Schimmel: Silikatfarben helfen

Feldversuch bestätigt Wirkung bei Schimmelbefall

Silikatfarben helfen bei SchimmelbefallGemeinsam mit der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG hat die Sto AG einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch durchgeführt, der die schimmelpilzfeindliche Wirkung von Silikatfarben bestätigt. In einer Veranstaltungsreihe stellen die Baustoffspezialisten ihre Messergebnisse und Erkenntnisse der Öffentlichkeit und anschließend der ganzen Branche zur Verfügung.

Schimmelbefall von Wohnungen ist ein Problem – für Mieter, private Hauseigentümer und vor allem die Wohnungswirtschaft. Schließlich stellt der lästige Untermieter keineswegs nur ein ästhetisches Problem dar: Er kann laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Asthma, Allergien und Atemwegserkrankungen verursachen, zerstört schlimmstenfalls Bausubstanz und sorgt für Mietausfälle sowie Leerstände. Das Thema sollte also weder ignoriert noch auf wohlfeile Lüftungsempfehlungen reduziert werden. Nur eine kompetente, auf professioneller Analyse beruhende Vorgehensweise sorgt für Abhilfe. In Mannheim wurde dies unter Beweis gestellt.

Ohne Wasser keine Pilze
Nahezu überall finden sich Schimmelpilzsporen, und viele Materialien eignen sich als Untergrund für eine Besiedelung: Hölzer, Kleber, Textilien, Kunststoffe, Tapeten. Notwendige Voraussetzung für das Wachstum ist jedoch immer Feuchte: ohne Wasser keine Pilze. Externe Ursachen einer für Pilzwachstum ausreichenden Feuchtigkeit können Wasserschäden durch undichte Dächer und Fenster oder schadhafte Wasserleitungen, aber auch aufsteigendes Wasser sein. Bei den internen Faktoren stehen kalte, unzureichend gedämmte Außenflächen an der Spitze, an denen die Luftfeuchte kondensiert, die durch eine normale Nutzung der Wohnung (zum Beispiel Duschen, Kochen, Wäsche trocknen) immer wieder sprunghaft ansteigt. Das unbestritten wichtige Lüften alleine reicht kaum aus, dieser Kondensationsfeuchte Herr zu werden. Dauerlüften verschleudert wertvolle Heizenergie, und regelmäßiges Stoßlüften ist tagsüber für Berufstätige oder nachts für Menschen, die ihren Schlaf nicht für zehnminütiges Querlüften alle zwei bis drei Stunden unterbrechen möchten, kaum realisierbar.

Das hasst der Pilz
Bereits in der Antike wurde gebrannter Kalk als Baustoff geschätzt, da er Oberflächeneigenschaften aufweist, die einer Besiedelung durch Organismen wenig zuträglich sind. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden daher Wohngebäude und Stallungen einmal jährlich mit Kalkfarbe getüncht: zum Schutz von Mensch und Tier vor Parasiten aller Art. Der Grund für den desinfizierenden Effekt des Kalks ist sein hoher ph-Wert. Pilze gedeihen im alkalischen Milieu kaum. Doch die Schimmelabwehr durch Kalk funktioniert nicht dauerhaft. Die Behandlung muss jedes Jahr wiederholt werden, da die Alkalität (durch Kohlendioxid-Aufnahme) schnell auf einen Wert sinkt, der kaum mehr wirksam ist. Einen dauerhaft hohen ph-Wert bieten dagegen moderne Silikatbeschichtungen. Ihre hohe Alkalität (ph-Wert 11) entspricht der einer Seifenlauge und bleibt über Jahre unverändert erhalten, ihre Wirksamkeit gegenüber Schimmelpilzen verringert sich nicht.

Umweltverträglich und unbedenklich
Optimal wirken die Farben, wenn sie auf einer hochdiffusionsoffenen Silikatspachtelung beziehungsweise einem solchen Putz zum Einsatz kommen. Diese verringern Luftfeuchte-Spitzen, wie sie beim Kochen oder Duschen entstehen, durch ihre ausgeprägte Fähigkeit, rasch Wasser aufzunehmen und erst langsam wieder abzugeben. So wird das Kondensieren von Feuchte auf Oberflächen vermieden, dem Schimmel wird die Lebensgrundlage entzogen. Solche Silikat-Produkte (Putze, Spachtelmassen oder Farben) sollten dabei – wie alle modernen Beschichtungen – stets frei von Lösemitteln und Weichmachern sein. Nur dann eignen sie sich auch für empfindliche Menschen und Allergiker. Hinzu kommt, dass die Eigenkonservierung durch den hohen ph-Wert erlaubt, auf jegliche Konservierungsmittel zu verzichten. Das Nature-plus-Zertifikat und das Prüfsiegel des Tüv garantieren die Umweltverträglichkeit und Unbedenklichkeit der kompletten Produktreihe. Das Innensilikatsortiment von Sto umfasst dabei alle für die Beschichtung von Innenräumen benötigten Produkte – vom Ausgleichsspachtel bis zur Kreativbeschichtung.

Erfolgreicher Praxistest
Ob Silikate auch in der Praxis halten, was die Theorie verspricht, wollte die Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG genau wissen. Für einen umfangreichen Feldversuch stellte das Unternehmen vier von Schimmel befallene Testwohnungen verschiedenen Baujahrs und unterschiedlicher Bausubstanz zur Verfügung. Nach einer professionellen Beseitigung der Pilze wurden im Jahr 2007 Wände und Decken mit verschiedenen Sto-Innensilikatprodukten beschichtet. Die Bauphysikspezialisten des Ingenieurbüros Geyer und Golisch, Mannheim, hatten in der Folgezeit kontinuierlich die Luftfeuchte sowie die Temperatur und Feuchte der Wände in den Testwohnungen gemessen. Das Ergebnis nach neun Monaten: Obwohl die anfallende Feuchte prädestiniert war, auf den untersuchten Flächen erneuten Schimmelbefall auszulösen, zeigten diese „in drei der vier untersuchten Wohnungen bisher keinen erneuten Schimmelpilzbefall. Dies gilt auch für die Wohnungen Nummer 1 und 2, in denen extrem hohe Raumluftfeuchten auftraten“, so Christoph Geyer von Geyer + Golisch. Lediglich in einer Wohnung wurden Wandflächen erneut befallen, wobei unbehandelte angrenzende Hölzer als Ursprung des neuen Befalls ermittelt wurden. Die GBG Mannheim zeigte sich überzeugt und will künftig in ihren Gebäuden ganz auf Silikate setzen.

Um die Erkenntnisse dieses Feldversuchs zu diskutieren, hatte Sto Ende 2007 zu einem Symposion eingeladen, an dem Vertreter von 14 Unternehmen der Wohnungswirtschaft sowie mehrere Architekturbüros teilgenommen haben. Themen waren, neben dem genannten Feldversuch, Fragen nach den Ursachen für Schimmelpilzbefall, Sanierungsansätze des Fachhandwerks sowie das Sto-Silikatprogramm. Weitere Veranstaltungen dieser Art folgen, um Wohnungswirtschaft und Handwerk mit den wissenschaftlich fundierten Methoden vertraut zu machen, die es ermöglichen, mit ebenso wirtschaftlichen wie ökologischen Methoden Schäden durch Schimmel weitestgehend zu vermeiden.
www.sto.de

Andreas Oberle
Bild: In der 1000-fachen Vergrößerung offenbart der Silikatputz (Sto-Decosil) seine poröse Struktur, die es ihm ermöglicht, rasch große Mengen Feuchtigkeit zu speichern. (STO)