Dass Kosten teilen weniger Kosten für den Einzelnen bedeutet, ist eine einfache Rechnung. Warum also nicht auch die Mehrkosten der Solaranlage für ein Sonnenhaus teilen? Die Investition in dauerhaft niedrige Nebenkosten zahlt sich viel schneller aus, wenn neben dem täglichen Einsparen von Heizenergie auch auf eine richtig groß dimensionierte Sonnenheizung gesetzt wird, die dann aber gleich von mehreren Wohnparteien genutzt wird. Denn eine sehr große Anlage ist unterm Strich günstiger als viele kleinere. Ob als Mietobjekt oder Eigentum, Sonnenhaus-Wohnungen sind heiß begehrt und eine sichere Investition in die Zukunft. Im Folgenden werden einige Projekte vorgestellt, die den Weg in eine sonnige Zukunft nun endlich auch für Mieter und Interessenten von Eigentumswohnungen zeigen.
Unter Mietern werden Wohnnebenkosten schon längst als „zweite Miete“ bezeichnet. Der Abstand zwischen Kalt- und Warmmiete wird von Jahr zu Jahr größer. Hauptverantwortlich dafür sind die Energiekosten für Heizung und Warmwasser. Wohnungen mit niedrigen Heiznebenkosten werden in Zukunft heiß begehrt sein, denn die Preise für Öl, Gas und Strom werden weiterhin steigen. Dies haben die letzten Monate wieder eindrucksvoll gezeigt. Mit dieser Gewissheit müssen sich Mieter, die bereits jetzt in einem Sonnenhaus wohnen, nicht belasten. Ihre Mietnebenkosten für Heizung und Warmwasser bleiben dauerhaft so niedrig, dass sie bei der Jahresendabrechnung kaum nennenswert ausfallen. „Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt“, heißt es. Niemand zieht gerne um, wenn es keinen zwingenden Grund dafür gibt. Und deshalb lohnt es sich auch für Vermieter, auf die Sonne als Energielieferantin für Heizung und Warmwasser zu setzen. Für bessere Wohnqualität und garantiert dauerhaft niedrige Nebenkosten sind Mieter gerne bereit, eine höhere Kaltmiete zu zahlen. Und wenn das Haus für den Vermieter in zehn Jahren immer noch eine sichere Rentenversorgung sein soll, dann gibt es wohl kaum eine bessere Garantie für eine Vermietung ohne Leerstände als ein Sonnenhaus.
Das erste 100-prozentige Mehrfamilien-Sonnenhaus in Europa
Im Jahr 2007 wurde Europas erstes 100 Prozent solar beheiztes Mehrfamilienhaus in Oberburg im Schweizer Kanton Bern fertiggestellt. Es hat acht Wohneinheiten zwischen 82 und 130 Quadratmetern und wird das ganze Jahr über mit Raumwärme und Warmwasser von der Sonne beliefert. 276 Quadratmeter Sonnenkollektoren versorgen die Mieter mit kostenloser Sonnenenergie. Gespeichert wird sie mitten im Gebäude in einem Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von 205 Kubikmetern Wasser – bei einer Höhe von 14 Metern und einem Durchmesser von 4 Metern. Dabei reicht er vom Keller bis unter das Dach und ist bislang der größte Solarspeicher, der jemals hergestellt wurde. Für besondere Aufregung in der Medienwelt sorgte die Art der Einsetzung des Speichers: Nach dem Motto „wenn alle an einem Strick ziehen, lässt sich viel bewegen“ wurde der Koloss nur von Hand und mit Hilfe von Flaschenzügen aufgestellt. Mehr als 100 freiwillige Helfer packten an, und nach rund sechs Stunden stand der 15 Tonnen schwere Speicher an seinem Platz in der dafür vorgesehenen Kellervertiefung. Das Haus wurde anschließend um ihn herumgebaut.
