Eon, Vattenfall, EnBW, 24/7 Metering

Smart Metering in der Wohnungswirtschaft

Smart Metering in der WohnungswirtschaftIn dieser Ausgabe setzen wir unsere Smart-Metering-Serie fort: Dieses Mal stehen die Energieversorger im Fokus. Seit Anfang des Jahres sind die intelligenten Energiezähler im Neubau und bei umfangreichen Modernisierungen Pflicht, doch aktuell gibt es vor allem für Eigenheimbesitzer nur wenige Angebote. Hat die Energiebranche den Bedarf der Wohnungswirtschaft unterschätzt?

Smart Metering gewinnt an Fahrt. Welche Lösungen bieten Sie der Wohnungswirtschaft?

24/7 Metering (MVV Energie): „Die 24/7 Metering, eine Tochter der MVV Energie Gruppe, hat hierfür die Lösung „Metermanager“ entwickelt. Dahinter verbirgt sich ein schlüsselfertiges System, das sich reibungslos an alle Anforderungen anpassen lässt. Denn der Metermanager ist modular aufgebaut: Vom selbst entwickelten Zähler und der Kommunikation via PLC oder GPRS über die Datenbank und die Schnittstelle zum Abrechnungssystem bis zum Online-Portal für Endkunden – das System übernimmt je nach Bedarf alle Aufgaben und erfüllt zugleich alle gesetzlichen Vorgaben.“

EnBW Energie Baden-Württemberg: „Wir haben seit Herbst 2008 die Produkte „EnBW Intelligente Stromzähler“ und „EnBW Bonus-Tarif“ auf dem Markt. Die EnBW bietet mit ihrem Zähler ein umfassendes Paket an, zu dem eine Software für die Echtzeitdaten, ein Internet-Portal für die Langzeitauswertung, eine monatliche Abrechnung mit zusätzlichen Spartipps und ein spezieller Stromtarif gehören. Mit dem Intelligenten Zähler lassen sich unnötige Stromfresser im Haushalt identifizieren. Die Verbraucher können dann durch gezielte Maßnahmen, wie den Verzicht auf Standby-Betrieb oder durch den Einsatz von Energiesparlampen, ihre Stromkosten senken. Außerdem kann der Betrieb elektrischer Geräte, beispielsweise einer Waschmaschine oder des Geschirrspülers, gezielt in die günstigere Sparstromzeit verlagert werden. So lassen sich Einsparpotenziale nutzen. Für die Wohnungswirtschaft stehen der Intelligente Stromzähler und entsprechende Tarife wie der EnBW Immoplus-Bonus bereit.“

Eon: „Die Leistungsfähigkeit der heutigen Smart-Meter-Technologie eröffnet vielfältige und komfortable Lösungen im Messwesen, auch für die Wohnungswirtschaft und ihre Kunden. Zu den wichtigsten Verbesserungen zählen Transparenz, Datenqualität, Lastmanagement und sinkende Prozesskosten. Eon Metering bietet Datentransfers sowohl über Powerline Communication (PLC) als auch über die Mobilfunkverbindung (GPRS), Punkt-zu-Punkt-Kommunikation der Messdaten vom Zähler zur Leitstelle per GPRS, ein offenes und mehrspartenfähiges System mittels M-Bus-Datenschnittstelle für weitere Energiesparten sowie eine Stichtagsablesung, zum Beispiel bei Ein- oder Auszug, durch Fernauslesung von auch smarten zentralen Gas- und Stromzählern der allgemeinen Nutzung. Des Weiteren können wir Spontanabfragen per GPRS und Routine-Fernauslesung von Viertelstundenwerten über die Leitstelle durch den Mieter via geschütztem Account, eine Verbrauchsmessung nach definierten Tarifzeiten, Datenarchivierung der letzten 24 Monate ab Inbetriebnahme je Zähler und ein automatisches Auslesen der abrechnungsrelevanten Daten inklusive Marktkommunikation leisten. Die Datensicherheit ist dabei mittels mehrstufiger Verschlüsselungstechnologie gewährleistet. Die Eon Metering liefert Systemlösung aus einer Hand. Mit maßgeschneiderten Leistungspaketen unterstützen wir auch die Wohnungswirtschaft bei der Optimierung ihrer Geschäftsprozesse.“

Vattenfall: „Die Gesetzeslage sieht vor, dass seit dem 1. Januar 2010 neue Stromzähler verwendet werden. Diese intelligenten Stromzähler, sogenannte EDL21-Zähler, werden grundsätzlich seit diesem Jahr in Neubauten und nach umfangreichen Gebäuderenovierungen eingebaut. Jeder Kunde kann auf Anfrage den EDL21-Zähler ohne Aufpreis erhalten und muss lediglich die Montagekosten tragen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 bietet Vattenfall zusätzlich ein Smart-Meter-Stromprodukt an mit vielen komfortablen Smart Meter-Funktionalitäten. Genaue Produkt- und Preisgestaltung folgen in den kommenden Monaten.“

Der Endverbraucher, also der Mieter, kann seit der Liberalisierung des Messwesens darüber bestimmen, wer seine Energieverbräuche erfasst. Der Zähler gehört also sozusagen dem Mieter. Was passiert, wenn der Mieter auszieht?

