Gründachatlas zeigt in Düsseldorf Potenziale

Gründächer: Natürliche Klimaanlage für die Stadt

Gründächer: Natürliche Klimaanlage für die StadtEin Blick aus der Vogelperspektive zeigt in Düsseldorf nicht nur graue Dachflächen und rote Ziegel. Zwischendrin ragt immer häufiger ein grünes Pflanzbeet aus dem städtischen Grau hervor. Und das sind nicht etwa ebenerdige Parks oder Wiesenflächen, sondern in windigen Höhen bepflanzte Dachflächen. Eine Gründachkarte zeigt jetzt, wie weit die grüne Revolution auf den Dächern der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt schon vorangeschritten ist und welche Potenziale es noch zu heben gilt.

Im Innenstadtbereich verdichtet sich das Muster der Dachbegrünung leicht. Gut so, denn gerade hier nimmt der Anteil der ebenerdigen Grünflächen stark ab. Begrünte Dächer sind dann manchmal die einzige Option, versiegelten Flächen ein Stück Natur zurückzugeben. Sie können einen besonders wertvollen „Naherholungsraum“ bilden und zu einem verbesserten Stadtklima beitragen. Doch wie grün ist die Stadt tatsächlich? Das hat eine Gründachkartierung herausgefunden, die mithilfe einer flächendeckenden Luftbildauswertung erstellt worden ist. Das Ergebnis: Mehr als 730.000 Quadratmeter Dach- und Tiefgaragenflächen sind im gesamten Stadtgebiet von Düsseldorf begrünt, so viel wie 100 Fußballfelder. Damit sich dieser grüne Flickenteppich stetig erweitert, versucht die nordrheinwestfälische Landeshauptstadt, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um Dachbegrünungen im Rahmen der Bauleitplanung, mit Förderprogrammen sowie seit 2010 auch mit einer entsprechenden Abwassergebührenordnung voranzubringen.

Sommer in Düsseldorf: Warme Inseln, heiße Nächte

Die Sonne lacht. Kein Wölkchen am Himmel. Es ist Sommer. Ein anhaltendes Hoch über Deutschland. Hitze über und unter den Dächern von Düsseldorf. Tagelange Hitzeperioden kommen gehäufter vor und dauern in Zukunft länger an – so jedenfalls sagen es die Prognosen der Klimaforscher voraus. Besonders in Großstädten und Metropolen, wo die sommerliche Hitzebelastung aufgrund der kompakten Baumassen ohnehin schon groß ist, wird der Klimawandel zusätzliche Wärme bringen. Mit einer „Hitzeinselkarte“ für Nordrhein-Westfalen hat das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung im vergangenen Jahr eindringlich auf die Folgen des Klimawandels, insbesondere für Städte und Ballungsräume, aufmerksam gemacht.

Gründächer: Natürliche Klimaanlage für die Stadt

Große Parks und Grünflächen wie der Hofgarten oder der Volksgarten sorgen in Düsseldorf wirksam für Kühlung. Dort, wo die grünen Freiflächen rar werden – im Stadtzentrum –, können bepflanzte Dachflächen einen gewissen Ausgleich schaffen. Die Umwandlung eines Kies- oder Foliendachs in eine Gras- oder Sedumlandschaft ist aktiver Klimaschutz. Bepflanzte Dächer nehmen für eine gewisse Zeit das Regenwasser auf. Es verdunstet langsamer und sorgt damit gleichzeitig für Kühlung. Vor allem im Sommer, wenn die Lufttemperatur in der Innenstadt aufgrund des höheren Anteils versiegelter Bodenfläche bis zu 10 Grad Celsius wärmer sein kann als im Umland, können Dachbegrünungen ihre positive Wirkung auf das Stadtklima besonders entfalten. Dies gilt sowohl auf als auch unter dem Dach. Aufgrund ihrer wärmedämmenden Eigenschaften können Dachbegrünungen kostspielige Klimaanlagen überflüssig machen. So kann der Energieverbrauch gesenkt und zusätzlicher CO2-Ausstoß vermieden werden. Darüber hinaus bindet ein grüner Pflanzenteppich Kohlendioxid, Staub und Schadstoffe. Ein Quadratmeter grünes Dach filtert im Jahr etwa 0,2 Kilogramm Schadstoffe aus der Luft. Und nicht zuletzt sieht der oft bunt blühende Pflanzenpelz auch gut aus. Ob der Ausblick auf ein Extensivgründach vom Bürofenster, der Gemüsegarten auf dem Garagendach oder die üppig bewachsene
Dachoase direkt auf einem Innenstadtparkhaus – immer mehr Düsseldorfer genießen ihren eigenen Stadtgarten mit Aussicht.