Neue Sonnenhäuser sind noch wirtschaftlicher
Mittlerweile plant die Jenni Liegenschaften als Initiatorin und Bauherrin des Projekts unter Federführung von Josef Jenni zwei weitere Mehrfamilien-Sonnenhäuser in ähnlicher Bauweise. Das Haus hat sich in der Praxis bewährt und produziert sogar einen solaren Überschuss. Nun ist das Pilotprojekt Vorbild für neue Vorhaben. Dabei wird die in drei Jahren gewonnene Erfahrung zur weiteren Optimierung der Leistungsfähigkeit der Solaranlage und zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit genutzt. Da sich die Anlage als um den Faktor 2 überdimensioniert erwiesen hat, wird der Speicher in den beiden neuen Gebäuden nun auf 120 Kubikmeter Volumen verkleinert und die Kollektorfläche auf 180 Quadratmeter reduziert. Die Verkleinerung der Solaranlage ermöglicht nicht nur eine Kosteneinsparung, sondern auch einen größeren und damit rentableren Ausbau der Wohnfläche unter dem Dach. Die Solarheizung kommt nun kaum teurer als die Installation einer guten Wärmepumpenheizung. Und die Bewohner sind mit ihrer Sonnenheizung unabhängig von Heizungsstromlieferanten. Bis jetzt ist allerdings noch unklar, ob die neuen Wohnungen wieder vermietet oder als Eigentumswohnungen verkauft werden sollen. Die Kosten für die Wohnungen – ob Miete oder als Eigenheim – sollen sich im für die Region üblichen Preisspiegel für Neubauten bewegen, so die Jenni Energietechnik AG. Und damit sind die solaren Mehrfamilienhäuser klar im Vorteil gegenüber konventionellen Gebäuden. Denn an Heizkosten werden die Bewohner in Zukunft sehr viel Geld, sparen und gleichzeitig können sie mit hohem Wohnkomfort und gutem Gewissen der Umwelt gegenüber wohnen. Die 100-prozentigen Mehrfamilien-Sonnenhäuser von Jenni sollen weitere Investoren auf den Weg zum Sonnenhaus bringen. Dazu können interessierte Bauherren die Baupläne zu einem günstigen Sonderpreis erwerben. So sollen möglichst viele Folgeprojekte bewirkt werden.
Sonnenhaus-Wohnungen auch in Oberbayern
Auch im oberbayerischen Laufen, direkt an der Grenze zu Österreich, setzen Mieter und Vermieter ihr absolutes Vertrauen auf die Sonne. Hier wurden im letzten Jahr zwei Mehrfamilienhäuser fertiggestellt, die ebenfalls zu 100 Prozent solar beheizt werden. Initiator des Projekts ist die Selbsthilfe-Baugenossenschaft Laufen mit ihrem Geschäftsführer Alexander Stockhammer. Auf den rund 1400 Quadratmetern Wohnfläche sind insgesamt zwölf Wohneinheiten entstanden, die bereits im November 2010 von ihren Mietern bezogen wurden. Das Gebäude ist wie das Schweizer Mehrfamilien-Sonnenhaus sehr gut wärmegedämmt und erfüllt nahezu Passivhausstandard. Rund 270 Quadratmeter Solarkollektoren auf dem Dach und weitere 62 Quadratmeter an der Fassade sammeln die Sonnenwärme ein. Verwaltet wird sie von zwei großen Pufferspeichern zentral in den Gebäuden mit jeweils rund 77 Kubikmetern Fassungsvermögen für das Speichermedium Wasser. Im Herbst 2009 war die Speichersetzung. Auch hier eine Präzisionsarbeit, denn die Speicher sind ebenfalls 14 Meter hoch, haben aber „nur“ einen Durchmesser von 2,7 Metern. Damit erreichen sie zwar die gleiche schwindelerregende Höhe wie der Speicher im Schweizer Mehrfamilienhaus, sind aber nicht ganz so dick. Die Gebäude wurden ebenfalls anschließend um die Speicher herumgebaut. Die Solaranlage ist an ein vorhandenes Nahwärmesystem angeschlossen. So können die beiden aneinandergebauten Mehrfamilienhäuser auch ihre Nachbarn mit Wärme beliefern, wenn sie selbst an sonnigen Tagen Überschüsse produzieren. Das macht aus den 100-prozentigen Sonnenhäusern in Laufen sogar Plusenergiegebäude.
www.sonnenhaus-institut.de und www.jenni.ch
red
Bild: Die beiden aneinander gebauten Mehrfamilien-Sonnenhäuser in Laufen beherbergen nicht nur zwölf Mietparteien, sondern auch zwei Großpufferspeicher mit einer Höhe von 14 Metern und jeweils 77.000 Litern Wasser zum Speichern der Sonnenwärme. (JENNI)