24/7 Metering: „Der Zähler gehört immer einem Messstellenbetreiber, der jedoch seit der Liberalisierung des Messwesens vom Mieter ausgesucht werden kann. Zieht der Mieter aus, fällt die Messstelle zuerst einmal an den örtlichen Betreiber zurück. Dieser verhandelt dann mit dem Eigentümer des Zählers, ob der Zähler bleibt oder ausgetauscht wird. Damit haben weder neuer Mieter noch Vermieter etwas direkt zu tun.“

EnBW: „Jeder Mieter kann den Einbau, den Messstellenbetrieb und die Messdienstleistung eines intelligenten Zählers beauftragen. Der Zähler bleibt aber Eigentum der EnBW VSG als Messstellenbetreiber und Messdienstleister. Beim Auszug des Mieters wird der Zähler durch den jeweiligen Netzbetreiber zurückgebaut.“

Eon: „Die Eon Metering sorgt als Messstellenbetreiber für die Installation, Inbetriebnahme und die Sicherstellung des laufenden Betriebs der intelligenten Zähler bei ihren Kunden vor Ort sowie als Messdienstleister auch für die Fernauslesung und Bereitstellung der Verbrauchsdaten für ihre Kunden, zum Beispiel in einem geschützten Account des Kunden. Zieht der Mieter aus, erfolgt damit auch die Kündigung und Abmeldung der Messstellenbetriebs bei der Eon Metering, ähnlich wie bei der Energielieferung. Sobald dann im Rahmen eines Mieterwechsels ein neuer Mieter einzieht, erfolgt sowohl erneut eine Energielieferung als auch die Anmeldung der Messstelle für den neuen Nutzer. Grundsätzlich hat der Mieter die Wahlfreiheit, ob er sich für einen Smart Meter mit Kosten- und Verbrauchstransparenz sowie weiterer Zusatzfunktionen oder einen normalen Basiszähler entscheidet.“

Vattenfall: „Der Zähler ist Eigentum des Messstellenbetreibers und wird dem Kunden zur Verfügung gestellt. Der Messstellenbetreiber ist für den Einbau, den Betrieb und die Wartung des Zählers verantwortlich, in Berlin und Hamburg ist das in den meisten Fällen Vattenfall. Bei einem Auszug bleibt der Zähler in der Anlage, und der Kunde nutzt in der neuen Wohnung dann einen anderen Zähler.“

Viele große Energieversorgungsunternehmen (EVU) vermarkten gerade eigene Smart Meter. Wenn ein Mieter an einem solchen Smart-Metering-Programm eines EVU teilnimmt, erhält er den dazugehörigen Zähler. Wenn der Mieter zum Beispiel den Stromversorger wechselt, zieht dieser auch den Smart Meter wieder ein. Das ist für die Wohnungswirtschaft nicht praktikabel. Welche Lösung halten Sie hier parat?

24/7 Metering: „Zuerst einmal bleibt festzuhalten, dass der Gesetzgeber geregelt hat, dass sich Mieter ihren Messstellenbetreiber samt Zähler aussuchen können. Das ist Wettbewerb, hier sind die Bedingungen für alle gleich. Die 24/7 Metering hat darauf reagiert und mit dem Metermanager eine passende und überzeugende Lösung für Mieter, die Wohnungswirtschaft und Stadtwerke entwickelt.“

EnBW: „Solange es keinen einheitlichen Zählerstandard gibt, haben wir als Messstellenbetreiber und Messdienstleister darauf keinen Einfluss. Der Netzbetreiber oder zukünftige Messstellenbetreiber entscheidet, ob er den Zähler weiter nutzt. Eine gewisse Standardisierung intelligenter Zähler ist also notwendig, damit unterschiedliche Zählersysteme in Zukunft kompatibel sind.“

