmen. Zwar kostet dieser Service Geld. Doch den Anbietern zufolge profitieren unterm Strich alle davon: Sie selbst verdienen an den Dienstleistungsgebühren, während die Wohnungsunternehmen Betriebskosten sparen und mit sauberen Abfallsammelplätzen die Wohnanlage aufwerten. In seinem neongelben Overall prüft Frank Gustke den Inhalt einiger Müllcontainer. Er hält eine Plastiktüte in seinen Händen, hat Gummihandschuhe übergestreift und atmet durch einen Mundschutz. Sein Job ist es, im Hagener Stadtteil Hohenlimburg die Behälter von mehr als 320 Haushalten auf falsch eingeworfenen Müll zu kontrollieren. Vor allem die Restmülltonnen beaufsichtigt Gustke, der für das Abfallunternehmen Innotec arbeitet: Verpackungen, sperrige Gegenstände und Papierreste, die im Hausmüll liegen, nimmt er heraus und sortiert sie um. Im Auftrag des Bauvereins Hohenlimburg klärt der Service-Mitarbeiter zudem die Bewohner der Wohnanlagen darüber auf, welcher Wertstoff in welche Tonne gehört, und hilft ihnen bei der Entsorgung.

Anarchische Verhältnisse
Eine kontrollierte Mülltrennung hätte vielleicht auch das Chaos verhindert, das sich kürzlich in Werder ereignete. Wie die Zeitung Potsdamer Neueste Nachrichten berichtete, hatte dort ein privates Entsorgungsunternehmen gelbe Tonnen mit Leichtverpackungen ungeleert stehen lassen. Das Ergebnis: Die Abfalleimer einer Wohnanlage quollen über. Der Entsorger begründete den nicht abgeholten Abfall damit, dass der Müll schlecht sortiert gewesen sei, teilweise habe man Hausmüll unter den Verpackungen mit dem Grünen Punkt entdeckt. Gegenüber der Zeitung sagte Andreas Ackermann, Geschäftsführer der betroffenen Wohnungsgenossenschaft Havelblick, erinnert sich mit Grauen: „Das sah hier aus wie nach einem Luftangriff, bevor wir das Gröbste weggeräumt hatten.“

Weniger Müll kostet weniger Geld
In Frank Gustkes Revier ist dieser Fall eher unwahrscheinlich. Denn er sortiert nicht nur den Abfall, sondern reinigt auch regelmäßig den Müllsammelplatz. Mittlerweile hat der Bauverein Hohenlimburg mehr als 300 Haushalte in der Stadt an den Abfallservice angeschlossen. In erster Linie, um den steigenden Müllkosten entgegenzuwirken. Für den Bauverein scheint es sich zu lohnen, den Hausmüll ihrer Wohnanlagen in die Obhut eines Privatunternehmens zu geben. Seit Innotec das Abfallmanagement übernommen hat, ist nach Angaben des Bauvereins die Restmüllmenge von wöchentlich durchschnittlich 130 Litern pro Haushalt auf 85 Liter in der Woche gesunken. Geschäftsführerin Marion Golling schätzt, dass je Mietpartei jährlich 36 Euro weniger Müllgebühren anfallen, was sich wiederum positiv auf die Nebenkosten auswirkt. Für die Bewohner zahle sich die Zusammenarbeit mit dem privaten Abfallunternehmen „wirklich in barer Münze aus“, sagt Golling.

Erfolgreiches Projekt abgewehrt
Mit einem ähnlichen Modell hat die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus (Degewo) versucht, die Müllsammelplätze ihrer Mieter sauber zu halten. In einem sechsmonatigen Pilotprojekt in einer Wohnanlage im Berliner Stadtteil Wilmersdorf sortierten die Bewohner den Müll nicht auf einem Sammelplatz vor dem Gebäude, sondern direkt  in der Wohnanlage – auf den Gängen. Das Modell sollte die bis dahin installierte Abfall-Absauganlage ablösen. Täglich leerten Service-Mitarbeiter die Behälter auf den Fluren und überprüften, ob Hausmüll, Leichtverpackungen, Papier und Pappe richtig getrennt wurden. Die Degewo war zufrieden, es sei eine „ideale Lösung“ gewesen, sagt eine Sprecherin. Doch nach dem halbjährigen Probelauf wehrte sich eine Eigentümergemeinschaft gegen die Trennung in den Fluren der Wohnanlage. Der Restmüll wird nun wieder abgesaugt, Papier und Leichtverpackungen per Hand in den Kellerräumen des Gebäudes getrennt.

Kasse machen mit Müll
Weniger Restmüll in den Tonnen spart den Wohnungsunternehmen die Müllgebühren. Doch nicht jeder freut sich über weniger Hausmüll in den Tonnen. Denn sobald die privaten Abfalltrenner den Restmüll in den Tonnen verringern, fließt weniger Geld in die Gemeindekassen. Anlass genug für die Stadt Salzgitter, gegen die Sortierung durch Privatunternehmen zu klagen. Der Rechtsstreit ging bis vor das Bundesverwaltungsgericht. Dort jedoch wurde die Klage abgewiesen. Doch in der Tat: Mit Abfall lässt sich Geld verdienen. Gerade in Zeiten hoher Energiepreise wird Weggeworfenes zum lukrativen Stromlieferanten. In Verbrennungsanlagen wird aus Restmüll reine Energie gewonnen. Im Vergleich zum Rohstoff Kohle gewinnt man aus der gleichen Menge Hausmüll etwa ein Viertel der Energie. Und Energie kostet Geld, also legt auch der Abfall an Wert zu. Bei Papiermüll ist der Kampf um den weggeworfenen Wertstoff längst Alltag geworden. Bis zu 80 Euro zahlen Papierfabriken für eine Tonne Altpapier. Private Abfallunternehmen haben darin eine zusätzliche Chance erkannt, Geld zu verdienen: In Hamburg und dem ostfriesischen Landkreis Leer stellten sie mehrere tausend Container auf, in denen die Bürger ihr Altpapier kostenlos entsorgen können. Vereine werden sogar dafür bezahlt, dass sie ihren Papiermüll in die Tonnen werfen.

Jörg Breithut
Bild: Servicekräfte wie Frank Gustke senken im Hagener Stadtteil Hohenlimburg die wöchentliche Restmüllmenge um knapp ein Drittel. (BAUVEREIN HOHENLIMBURG)