Yvonne Weiherer will es wissen

Der Beruf der Immobilienkauffrau

Yvonne Weiherer will es wissen, Der Beruf der ImmobilienkauffrauNicht nur die Bundesregierung sorgt sich derzeit um den Mangel an Fachkräften. Auch in der Verwalterbranche nimmt die Bedeutung der Nachwuchspflege zu. Zu unbekannt ist der Verwalterberuf, zu unattraktiv erscheinen vielen Schulabgängern die Karrierechancen. Deshalb stellt Der Immobilienverwalter in lockerer Reihe neue Gesichter der Branche vor. Den Anfang macht Yvonne Weiherer aus Kamp-Lintfort am Niederrhein.

Wenn man Yvonne Weiherer fragt, warum sie sich gerade für den Beruf der Immobilienkauffrau entschieden hat, dann kann sie diese Frage gar nicht so recht beantworten. „Ich habe mich einfach schon immer für Immobilien interessiert“, stellt sie schlicht fest. Gleich nach dem Abitur plante sie ein ganzes Jahr voller freiwilliger Praktika, in denen sie die Branche besser kennen lernen wollte. Erste Station war die Hausverwaltungen Löttgen-Hoemann GmbH in ihrer Heimatstadt Kamp-Lintfort, danach sollte es weiter zu einem Makler in Moers gehen. Da allerdings kam Yvonne Weiherer gar nicht mehr an.

„Ich bin sofort in der Hausverwaltung kleben geblieben“, erklärt sie. „Mit meiner Chefin dort habe ich mich so gut verstanden, dass sie mir einen Ausbildungsplatz angeboten hat, und da konnte ich nicht nein sagen.“ Eine Bedingung hatte sie allerdings: Eine Ausbildung alleine wäre ihr nicht genug Herausforderung gewesen, die Möglichkeit zum Studium war ihr wichtig. „Frau Löttgen-Hoemann kennt sich in der Wohnungswirtschaft gut aus und hat mir die Lösung vorgeschlagen, dass ich ein Studium an der EBZ Business School in Bochum beginne. Den Studiengang Bachelor of Arts Real Estate kann man da auch schon parallel zur Ausbildung absolvieren.“

3600 Euro kostet das Bachelor-Studium in Bochum pro Semester. Yvonne Weiherer finanziert diese Summe aus ihrem Gehalt, 200 Euro gibt ihre Arbeitgeberin als zusätzliche Unterstützung aus eigener Tasche dazu. Die Doppelbelastung von Ausbildung und Studium, gibt sie zu, ist nicht zu unterschätzen: „Ich arbeite an normalen Tagen bis 17 Uhr, und ich muss schließlich neben der Arbeit den Stoff für Klausuren, Prüfungen und Hausarbeiten lernen. Also muss ich mich manchmal nach Feierabend noch eine oder zwei Stunden hinsetzen, und dazu ist auch Überwindung nötig.“

Würde sie also anderen der dualen Ausbildung abraten? „Nein, aber wenn man am Thema keinen Spaß hat, dann ist es sicher viel schwerer“, so die 20-Jährige. „Man muss sich schon dafür begeistern können.“ Ihr Hassfach ist im Moment das so trockene Privatrecht, ihr bevorzugtes Fach Kommunikation. Nun beginnt auch bald das Modul Immobilienbewirtschaftung, auf das sie sich schon besonders freut. „Dann geht es weiter in die fachlichen Einzelheiten.“ Zwischen Ausbildung und Studium ist noch keine Zeit für eine ausgefeilte Zukunftsplanung, und im Moment ist Yvonne Weiherer vor allem froh, dass sie von zu Hause bis ins Büro nur fünf Minuten mit dem Fahrrad zu fahren braucht, denn in ihrer Freizeit muss sie sich jetzt ohnehin erst einmal einschränken.

„Ich schaffe im Moment nicht sehr viel. Einmal in der Woche mit Freunden kickern, einmal in der Woche schwimmen, viel mehr geht gerade nicht.“ Wenn sie ihren Bachelor in der Tasche hat, will sie sich überlegen, ob sie auch noch den Master of Arts Real Estate Management erreichen will. „Auf jeden Fall will ich noch ins Ausland, neue Eindrücke sammeln, vielleicht sogar eines Tages dableiben.“ Die Immobilienwirtschaft wird Yvonne Weiherer aber so oder so nicht loslassen, egal, in welches Land es sie vielleicht noch verschlägt.

Andreas Winkler
Bild: Yvonne Weiherer: „Ich habe mich einfach schon immer für Immobilien interessiert.“ (Yvonne Weiherer)