Der aktuelle Schadenbericht der Bundesregierung zeigt es: Jeder dritte Balkon in Deutschland bedarf einer Sanierung. Er gehört zu den schadenanfälligsten Bauteilen. Der Grund für Balkonschäden ist neben dem klimatischen Wechselspiel zwischen Kälte und Hitze häufig Wasser. Sammelwasser dringt in kleine Risse im Balkon ein und zerstört das Baumaterial. Spätestens dann stellt sich der Gebäudeeigentümer die Frage, ob sich eine Sanierung noch lohnt. Die Alternative: ein Fertigbalkon.
Anbaubalkone passen an nahezu jedes Gebäude. Auch dort, wo sie zunächst nicht vorgesehen waren. Wenn die Substanz der vorhandenen Balkone noch gesund ist, ist ein Angebotsvergleich zwischen Sanierung und Erneuerung die beste Möglichkeit. Aber auch bauphysikalische Gründe sollten berücksichtigt werden. Vor allem bei üblichen Kragplattenbalkonen aus Ortbeton müssen Kälte- beziehungsweise Wärmebrücken in die Planungen mit einbezogen werden.
Zwei oder vier Stützen: Die Statik entscheidet
Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit, bei der Erneuerung die Größe des Balkons zu verändern. Denn in vielen Fällen reicht eine bestehende Balkontiefe von 1 bis 1,20 Metern nicht aus. Großflächige Balkonlösungen für Wohngebäude gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: Anbaubalkone aus Aluminium oder Stahl, aus Beton, Holz oder aus mehreren Materialien kombiniert. Doch bevor man sich über Details der Konstruktion Gedanken macht, muss man abklären, ob ein Anbaubalkon überhaupt genehmigt wird. Denn ohne Baugenehmigung ist es verboten, einen Anbaubalkon zu montieren. Erster Schritt sollte deshalb die Bauvoranfrage sein. Sie wird formlos bei der Gemeinde gestellt und erfordert noch keinen Architekten oder Statiker. Signalisiert die Baubehörde ihr Einverständnis, kann die Detailplanung beginnen und der Bauantrag eingereicht werden. Hierbei wird schließlich der Statiknachweis benötigt. Dieses Dokument gibt unter anderem Auskunft darüber, wie der Balkon getragen wird, ob er gehängt ist, auf vier oder nur zwei Stützen steht. Anbaubalkone mit vier Stützen belasten die Fassade am geringsten. Die Konstruktion trägt sich selbst und muss deshalb weniger tief in der Hauswand verankert werden. Das reduziert das Risiko von Kältebrücken. Balkone mit zwei Stützen hingegen erfordern innerhalb des Hauses stabile Deckenkonstruktionen, an denen sie befestigt werden.
Wie viel Platz ist im Hinterhof vorhanden?
Robuste Balkonkonstruktionen sind aus Stahl, Aluminium, Beton oder aus einer Kombination dieser Materialien gefertigt. Bei der Auswahl des Materiallieferanten ist wichtig, den Transportweg der vorgefertigten Teile im Auge zu behalten. Sperrige und schwere Balkonplatten von weither anliefern zu lassen, erhöht die Kosten. Wird der Balkon in einem Hinterhof montiert, offenbart sich vor Ort häufig ein anderes Problem: Je nach Größe und Gewicht der Teile muss die Konstruktion über das Dach gehoben werden. Bei der Materialwahl entscheidet sich auch, wie sich der Trittschall über die später eingebaute Betonplatten ausbreitet. Als Faustregel gilt: Je massiver eine Balkonplatte, desto geringer lärmen die Schritte im Gebäude. Beton beispielsweise absorbiert den Trittschall nahezu vollständig. Jedoch gibt die Balkonkonstruktion meist vor, welcher Bodenbelag verwendet wird. Bei Anbaubalkonen aus Beton wird die Balkonplatte in den meisten Fällen als Fertigteil gleich mitgeliefert. Ist die Oberfläche in Sichtbeton gegossen, ist ein weiterer Belag nicht notwendig, und die Kosten werden eingespart.
Schwachpunkt: Abdichtung und Entwässerung
Bei reinen Stahl-, Aluminium- und Holzbalkonen kann der Bodenbelag unterschiedlich gewählt werden. Zum Einsatz kommen Holzbeläge, Betonplatten oder sogar großflächige, wetterbeständige Platten aus Glas oder Naturstein. Auch Fliesen können verlegt werden. Bei Fliesenbelägen muss die Entscheidung allerdings im Vorfeld getroffen werden, weil die Konstruktion auf die spezifischen Anforderung der Bodenverkleidung abgestimmt sein muss. Eine nachlässige Planung führt in vielen Fällen dazu, dass nach dem Anbau erste Mängel entdeckt werden. Häufige Schwachpunkte dabei sind die Abdichtungen und die Entwässerung. Bei mehrgeschossigen Gebäuden sollte das Regenwasser in ein Fallrohr geleitet werden. Eine seltener angewandte Methode ist, das Regenwasser in Leitungen innerhalb der Balkonstützen abzuleiten. Das Problem: Wenn sie verstopft sind, ist die Reinigung sehr aufwendig. Bei Stahlstützen erhöht sich vor allem die Korrosionsgefahr. Die Stützen können von innen rosten und die Standfestigkeit nach einer gewissen Zeit verlieren – der Balkon wird zur Gefahrenquelle. Deshalb werden normalerweise separate Leitungen montiert.
Geländer richtet sich nach der Fassade
Die Wahl der Geländer ist überwiegend abhängig von der Gestaltung der Fassade, aber auch der Preis spielt eine Rolle. Bei Anbaubalkonen sind grundsätzlich alle Varianten der Geländergestaltung vorstellbar: Aluminiumgeländer, Stahlgeländer, Holzgeländer und Betonbrüstungen. Oder offene Verkleidungen durch einfache Stabgeländer, die überwiegend aus Stahl oder Aluminium gefertigt werden. Die Geländerverkleidung ist dabei ähnlich flexibel wählbar. Zum Einsatz kommen VSG-Scheiben, Acrylverkleidungen, Mehrschichtplatten, waagerechte oder senkrechte Bretterverkleidungen aus unterschiedlichen Materialien. Dabei spielt jedoch auch die Fassade eine Rolle. Der Stil sollte möglichst beibehalten werden. Es sei denn, mit den Anbaubalkonen wird gleich die ganze Gebäudewand neu gestaltet.
www.anbaubalkone.de
Johannes Kolossa, Balkon-Informationszentrum
Bild: Anbaubalkone, wie hier bei einem sanierten Objekt der Städtischen Wohnungsbau Lahr, erhöhen den Wohnwert enorm.
