50 Prozent unter Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV)

Sanierung eines Mehrfamilienhauses mit Passivhauskomponenten

Ein Mehrfamilienhaus aus den 60er-Jahren - Sanierungsalltag für die meisten Wohnungsunternehmen. Die wbg Nürnberg hat allerdings noch eins oben drauf gesetzt: Sie sanierte das Mehrfamilienhaus nicht nur zum Niedrigenergiehaus, sie stockte das Gebäude auch nach Passivhausstandard auf.

Grundrisse werden angepasst
Sanierung eines Mehrfamilienhauses mit PassivhauskomponentenDie Wohnanlage in der Nürnberger Kollwitzstraße war in die Jahre gekommen: Die 54 Wohnungen, aufgeteilt in Zweizimmer-, Dreizimmer- und Vierzimmerwohnungen, entsprachen weder vom Grundriss noch von ihrem Zustand her den heutigen Maßstäben. Im Rahmen des Dena-Förderprogramms „Niedrigenergiehaus im Bestand“ hat die wbg 2008 das Mehrfamilienhaus zusammen mit den Partnern der Arge Faktor 10 im unbewohnten Zustand umfassend saniert: Die Grundrisse wurden aktuellen Bedürfnissen angepasst, die Wohnfläche durch Vorbauten erweitert.

Energetische Sanierung
Nachträglich angebaute Balkone zwischen den Vorbauten werten die Wohnungen zudem auf. Die Nürnberger haben dabei großen Wert auf die energetische Sanierung des Gebäudes gelegt und wieder einmal ein Paradebeispiel geschaffen – ohnehin eine Spezialität des fränkischen Wohnungsunternehmens: Das sanierte Haus liegt 50 Prozent unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV). Konkret heißt das: Der Heizwärmebedarf ist bei einer Gesamtfläche von 2754 Quadratmetern von 204 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr vor der Sanierung auf 27 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gesunken. Dazu sind Wände, Dachterrasse und Kellerdecke mit einem Wärmedämm-Verbundsystem der Wärmeleitgruppe 035 in den Stärken 12 bis 24 Zentimeter versehen worden.

Neue Fenster
Auch die neuen Fenster mit einem Uw-Wert von 0,85 Watt pro Quadratmeter und Kelvin tragen zu diesem Ergebnis bei. Das Haus wird umweltfreundlich mit Fernwärme versorgt, die Zu-/Abluftanlage arbeitet mit 85 Prozent Wärmerückgewinnung und schichtet zirka 7000 Kubikmeter Luft in der Stunde um. Der Clou der Sanierung findet sich allerdings auf dem Dach: Hier sind durch Aufstockung sechs neue Wohnungen entstanden – nach Passivhausstandard. Das bestehende Satteldach wurde bei einigen Gebäuden durch ein Pultdach ersetzt.

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Für die neuen Wohnungen mit 70 bis 110 Quadratmeter Wohnfläche drängte sich die Passivhaustechnik als energetischer Standard auf, da die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bereits für das Restgebäude konzipiert war und eine Holzkonstruktion im Dachgeschoss mit geringstem Mehraufwand um ein paar Zentimeter Dämmdicke ergänzt werden konnte. Die Lüftungszentralgeräte wurden im Keller platziert, die Verteilung erfolgt über Steigleitungen mit Wickelfalzrohr. Die dezentrale horizontale Verteilung innerhalb der Wohnungen ist mit einem flexiblen Rohrverteilsystem innerhalb kürzester Zeit realisiert worden.

Baukosten
Dass die Passivhaustechnik kein Kostentreiber ist, zeigen die Baukosten: Die Kosten für die Sanierung des Objekts belaufen sich auf 1150 Euro pro Quadratmeter – die Aufstockung und Errichtung von sechs Wohnungen im Passivhausstandard sind dagegen nur 50 Euro pro Quadratmeter teurer. Die Mehrinvestitionen für die Passivhaustechnik und den energetischen Zielstandard „EnEV minus 50 Prozent“ betragen 110 Euro pro Quadratmeter gegenüber dem EnEV-Referenzstandard für Neubauten.
www.aerex.de

red
Bild: Das Mehrfamilienhaus strahlt nach der Sanierung wieder in neuem Glanz – und atmet dank der unauffälligen Zuluftstationen frische Luft. Die zentrale Lüftungsanlage im Keller verteilt sie in neun Lüftungsabschnitten über das flexiblen Rohrverteilsystem Aerex-o-Flex auch bis in die neuen Dachgeschosswohnungen. (aerex)