Begrünte Flachdächer erfüllen viele Funktionen, zum Beispiel schützen sie die Dachabdichtung, haben wärmedämmende Wirkung und halten Regenwasser zurück. Nun kommt eine weitere hinzu: Sonnenenergie kann zur Stromerzeugung (Fotovoltaik) oder Warmwasseraufbereitung beziehungsweise Heizungsunterstützung (Solarthermie) genutzt werden. Flachdächer gehören im Bezug auf eine Solaranlage zu den besten Standorten, weil die Solarmodule auf den idealen Neigungswinkel – in unseren Breiten sind dies 30 Grad – und auf die ideale Südausrichtung bestens eingestellt werden können.
Bisher fand man in kommunalen Begrünungs-Festsetzungen häufig die Klausel, dass auf eine Begrünung verzichtet werden kann, wenn stattdessen das Dach zur solaren Energiegewinnung genutzt wird. Heute muss kein Bauherr mehr die Entscheidung treffen – Dachbegrünung oder Solarnutzung. Ganz im Gegenteil: Aus der Dachbegrünung und der Solarnutzung ergeben sich wesentliche Synergieeffekte.
Auflast durch den Begrünungsaufbau
Ein wesentlicher Synergieeffekt ergibt sich bereits in der Ausführung, da der Begrünungsaufbau einen erheblichen Anteil der Auflast darstellen kann, die für die Windsogsicherung der Solaranlage notwendig ist: Der Zinco-Systemaufbau Solarvert besteht aus einer vlieskaschierten Dränage- und Wasserspeicherbahn und der Solarbasis. Diese 2 Quadratmeter große Hartkunststoffplatte mit unterseitigen Konter- und Aussteifungsprofilen aus Aluminium dient der Montage des Solargrundrahmens und nebenbei ebenfalls als Dränage fürs Grün. Darauf folgen die Systemerde und der Pflanzenbewuchs, die durch ihre Auflast die Solarbasis beschweren. Dieses Auflastprinzip macht Durchdringungen der Dachhaut überflüssig, das sonst zur Verankerung der Solaranlage notwendig wäre. Bautechnisch günstig ist ebenfalls, dass sich die Last der Solarmodule auf die Fläche verteilt und damit keine hohen Punktlasten auftreten, wie es bei schweren Betonklötzen zur Verankerung geschehen würde.
Grundsätzlich muss für jedes Dach die konkret erforderliche Auflast im Rahmen einer objektspezifischen Windsogberechnung ermittelt werden. Dabei spielen Faktoren wie Standort des Gebäudes (Windzone), Gebäudehöhe, Höhe der aufgeständerten Solarmodule und die Nähe zum Dachrand eine entscheidende Rolle.
Höherer Wirkungsgrad der Fotovoltaik-Module
Begrünte Dächer sorgen dafür, dass Fotovoltaikanlagen im Sommer mehr Leistung bringen. Die Ermittlung der Modulleistungen erfolgt nach genormten Prüfbedingungen, den Standard-Testbedingungen (Standard Test Conditions: 1000 Watt pro Quadratmeter, 25 Grad Celsius, AM 1,5; STC). Die STC legt verschiedene Prüfparameter fest. Einer dieser Parameter ist die Temperatur von 25 Grad Celsius der Module beim Prüfvorgang. Der Wirkungsgrad der meisten Fotovoltaikmodule sinkt, wenn die Betriebstemperatur über 25 Grad liegt. Als grobe Faustformel gilt: 0,5 Prozent Leistungsverlust pro Grad Kelvin Aufheizung des Moduls. Eine nackte Dachfläche heizt sich an einem heißen Sommertag bis über 80 Grad auf. Eine begrünte Dachfläche jedoch kommt nur auf etwa 35 Grad. Deshalb erzielen Solarmodule, die mit einer Dachbegrünung kombiniert werden, eine höhere Leistung.
Für Neubau, Sanierung oder Einbau in vorhandenes Grün
Die Kombination Solar und Grün ist nicht nur im Bereich Neubau interessant, sondern ebenso für Dachsanierungen. Für den Bauherrn rechnet sich auch ein nachträglicher Einbau einer Solaranlage in eine vorhandene extensive Dachbegrünung. Bei bestehenden Dachflächen muss als Grundvoraussetzung eine entsprechende Statik vorhanden sein. Als Richtwert gelten etwa 100 bis 150 Kilogramm Tragkraft pro Quadratmeter. Von den zig Millionen Quadratmetern Dachfläche, die allein in Deutschland jedes Jahr saniert werden, wird sich der Großteil davon für diese kombinierte Nutzung eignen.
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red
Bild: Der Zinco-Systemaufbau Solarvert ermöglicht die Kombination von Solaranlagen mit Dachbegrünung. (Zinco)
