Malerisch liegt das Fachwerkhaus der Familie Bierfreund im hessischen Ober-Ramstadt. Trotzdem scheint die Immobilie ein Fall für die Abrissbirne zu sein. Nach zehn Jahren Leerstand sind die drei zusammengehörenden Gebäude aus dem 19. Jahrhundert von Witterung und Verfall gezeichnet. Doch eine Komplettrenovierung hat aus dem denkmalgeschützten Problemfall ein Schmuckstück gemacht – das sogar Energie spart.
Wasserschäden, Befall von Hausschwamm, morsche Böden und ein teilweise zerstörtes Dachwerk hatten das Anwesen in einen desolaten Zustand versetzt. Hinzu kamen die Folgen früherer laienhaft durchgeführter Renovierungsversuche. Trotz seines maroden Zustands kauften Silke und Mario Bierfreund den Altbau und entschieden sich gegen einen Abriss. „Sie wollte das Haus unbedingt haben“, sagt Mario Bierfreund, den seine Frau von der Komplettrenovierung überzeugte. Die auf Altbausanierungen spezialisierte Innenarchitektin nahm die anstehenden Modernisierungsarbeiten selbst in die Hand. „Mir war bewusst: Da schaffen wir etwas Schönes. Was nachher daraus geworden ist, hätte ich vorher nicht gedacht“, sagt Silke Bierfreund über ihr Werk.
Denkmalschutz mit Kraft-Wärme-Kopplung
Rund neun Monate dauerten die Arbeiten am ehemaligen Bauernhaus im Odenwald. Heute stehen hier 500 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Gebäudestruktur konnte erhalten und die Substanz der historischen Bauten unverfälscht bewahrt werden. Doch durch die damit verbundenen Auflagen wurde das Projekt zusätzlich erschwert. Eine gründliche Dämmung, die den Energiebedarf des mehr als 100 Jahre alten Hauses hätte senken können, fiel den gesetzlichen Vorgaben zum Opfer. „Die Denkmalpflege verlangte zum Beispiel, dass wir die alten Fliesen im Flur erhalten. Deswegen konnten wir dort nicht dämmen und auch keine Fußbodenheizung verlegen“, erklärt die Innenarchitektin. „Wegen seiner Größe war das Objekt geradezu prädestiniert für die Kraft-Wärme-Kopplung. Die Kosten für geeignete Dämmmaßnahmen wären sonst ausgeufert.“
Gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme
Die Lösung war ein erdgasbetriebenes Dachs-Mini-Blockheizkraftwerk (Mini-BHKW) des Schweinfurter Herstellers Senertec, das dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) folgend den einmal eingesetzten Brennstoff doppelt nutzt – zur Strom- und Wärmeerzeugung. Mit dem Dachs kann der CO2-Ausstoß des Fachwerkhauses niedrig halten und gleichzeitig der Energiebedarf gesenkt werden. Indem das Erdgas im Motor verbrennt, treibt es einen Kolben an, dessen Bewegung ein Generator in Strom umwandelt. Wie auch in Großkraftwerken entsteht hier bei der Stromerzeugung als Nebenprodukt thermische Energie. Doch anders als in großen Werken lässt der Dachs diese Abwärme weder abkühlen noch ungenutzt verpuffen, sondern koppelt sie über Wärmetauscher aus und führt sie der Warmwasser- und Heizwärmeversorgung zu.
Energie sparen, Rendite erzielen
Im Erdgeschoss wird die Wärme über eine Fußbodenheizung weitergeleitet, in den oberen Etagen verteilen Röhrenheizkörper die Leistung des kleinen Kraftwerks im Haus. Durch seine effiziente Energieerzeugung spart das Mini-BHKW 31 Prozent Primärenergie und 47 Prozent CO2-Emissionen gegenüber der herkömmlichen separaten Erzeugung von Strom und Heizenergie. Die Anlage erbringt 5,5 Kilowatt elektrische und 12,5 Kilowatt thermische Leistung, bei rund 5000 Betriebsstunden im Jahr. Für das alte Bauernhaus macht sich die Investition bezahlt: Dem KWK-Gesetz entsprechend erhalten die Betreiber für jede mit dem Mini-BHKW erzeugte Kilowattstunde Strom eine Bonuszahlung von 5,11 Cent. Wenn sie darüber hinaus etwaige Überschüsse ins Netz ihres lokalen Stromversorgers einspeisen, gibt es eine zusätzliche Einspeisevergütung obendrauf. Die Energiesteuer entfällt für das Mini-BHKW-Betrieb komplett.
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red
Bild: Im Keller dieses renovierten, denkmalgeschützten Fachwerkhauses sorgt ein Mini-BHKW für eine gute Energiebilanz. (Senertec)

