Die Immobiliengruppe Saarbrücken hat mit der Sanierung eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Burbach Neuland betreten. Das Heizsystem - eine Kombination aus Fernwärme und Solarthermie - zeigt, dass Wirtschaftlichkeit und umweltfreundliche Anlagentechnik nicht im Widerspruch stehen. Im Gegenteil: Die Einsparungen bei Heizung und Warmwasser kommen unmittelbar den Mietern zugute.
Wer heute in die Burbacher Hochstraße einbiegt, sieht das siebenstöckige Gebäude mit der freundlichen roten Fassade sofort. Das war noch vor wenigen Monaten anders. Das Haus aus den 60ern war in die Jahre gekommen – außen, aber auch innen. „Das Interesse aktueller und potenzieller Mieter nahm kontinuierlich ab, die Folge waren steigende Leerstände“, sagt Klaus Jungmann, Prokurist und Abteilungsleiter Bauunterhaltung bei der Immobiliengruppe Saarbrücken. Die Verantwortlichen des städtischen Unternehmens entschlossen sich zu handeln. 2008 starteten die Renovierungsarbeiten, insgesamt 2 Millionen Euro wurden für die Kernsanierung vom Keller bis zum Dach investiert, inklusive Fassadendämmung und neue Fenster. Heute sind alle 21 Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit 45 bis 62 Quadratmetern Grundfläche wieder vermietet.
Solarthermie-Großanlagenkonzept
Ursprünglich war geplant, Heizung und Warmwasserversorgung komplett über Fernwärme abzudecken. Allerdings war den Verantwortlichen bei dieser Lösung die Abhängigkeit vom Versorgungsunternehmen nach wie vor zu hoch. Im Gespräch mit Junkers-Außendienstmitarbeiter Werner Reis entstand die Idee, auch regenerative Energieträger einzubinden. Der Thermotechnikspezialist arbeitet mit der Immobiliengruppe bereits seit vielen Jahren zusammen. Reis stellte das Solarthermie-Großanlagenkonzept der Bosch-Thermotechnik-Marke vor: „Das Konzept ist speziell auf Mehrfamilienhäuser ausgelegt und sowohl bei Neubauten als auch im Bestand einsetzbar. Es bietet die Möglichkeit, Sonnenenergie mit nahezu jedem anderen Energieträger zu kombinieren.“ Kern ist das sogenannte Large Solar System (LSS), das als Energiezentrale fungiert und die unterschiedlichen Energieträger in einem Gesamtsystem zusammenfasst.
Solare Energie mit Fernwärme kombiniert
„Die Idee, solare Energie mit Fernwärme zu kombinieren, hat uns überzeugt, weil bei dieser Lösung das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt“, sagt Wolfgang Frisch, Leiter Projektsteuerung Technik bei der Immobiliengruppe Saarbrücken. „Einerseits sind wir deutlich unabhängiger von der Preisentwicklung der Fernwärme, andererseits setzen wir dank der Integration der Solarenergie auf ein zukunftsfähiges und komfortables System mit dauerhaft geringen Betriebskosten.“ Reis empfahl der Immobiliengruppe das LSS-TC, ausgelegt auf bis zu 30 Wohneinheiten. Das LSS nutzt die Kraft der Sonne sowohl zur Warmwasserbereitung als auch zur Heizungsunterstützung. Der Installation gingen ausführliche Simulationen voraus. Die 13 Kollektoren auf dem Flachdach haben eine Gesamtfläche von mehr als 30 Quadratmetern. Sie sind exakt nach Süden ausgerichtet und liefern dadurch einen größtmöglichen Solarertrag. Bei der intelligenten Regelungstechnik gilt das Prinzip „Verbrauch vor Speicherung“. Das heißt: Je nach aktuellem Wärmebedarf und Wetter wird die Sonnenenergie zunächst da genutzt, wo am meisten gespart werden kann. Erst wenn aktuell kein Bedarf besteht, wird einer der beiden 850-Liter-Pufferspeicher beladen. Erst wenn die Solarenergie nicht ausreicht, wird über den Fernwärmeanschluss nachgeheizt.
