Seit Januar müssen in Neubauten und in totalsanierten Altbauten intelligente Strom- und Gaszähler installiert werden, sogenannte Smart Meters. Dies ist in Deutschland der erste Schritt zur Umsetzung einer EU-Umweltrichtlinie, nach der alle Haushalte bis zum Jahr 2022 mit diesen Geräten ausgestattet werden. Nach der Verordnung der Europäischen Kommission sollen bis zum Jahr 2020 rund 80 Prozent der Haushalte diese intelligenten Zähler haben.
Die weltweite politische Diskussion zeigt, wie aktuell und brisant die Themen Klimaschutz und Energiesparen sind. Schon im Jahr 2006 wurden von Brüssel Vorgaben erlassen, die – nach Umsetzung in nationale Gesetze – für mehr Transparenz und Einflussnahme des Nutzers beim Energieverbrauch sorgen sollen. Ein wichtiger Teil dieser Maßnahmenpakete ist die Richtlinie 2006/32/EG. Sie besagt, dass bis zum Jahr 2020 die Energieeffizienz und der Anteil an erneuerbaren Energien um bis zu 20 Prozent steigen, Emissionen hingegen um 20 Prozent sinken sollen. Wichtig ist dies vor allem für die Wohnungswirtschaft, denn neben der Richtlinie gehören auch Änderungen beim Energiewirtschaftsgesetz und die novellierte Heizkostenverordnung zu den zentralen Themen. Ziel ist es, Eigentümern, Verwaltern und Mietern stärkere Anreize zum Heizenergie- und Warmwassersparen zu geben. In diesem Zusammenhang werden auch der Messstellenbetrieb sowie die Messdienstleistung liberalisiert.
Motivation für Smart Submetering
In den letzten Jahren sind die Kosten für Heizwärme und Warmwasser stetig gestiegen. Damit haben sich die Nebenkosten auch zu einem zentralen Thema für Verwalter und Vermieter entwickelt. Eine Wohnung mit hohem Energiebedarf ist auf dem Mietmarkt weniger attraktiv als eine energieeffiziente. Hier gibt es enorme Einsparmöglichkeiten, schon allein vor dem Hintergrund, dass rund 74 Prozent der verbrauchten Energie auf das Heizen, 12 Prozent auf Warmwasser und lediglich 14 Prozent auf andere Energieformen inklusiv Strom entfallen. Solche Einsparmöglichkeiten werden durch Lösungen wie Smart Metering erst transparent und damit nachvollziehbar. Smart Meters helfen, möglichst effektiv Energie zu sparen, denn sie erfassen nicht nur den Verbrauch, sondern zeigen detailliert auf, wann und wo genau Energie verbraucht wird.
Ermöglicht wird das durch die Verwendung von fernauslesbaren Erfassungssystemen mit funkenden Heizkostenverteilern. Diese Heizkostenverteiler erfassen die Heizenergie eines einzelnen Raums und senden die erfassten Werte einmal im Monat zu einem festgelegten Zeitpunkt an einen außerhalb der Wohnung befindlichen Datensammler. Dieser Datensammler wird monatlich von einem Abrechnungsunternehmen via GPRS ausgelesen, wobei sein großer Speicher die Erfassungsdaten eines ganzen Jahres aufnehmen kann. Damit sind alle Daten auch nach einem längeren Zeitraum abrufbar. Da mit den Funkerfassungssystemen keine Wohnungsbegehung mehr nötig ist, wird dem Verwalter das Organisieren von Nachleseterminen erspart. Nutzer hingegen erhalten mehr zeitliche Unabhängigkeit und eine ungestörte Privatsphäre.
Verbrauchsanalyse als wichtiger Bestandteil
Sobald die Verbrauchsdaten von den Datensammlern an das Abrechnungsunternehmen übertragen worden sind, werden sie aufbereitet und abgerechnet. Daneben können sie optional in einer sogenannten Verbrauchsanalyse ausgewertet und grafisch dargestellt werden. Die Verbrauchsanalyse ist ein Verfahren aus der novellierten Heizkostenverordnung, mit der Verbrauch und Kosten einzelner Nutzer oder Liegenschaften ausgewertet werden können.
Die gewonnenen Informationen können nun dem Verwalter beispielsweise in einem Internet-Portal bereitgestellt werden, es sind aber auch andere Medien denkbar. Wichtig ist, dass sämtliche Verbrauchsdaten übersichtlich, transparent und verständlich in Verlaufsgrafiken und Diagrammen zusammengefasst sind; das verstärkt die Aussagekraft der Abrechnung. Wählt man die Portal-Lösung, erhält man damit eine leicht verständliche Gesamtübersicht zum Energieverbrauch und der Kostenverteilung aller Liegenschaften. Diese Informationen sind eine wichtige Grundlage für wirtschaftliches Planen und ökologisches Handeln durch Eigentümer und Verwalter. Wie bereits erwähnt, sind neben diesem Ansatz auch andere Informationswege und -medien denkbar und praktikabel.
Der besondere Mehrwert der Verbrauchsanalyse liegt im Vergleich der Liegenschaften untereinander. Dadurch wird eine größere Kostentransparenz geschaffen. Durch die Darstellung des nutzerbezogenen relativen und absoluten Verbrauchs und der Kosten innerhalb der Liegenschaft werden Einsparpotenziale aufgezeigt. Grafiken und Diagramme können in der Regel dank Download-Funktionen in andere Programme exportiert werden. Mit der Verbrauchsanalyse erhalten Mieter und Wohnungseigentümer nicht nur Transparenz, sondern sie fördert auch aktiv den sinnvollen Umgang mit Energie. Die Verbrauchsanalyse dient aber auch als Entscheidungshilfe für Sanierungsmaßnahmen oder bei der Wartung der Heizungsanlage. In Verbindung mit der Heizkostenabrechnung ist sie nach Angaben der Heizkostenverordnung umlagefähig.
