München (prs). – Es macht laut “kracks”- und schon haben die beiden Handwerker das alte Kunststofffenster mit Hammer und Brecheisen vom Mauerwerk gelöst und auf ein Baugerüst gestellt. Mieterin Maria K. schaut mit etwas gemischten Gefühlen auf die offene Fensterhöhle in ihrem Wohnzimmer. Aber, gottlob, das neue Fenster steht schon für den Einbau bereit. Insgesamt ca. 300 Fenster lässt die Allianz Lebensversicherung-AG als Eigentümerin der Mehrfamilienhäuser in der Barlachstraße im Stadtteil Schwabing derzeit erneuern.
Nichts ungewöhnliches also an dieser Renovierung? Doch! Die ausgedienten Kunststofffenster werden nicht etwa als Sperrmüll entsorgt oder verbrannt, sondern treten in einem von der Rewindo GmbH in Bonn bundesweit koordinierten Wiederverwertungssystem eine “Zeitreise” an. Die Bauelemente werden dabei in der Spezial-Recyclinganlage der Veka Umwelttechnik GmbH in Thüringen zunächst in Einzelteile (Kunststoff, Metall, Gummi, Glas) zerlegt, der Kunststoff PVC dann zu reinem Granulat verarbeitet. Das begehrte Material geht anschließend an die Hersteller von Fensterprofilen, die daraus neue Fenster fertigen. So könnte es durchaus sein, dass Teile des einstigen Wohnzimmerfensters von Maria K. bald wieder die gute Stube eines anderen Wohnhauses irgendwo in Deutschland vor Wind & Wetter schützen.
Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Münchener Projekt? “Ich wollte meinem Kunden, dem Fensterbauunternehmen Schöb aus dem Unterallgäu, ein preiswertes Angebot für die Entsor-gung machen. Aber seit Sommer 2005 dürfen Bauabfälle nicht mehr zur Deponie gebracht werden, und die Müllverbrennungsanlagen sind leider sehr teuer geworden”, berichtet Siegfried Karl, Juniorchef der in München seit 1984 mit acht Mitarbeitern tätigen Schutt-Karl GmbH. Der findige Unternehmer, der 1990 mit Erfolg ins das Geschäft mit Minicontainern einstieg und heute täglich bis zu 30 Baustellen mit ihnen beliefert, stieß dann auf das bundesweite Altfensterrecyclingsystem Rewindo GmbH, Bonn. Die 2002 gegründete Organisation bietet über zwei Spezialrecyclingbetriebe, in ganz Deutschland die Abholung ausgebauter Kunststoffenster und deren Recycling an. Karl: “Das Angebot für diese ohne Zweifel auch sehr umweltgerechte Entsorgung war das günstigste, was ich finden konnte.”
Rewindo-Geschäftsführer Michael Vetter rechnet damit, dass die Nachfrage nach dem preis-werten wie umweltfreundlichen Recycling in den kommen Jahren steigen wird. Im Rahmen von Modernisierungen ganzer Wohngebäudekomplexe, die immer häufiger aus Gründen der Energieeinsparung erfolgen, werden zunehmend auch Altfenster aus PVC ausgebaut und gegen neue ausgetauscht. Vetter: “Private wie öffentliche Eigentümer von Wohnanlagen können bei dieser Form der Altfensterentsorgung viel Geld sparen.”
HINTERGRUNDINFORMATION:
Rewindo ist eine bundesweit tätige Servicegesellschaft für PVC-Altfensterrecycling sowie für das Recycling von Rollladen und artverwandten Produkten aus Kunststoff. Sie wurde 2002 in Bonn gegründet. Der Gesellschafterkreis mit derzeit 12 namhaften PVC-Profilmarken deckt über 80 Prozent des deutschen Kunststofffenstermarktes ab. Geschäftsführer der Rewindo GmbH ist Michael Vetter.
Gegenstand der Gesellschaft ist die Überwachung, Kontrolle, Koordination und Dokumenta-tion der Umsetzung der europaweiten ”Freiwilligen Selbstverpflichtung” der PVC-Industrie aus dem, Jahre 2001. Dabei geht es insbesondere um den Teilbereich der werkstofflichen Verwertung von PVC-Altfenstern und -Profilabschnitten. Rewindo will durch flächendeckende Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland den Rücklauf von Altfenstern aus PVC in den Recyclingkreislauf signifikant erhöhen. Darüber hinaus ist sie beratend tätig beim Ausbau sowie der Optimierung von Verwertungssystemen.
Rewindo schließt mit den Recyclinganbietern selbst keine Verträge ab. Die Gesellschaft emp-fiehlt aber diejenigen Verwertungsunternehmen, die die notwendigen hohen Qualitätsanfor-derungen für PVC-Fensterrecycling erfüllen. Derzeit, so Vetter, sei dies bei den Unternehmen Tönsmeier Kunststoffe GmbH, Höxter, sowie der VEKA Umwelttechnik GmbH, Behringen, gewährleistet. Die Profilhersteller verpflichten sich zur Rücknahme der Recyclate für ihre eigene Fensterprofilproduktion. Es entstehen daraus wieder vollwertige Fenster.
Eine markante Veränderung im Entsorgungsmarkt ergab sich im Sommer 2005. Damals trat die “Technische Anleitung Siedlungsabfall” (kurz: TASi) in Kraft. Sie führte zu Deponieverboten für eine Reihe von Werkstoffen, u. a. auch für ausgediente PVC-Baustoffe wie zum Beispiel Altfenster. Dies lag ganz im Sinne der Hersteller, die schon lange gegen ein “Wegwerfen” des wertvollen Materials auf die Deponie waren und stattdessen umweltfreundliche Wiederver-wertung propagierten. Wichtig: Seit Sommer 2005 hat sich das von Rewindo gemanagte werkstoffliche Recycling zur preiswertesten Entsorgungsart für PVC-Baustoffe entwickelt, wesentlich preisgünstiger auch als die Müllverbrennung! Entsprechend gestiegen sind auch die jährlichen Recyclingmengen: Von ca. 4.800 Tonnen reinem PVC-Granulat im Jahr 2001 auf über 12.000 Tonnen in 2006.
Weitere Informationen: www.rewindo.de oder Tel.: 0228 / 921283-0