Gesunkener Energieverbrauch
Durch dieses effiziente Zusammenspiel sinkt der Energieverbrauch deutlich. Die Berechnungen zeigen: Das Immobilienunternehmen benötigt aufgrund der kostenlosen Energie von der Sonne rund 13,5 Megawattstunden weniger an Fernwärme pro Jahr, als wenn ausschließlich über Fernwärme beheizt würde. Die Mieter können dadurch bei den Warmnebenkosten deutlich entlastet werden: Die Immobiliengruppe Saarbrücken geht davon aus, dass die Nebenkosten für Heizung und Warmwasser im Vergleich zur ausschließlichen Beheizung über Fernwärme um 16 Prozent geringer sein werden. So amortisiert sich das System bereits in einigen Jahren.
Betriebskosten immer im Blick
Die LSS-Daten lassen sich per Fernübertragung permanent überwachen. Mit einer regelmäßigen Ertragsauswertung hat die Immobiliengruppe Saarbrücken die Betriebskosten immer im Blick. Ein weiterer Effekt der cleveren Kombination aus Fernwärme und Solarthermie: Aufgrund der eingesparten Fernwärme reduziert sich auch der CO2-Ausstoß um insgesamt 3 Tonnen pro Jahr. „Damit haben wir ein weiteres wichtiges Argument für Interessenten, die sich überlegen, in die Burbacher Hochstraße 119 zu ziehen“, ist sich Frisch sicher.
Einfach zu installieren, komfortabel im Betrieb
Für den Einbau des Heizsystems nutzten die Installateure von Käuffer und Co., Saarbrücken, eine Fläche von 28 Quadratmetern im Untergeschoss. „Ziel war es, das System auf möglichst kleinem Raum unterzubringen“, sagt Oliver Hitzelberger. „Schließlich soll auch der Keller in erster Linie den Mietern zur Verfügung stehen, beispielsweise als Abstellplatz für Waschmaschinen, Trockner oder Fahrräder.“ Das LSS verbindet die Solaranlage mit den Fernwärmeanschlüssen, den beiden Speichern, den Heizkreisen sowie den Warmwasserzapfstellen. Eine separate Fernwärme-Übergabestation ist durch das LSS nicht notwendig. Sämtliche Baugruppen sind komplett vormontiert, sodass die Installateure nur noch die Hydraulik-, Strom- und Außenfühleranschlüsse herstellen mussten. Die optimal dimensionierten Speicher stellen jederzeit genügend warmes Wasser zur Verfügung, die Beheizung der einzelnen Räume erfolgt über Heizkörper.
Fazit: Attraktiv auf der ganzen Linie
„Besonders dank unseres neuen Heizsystems können wir Mietern und Interessenten mit dem zentrumsnahen Haus in der Hochstraße nun ein attraktives Gesamtpaket bieten“, fasst Jungmann zusammen. Mit dem Large Solar System entschied sich die Immobiliengruppe erstmals für eine solare Großanlage. Dass dieses System auch für andere Gebäude eine interessante Lösung sein könnte, dessen ist sich Jungmann sicher: „Technik muss in erster Linie bezahlbar sein – und unseren Mietern einen Mehrwert bieten. Und das ist bei unserem neuen Heizsystem eindeutig der Fall.“
red
Bild: Über den Dächern Saarbrückens (von links): Werner Reis, Außendienstmitarbeiter von Junkers, Oliver Hitzelberger, Installateur bei Käuffer und Co., Saarbrücken, Klaus Jungmann, Prokurist und Abteilungsleiter Bauunterhaltung bei der Immobiliengruppe Saarbrücken, sowie Wolfgang Frisch, Leiter Projektsteuerung Technik bei der Immobiliengruppe Saarbrücken

