Notstand in der Berufsausbildung?

Vom biederen Hausverwalter zum Immobilien-Manager

Vom biederen Hausverwalter zum Immobilien-ManagerWie findet man Nachwuchs für einen Beruf, der in der öffentlichen Wahrnehmung einen der hinteren Plätze einnimmt? Hausverwalter Uwe Haase berichtet von seinen Erfahrungen und ist überzeugt: Ausbilden lohnt sich!

Als Unternehmen in der Immobilienverwaltung mussten wir in den letzten Jahren immer wieder feststellen, dass geeigneter Verwalternachwuchs fehlt. Dies liegt sicherlich an vielen Umständen. Einige davon sind:

  1. Der Beruf und das Berufsbild ist nicht bekannt und hat nach wie vor einen negativen Touch.
  2. Mangelnde Darstellung unseres interessanten Berufs.
  3. Keine oder nur wenig Bereitschaft bei den kleinen und mittleren Verwaltungsunternehmen auszubilden.
  4. Fehlende Erkenntnis, dass ein guter Azubi gerade bei kleineren Unternehmen, natürlich nach einer Anfangsinvestition, große Vorteile und individuelle Praxisvorteile auf das Unternehmen abgestimmt mit sich bringt.

In großen Ausbildungsbetrieben wandern die ausgebildeten Immobilienkaufleute, auch bedingt durch den umfangreichen Lernstoff und des sehr geringen Anteils im Bereich der WEG- und Mietverwaltung, meistens ab in vermeintlich interessantere Positionen wie Projektsteuerung, Verkauf- und Vermittlung, Facillity Management, Center Management oder auch in die Finanzierung. In den seltensten Fällen bleibt ein „richtiger“ Immobilienverwalter übrig.

Mein Appell richtet sich insbesondere an unsere kleinen und mittelgroßen Betriebe, speziell in der klassischen Miet- oder WEG-Verwaltung: Nutzen Sie die Chance, sich Ihren eigenen Nachwuchs heranzuziehen. Nicht nur der klassische Azubi zum Immobilienverwalter (früher Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft), sondern auch ein Bürokaufmann/ -frau kann durchaus als Verwalter ausgebildet werden. Gerade in kleineren Verwaltungsunternehmen kann der Azubi umfangreiche Erfahrung sammeln. Aus meiner Erfahrung kann schon nach kurzer Zeit, bei intensiver Begleitung des Auszubildenden, eine Entlastung bei einfachen Büroarbeiten erreicht werden. Nach einer entsprechenden Einweisung kann der Azubi durchaus Telefondienst, Ablage, Schlüsselbestellungen und den Versand von Eigentümerunterlagen, Einladungen, Abrechnungen und Protokollen eigenverantwortlich übernehmen.

Ein Auszubildender kann auch bei der jährlichen Eigentümerversammlung durchaus hilfreiche Dienste leisten, wie Einlasskontrolle, das Führen von Anwesenheitslisten, Mitwirkung bei Abstimmungen, Aufnahme von Anregungen oder Mängeln seitens der Eigentümer und so weiter. Eine interessant gestaltete Eigentümerversammlung beweist die Attraktivität unseres Berufsstands und bringt dem Azubi sehr umfangreiche Lebenserfahrung, etwa beim Beurteilen und Zuordnen von Eigentümerschaften.

Häufig liegt der Grund für die Zurückhaltung auch in der Sorge über die Kosten einer späteren Übernahme nach der Ausbildung. Aus Kenntnis der Branche bin ich jedoch überzeugt, dass ein gut ausgebildeter Verwalter durchaus beste Aussichten hat, in der Branche unterzukommen. Auch die tatsächlichen Kosten einer Ausbildung (pro Jahr zirka 12.000 Euro) lassen sich darstellen. Übernimmt zum Beispiel der Azubi ab seinem dritten Lehrjahr die Betreuung von nur 50 bis 70 Wohneinheiten in fünf bis sieben Gemeinschaften – natürlich unter fachlicher Anleitung –, kann er seinen Gehalt durchaus erwirtschaften.

Ein weiteres Hemmnis ist womöglich, dass unklar ist, welche Voraussetzungen man als ausbildender Unternehmer erfüllen muss. Hierzu plant der VDIV Baden-Württemberg ein Seminar, in dem die Voraussetzungen erläutert werden. Die notwendige Ausbildereignungsprüfung (ABE) kann zwischenzeitlich über die örtliche Industrie- und Handelskammer problemlos abgelegt werden. Die IHK veranstaltet hierzu mit wenig Zeitaufwand verbundene Crashkurse. Interessenten können sich gerne an den VDIV Baden-Württemberg in Bietigheim wenden. Bei entsprechenden Nachfragen wird der Verband dieses Seminar organisieren.

Wichtig ist mir auch, dass durch die Präsentation unseres Berufs und die damit verbunden Vorteile bei den Jugendlichen ankommen. Die erste Präsentation unseres Verbands und damit unseres Berufsbilds konnte bei der Berufsaufbildungsmesse (BAM) in Ludwigsburg durchgeführt werden (Der Immobilienverwalter berichtete in Ausgabe 2/2011).
Bei dieser Veranstaltung haben wir mehrfach festgestellt, dass unser Berufsstand und das Berufsfeld nahezu unbekannt ist. Weder bei den Jugendlichen noch bei Eltern, Lehrern oder Arbeitsämter sind der Verwalterberuf und seine Perspektiven bekannt. Es ist sicher Aufgabe und Herausforderung des VDIV, dieses Defizit zu beseitigen, insbesondere durch Präsentationen in Schulen bei Abschlussklassen, in Arbeitsämtern, zum Beispiel für Umschüler, und bei weiteren Messen wie der BAM in Ludwigsburg.

Unser Beruf ist geradezu optimal für verantwortungsbewusste und flexible junge Leute. Er vereinigt nahezu alle Merkmale eines interessanten Arbeitslebens. Hierzu gehören: große Verantwortung, viel Kontakt zu allen Schichten der gesamten Gesellschaft, abwechslungsreiche Tätigkeit, weil kein reiner Schreibtischjob, krisensicher, sehr breit gefächerter Aufgabenbereich, enge Kontakte zu Sonderfachleuten wie Architekten, Baufachingenieuren, Fachingenieuren, Steuerberatern, Banken, Versicherungen und Handwerkern. Ferner wird die Ausbildung auch angemessen entlohnt. Darüber hinaus bietet dieser Beruf alle Möglichkeiten der Weiterbildung bis hin zum diplomierten Immobilienverwalter und damit verbunden sehr gute Aufstiegsperspektiven. Wir müssen den Jugendlichen vermitteln, dass ein professioneller und verantwortungsbewusster Verwalter gemeinsam mit Sonderfachleuten durchaus große Entscheidungen mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen vorbereiten und gemeinsam mit den Eigentümergemeinschaften entscheiden muss.

Nutzen wir die Chance, durch die Ausbildung von Jugendlichen, in unseren Unternehmen für einen qualifizierten Nachwuchs zu sorgen. Durch eine interessante Darstellung und Information über unseren Beruf kann dieser auch in der Gesellschaft die notwendige positive Beachtung finden.

Uwe Haase
Mitglied im Vorstand des VDIV Baden Württembergs und ehemaliger Geschäftsführer der K & P Klauß & Partner Immobilien Management GmbH in Sindelfingen