Die Praxis hat gezeigt: Bei einer Energieeinsparung von nur 1 Prozent sind alle Kosten für die Verbrauchsanalyse abgedeckt – unabhängig von weiteren Einsparungen und zusätzlichen Kostenvorteilen für Mieter und Wohnungseigentümer.
Nutzerverhalten wird transparent und besser nachvollziehbar
Mieter und Wohnungseigentümer gewinnen durch die Verbrauchsanalyse aber nicht nur mehr Transparenz bei der Heizkostenabrechnung. Die Abrechnung wird nachvollziehbar und damit verständlicher. Durch die prägnante Darstellung des Verbrauchs und der Kosten über einen längeren Zeitraum wird das eigene Verbrauchsverhalten für den Nutzer ersichtlich. Mit der Darstellung des witterungsbereinigten Energieverbrauchs können einzelne Verbrauchsperioden direkt miteinander verglichen werden. Zeitaufwendige Analysen werden durch die nutzerbezogenen Verbrauchs- und Kostenhistorien überflüssig. Informationen bietet auch der Verbrauchsvergleich. Mit diesem Verbrauchsvergleich lässt sich das Verbrauchsverhalten eines einzelnen Wohnungsnutzers mit dem durchschnittlichen Energieverbrauch der Liegenschaft vergleichen.
Pilotprojekte zeigen mögliche Wege auf
Seit 1. Januar 2010 sind Smart Meters für Strom und Gas in Neubauten verpflichtend. Im Heizenergiebereich sind Smart Meters bis jetzt noch nicht vorgeschrieben, obwohl sich in diesem Bereich die größten Energieeinsparpotenziale bieten. Genau hier setzen Pilotprojekte an, die derzeit in ganz Deutschland durchgeführt werden. Besonders interessant sind diese Pilotprojekte für Mieter und Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern. Denn sie waren bislang von der zukunftsweisenden Smart-Metering-Technologie ausgeschlossen. Durch die verwendeten Sammelzähler war ein Herunterrechnen des Energieverbrauchs auf die einzelne Wohneinheit bis dato nicht möglich.
Vorreiter bei Referenzprojekten im Heizenergiebereich sind Abrechnungsunternehmen und Energieversorger, die – oftmals in Kooperationen – erstmals Smart Metering und Smart Submetering für Mehrfamilienhäuser testen. Die fernauslesbaren Smart Meters versprechen damit das Energiedatenmanagement für Privathaushalte nachhaltig zu revolutionieren. Ein Lösungsansatz kann wie folgt aussehen: Der Energieversorger erfasst den Energieverbrauch des gesamten Gebäudes. Die gewonnenen Daten werden anschließend an das Abrechnungsunternehmen übermittelt und auf die einzelnen Wohneinheiten heruntergebrochen. Die Mieter oder Wohnungseigentümer erhalten damit nicht nur monatsaktuelle Verbrauchswerte, sondern durch die Kopplung dieser Verbrauchswerte mit dem Brennstoffverbrauch und den Kosten auf Monatsebene eine Auskunft über die monatlichen Kosten sowie eine Kostenhochrechnung in Bezug auf ihre geleistete Vorauszahlung. Die Mieter oder Wohnungseigentümer gewinnen durch monatsaktuelle Verbrauchswerte einen besseren Überblick über ihren Verbrauch und Kosten. Auch hier besteht die Option eines Web-Portals, in dem sie auf diese Informationen in Form von Tabellen und Diagrammen rund um die Uhr zugreifen können.
Energie sparen heißt Geld sparen
Ohne Zweifel ist Energiesparen wichtiger denn je. Gerade intelligente Lösungen wie Smart Meters können hier zu mehr Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz beitragen. Damit ist Smart Submetering der richtige Weg, um das Kostenbewusstsein direkt beim Verbraucher zu erhöhen. Mit den Pilotprojekten wird der steigenden Nachfrage nach gezielten Lösungen zum Energiesparen entsprochen und in der Praxis getestet. Verwalter und Nutzer profitieren dabei gleichermaßen: Beide erhalten mehr Transparenz zu Energieverbrauch und Kosten und lernen ihre Einflussmöglichkeiten kennen.
Die Einführung von Smart Submetering setzt einen Meilenstein bei der Erfassung und Abrechnung von Energie und Warmwasser. In Anbetracht der steigenden Energiekosten werden Energiedienstleistungen, die sich wie das Smart Submetering und die Verbrauchsanalyse mit der Auswertung von Energieverbrauch und der Information für Wohnungsnutzer auseinandersetzen, immer stärker nachgefragt werden. Zwar werden Heizenergie und Warmwasser dadurch nicht günstiger werden, aber es wird zunehmend einfacher, sie einzusparen. Smart Submetering ist dabei schon lange keine Fiktion mehr, sondern bereits heute ein substanzielles Element effektiven Energie- und Kostenmanagements.
Ralph Cerny
Ingo Hundhausen
Bild: So sehen die neuen intelligenten Zähler aus. Mit Smart Metering erhält der Nutzer mehr Transparenz zu Energieverbrauch und Kosten und lernt seine Einflussmöglichkeiten kennen. (evb)

