Der erste Anblick wirkt überraschend: Fenster und Schiebeläden in kräftigem Rostrot heben sich markant von der anthrazitfarbenen Putzfassade ab. Mit der für ein Gebäude ungewöhnlichen Farbgebung hat das Architekturbüro Spengler und Wiescholek aus Hamburg die Fassade der neuen Münchener Studentenwohnanlage Stiftsbogen gestaltet. „Wir wollten mit volltönenden, ausdrucksstarken Farben den Wiedererkennungswert des Ensembles steigern. Für den Putz kam deshalb nur ein sattes Anthrazit infrage und keinesfalls irgendein langweiliges Mausgrau“, beschreibt Projektleiter Thomas Weiss die Ausgangslage.
Die sehr dunkle Farbgebung der Wandflächen wurde durch die Kombination der vorgehängten hinterlüfteten Putzfassade Sto-Ventec mit dem besonders elastischen und risssicheren Oberputz Stolit technisch möglich. Denn die besondere Herausforderung lag im hohen Temperaturanstieg, dem die stark wärmeabsorbierenden Putzflächen bei Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Am Stiftsbogen verhindert jedoch die Hinterlüftung der Putzflächen eine zu große Erwärmung. Dazu wurden auf eine Aluminium-Unterkonstruktion Putzträgerplatten mit Luftspalt vor der Wärmedämmung montiert und anschließend fugenfrei verputzt. Die Hinterlüftung führt einerseits die Wärme unter der Außenhaut ab und verbessert andererseits den Schlagregenschutz sowie die Diffusionsfähigkeit an der tragenden Außenwand.
Licht wird (nahezu ganz) absorbiert
Ihren optischen Pfiff erhielt die Fassade der Studentenwohnanlage mit dem Oberputz Stolit, der in 800 Standardfarben sowie einer Vielzahl von Körnungen und Putzstrukturen ausgeführt werden kann. Spengler und Wiescholek wählten mit dem Anthrazit-Farbton Nummer 37100 die dunkelste Variante, die den sehr kleinen Hellbezugswert 5 hat. Nur 5 Prozent der einfallenden Lichtmenge werden also reflektiert, die anderen 95 Prozent hingegen absorbiert. Zum Vergleich: Putz auf einem organischen Wärmedämm-Verbundsystem kann in der Regel nur mit einem Hellbezugswert von mindestens 20 verwendet werden. Am Stiftsbogen kam der relativ grobkörnige Stolit K 6,0 zum Einsatz. „Wir wollten den Baukörpern mit der weitgehend fugenfreien Fassade eine kompakte Struktur geben. Zugleich verleihen wir ihnen mit dem groben Korn des Putzes eine markante Textur“, so Weiss. Die Kombination der anthrazitfarbenen Putzfassaden mit den rostroten Fenstern und ihren Schiebeläden aus Streckmetall bewährt sich dabei sowohl am 200 Meter langen Hauptbaukörper als auch an den kleineren vorgelagerten Villen.
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red
Bild: Architektur mit hohem Wiedererkennungswert: Das kräftige Rostrot der Fenster hebt sich an der Studentenwohnanlage Stiftsbogen markant vom satten Anthrazit der Putzfassade ab. Die Ausführung als hinterlüftete Konstruktion gewährleistet die sichere Funktionalität der dunklen Putzflächen. (sto)