Die Stadt Düsseldorf fordert und fördert

Düsseldorf versucht, alle Möglichkeiten innerhalb einer aktiven Stadtentwicklung auszuschöpfen, um Dachbegrünungen mit gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderprogrammen voranzubringen – seit Januar 2010 auch mit einer für begrünte Dachflächen verminderten Abwassergebührenordnung. Das Themenfeld Dachbegrünungen ist in Düsseldorf in erster Linie beim Umweltamt angesiedelt. Seit mehr als zehn Jahren werden in der Landeshauptstadt im Rahmen der Bauleitplanung Dachbegrünungen in Bebauungsplänen festgeschrieben. Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent aller Dachbegrünungen in Düsseldorf gehen auf das Konto dieses Planungsinstruments. Es wird angestrebt, alle Flachdächer und flach geneigten Dächer bis 15 Grad Dachneigung in Wohn-, Misch- und Gewerbegebieten bei Neubauvorhaben innerhalb neu aufzustellender B-Pläne mit mindestens extensiver Dachbegrünung zu gestalten. Begründet wird diese Festsetzung in erster Linie als mikro- und lokalklimatische Ausgleichsmaßnahme im Nahbereich der Planung.

Daneben will die Stadt auch Anreize für eine freiwillige Umgestaltung von Grau- zu Gründächern geben. Seit dem Jahr 2000 hat Düsseldorf, zum Teil zusammen mit dem Land Nordrhein-Westfalen, in drei Förderprogrammen rund 110 Vorhaben mit insgesamt über 1,4 Millionen Euro bezuschusst. Die geförderten Einzeldachflächen reichten dabei von einem 200 Quadratmeter großen Anbau in einem Wohnhinterhof bis zu einer 17.000 Quadratmeter-Dachfläche einer großen Spedition. Zwei vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützte Förderprogramme sind inzwischen ausgelaufen. Die einzige rein städtische Förderung von Umweltprojekten läuft seit über 20 Jahren und wird auch zukünftig weiter fortgeführt. Dachbegrünungen sind ein fester Bestandteil der Umweltprojektförderung. In den Jahren 2001 bis 2008 wurden 20 Dachbegrünungsvorhaben mit einer Gesamtfläche von 1400 Quadratmetern mithilfe dieses städtischen Programms gefördert. Im Jahr 2008 waren es sieben Dächer – vom Fahrradunterstand bis hin zum Mehrfamilienhaus. Die neue Abwassergebührenordnung, die seit dem 1. Januar 2010 in Kraft ist, dürfte für Düsseldorfer Hausbesitzer und Investoren ein zusätzlicher Anreiz sein, zukünftig noch stärker auf Dachbegrünungen zu setzen: Die Abwassergebühren für begrünte Dachflächen aller Art werden um 50 Prozent reduziert.

Blick von oben: Düsseldorf erstellt erste Gründachkarte

Das Umweltamt der Stadt Düsseldorf hat mithilfe einer flächendeckenden Luftbildauswertung alle begrünten Dächer der Landeshauptstadt erfasst und in einer Karte für das gesamte Stadtgebiet dargestellt. Damit ist Düsseldorf bislang die einzige Großstadt mit einer flächendeckenden Gründachkartierung. Die Auswertung ermöglicht erstmals eine genaue Übersicht und liefert konkrete Zahlen: Demnach zählt die Stadt rund 1330 begrünte Hausdächer mit einer Gesamtfläche von mehr als 440.000 Quadratmetern – das entspricht 1,6 Prozent aller Dachflächen und rund 25 Quadratkilometern in Düsseldorf. Für den erweiterten Innenstadtbereich ist der Anteil der dachbegrünten Flächen mit fast 3 Prozent der dortigen Dachflächen noch höher. Hier sind bereits mehr als 140.000 Quadratmeter begrünt. Zählt man auch noch die 350 bepflanzten Tiefgaragen hinzu, so kommt man für ganz Düsseldorf auf 730.000 Quadratmeter begrünter Dach- und Tiefgaragenflächen. Das entspricht einer Fläche von 100 Fußballfeldern. Die Auswertung aller Luftbilder dauerte für die gesamte Stadtgebietsfläche von 217 Quadratkilometern rund 80 Arbeitsstunden, einschließlich einiger Vor-Ort-Begehungen zur stichpunktartigen Überprüfung der Plausibilität. Die begrünten Dachflächen wurden mithilfe eines geografischen Informationssystems kartiert. Die Kartierung soll in einem Abstand von fünf Jahren neu aufgelegt werden.

Ausgezeichnetes Dachgrün: Preis für Düsseldorf

Diese Bemühungen der Stadt um mehr begrünte Dächer trugen mit dazu bei, dass Düsseldorf 2008 beim europaweiten Grün-Wettbewerb „Entente-Florale“ mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Speziell für das kommunale Engagement zur Förderung von Dachbegrünungen hat die Stadt im vergangenen Jahr von der International Green Roof Association (Igra) im baden-württembergischen Nürtingen den Igra Award 2009 in der Kategorie Kommune verliehen bekommen. Der Preis ist für die Stadt selbst ein Anreiz, dass der grüne Flickenteppich immer dichter und die „Fußballfelder“ über den Dächern der Stadt immer zahlreicher werden. Das Projekt Marco, die Quantifizierung der stadtklimatisch relevanten Abkühlungsfunktion von Dachbegrünungen, ist bereits der nächste Schritt.

Katja Holzmüller
Umweltamt Düsseldorf

Bild: Wohnen in Düsseldorf-Pempelfort: Grüne Dächer sorgen für ein angenehmes Stadtklima.