Eon: „Seit der Liberalisierung des Messwesens hat der Kunde, also auch jeder Mieter das Recht, seinen Messstellenbetreiber, zum Beispiel die Eon Metering, frei zu wählen. Wenn der Kunde nun direkt den Messstellenbetreiber mit dem Einbau eines Smart Meter unabhängig von seinem Stromversorgers beauftragt, dann bleibt dieses Vertragsverhältnis inklusive des Smart Meter auch nach Wechsel des Stromversorgers bestehen. Wechselt der Kunde jedoch die Wohnung, dann endet mit Auszug auch der Messstellenbetrieb für den Smart Meter. Bei Neueinzug bringt der neue Mieter ähnlich wie bei der Telekommunikation keinen Zähler mit. Beim Bezug einer neuen Wohnung kann auch eine neue Beauftragung eines Messstellenbetreibers mit Smart Meters erfolgen. Ist bereits ein Smart Meter an der Anschlussstelle des Mieters installiert und kann dieser auch vom beauftragten Messstellenbetreiber fernausgelesen werden, dann entfällt zumindest die Installation.“

Vattenfall: „Unser Smart-Meter-Zähler ist modular aufgebaut. In der Basisform als EDL21-Zähler zeigt er den aktuellen Zählerstand an. Zusätzlich kann sich der Kunde die momentane Leistung und seinen persönlichen Stromverbrauch für mehrere zurückliegende Zeitintervalle direkt am Zähler anzeigen lassen. Der Zähler wird unabhängig vom Stromlieferanten bereitgestellt und verbleibt auch nach einem Versorgerwechsel in der Anlage des Kunden. Darüber hinaus können zukünftig unterschiedliche Visualisierungsmodule angeschlossen werden. Diese Technik wird zurzeit in Projekten in Berlin und Hamburg durch Vattenfall getestet.“

Auch Wärmemessdienstleister drängen mit Smart-Metering-Lösungen für die Wohnungswirtschaft auf den Markt. Werden diese Anbieter sich in der Wohnungswirtschaft durchsetzen? Was können Sie besser?

24/7 Metering: Die Stärke des Metermanager liegt darin, dass er nach Bedarf die komplette Steuerung und das Datenmanagement für Strom, Wasser, Gas und Wärme bis zur Abrechnung übernimmt. Zudem kann darüber hinaus auch der Energieverbrauch über ein Internet-Portal abgerufen werden. Dieses Portal kann zum Beispiel auch auf Wunsch nahtlos in die Homepage des jeweiligen Energieversorgers integriert werden. Das ist ein Rund-um-Service, der den Kunden geboten wird.

EnBW: Die EnBW ist nicht als Wärmemessdienstleister tätig und deshalb können diese und die folgenden Fragen nicht beantwortet werden.

Eon: Die Eon Metering verfügt über langjährige Erfahrung bei Montage, Betrieb und Wartung von Smart-Meter-Systemen und umfangreiche Expertise in der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern und anderen Marktteilnehmern. Als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Eon Energie bündeln wir als Eon Metering die Verantwortungen und Kompetenzen des Eon-Konzerns im Bereich Smart Metering. Wir bewältigen die besonderen Anforderungen im Zusammenspiel von Tarifen, Messung und Datenverarbeitung in einem zum Teil regulierten Markt mit komplexen Prozessen und stellen uns diesen besonderen Ansprüchen. Durch die zusätzliche Möglichkeit der Koppelung von mehreren Energiesparten und vertrieblichen Produkten an den Messstellenbetrieb und die Messdienstleistung kann Eon den Kunden maßgeschneiderte Komplettpakete anbieten – so haben wir einen Vorteil gegenüber anderen Anbietern, insbesondere gegenüber Dienstleistern, die nicht aus dem Bereich der Energieversorgung kommen.

Vattenfall: Vattenfall testet auch im Wärmebereich in Pilotprojekten die Verwendung von intelligenten Zählern.

Wie wollen Sie das Problem bei der Erfassung von Wärmeverbrauchsdaten lösen, wenn zum Beispiel eine Ölheizung in Betrieb ist?

24/7 Metering: Aktuell ist das noch kein Thema für unsere Arbeit. Vorstellbar sind in der Zukunft Kooperationen mit entsprechenden Submetering-Dienstleistern.

Smart Metering im Wärmebereich ist mit Verdunstern nicht möglich. Wie wollen Sie hier vorgehen? Wann und von welcher Lösung werden Verdunster abgelöst? Was kostet dies die Wohnungswirtschaft?

Anmerkung der Redaktion: Auf diese Frage konnte keines der interviewten Energieversorgungsunternehmen antworten.

Bild: Fotolia, Emin Ozkan