Im mecklenburgischen Ludwigslust herrscht ein erheblicher Wohnungsüberschuss. Wegen der wirtschaftlichen Situation ziehen Bewohner in der Hoffnung auf Verbesserung der persönlichen Lebensumstände in Großstädte und Ballungsräume. Was bewegt eine Wohnungsbaugesellschaft, dennoch in Ludwigslust neue Häuser zu bauen?
Die Erklärung ist einfach und exemplarisch für die Region: Durch den Abriss eines Plattenbaus und Neubau eines Mehrfamilienhauses in der Tarnowstraße blieben von 36 Wohneinheiten lediglich 22 übrig. Und diese waren schon nach kurzer Zeit vermietet. Damit folgt das Projekt der Initiative „Soziale Stadt“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Um das negative Image von Stadtteilen aufzubessern, wird versucht, der Konzentration von städtebaulichen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen durch verschiedene Förderungen entgegenzuwirken.
Geringe Betriebskosten
Über die Ansätze der Sozialen Stadt hinaus hat die Wohnungsbaugesellschaft Vewoba bei dem Mehrfamilienhaus die Interessen der Mieter stärker in den Vordergrund gestellt. Alle Wohnungen verfügen über eine Fußbodenheizung, wodurch der wirtschaftliche Einsatz einer Wärmepumpe möglich wurde. Diese Entscheidung ist nicht nur für die Umwelt ein Gewinn, sondern beschert den Mietern langfristig geringere Betriebskosten: „Der Trend geht zum kostenorientierten Mieter. Dieser Entwicklung stellen wir uns, indem wir höhere Investitionen tätigen, die sich durch eine günstige ‚zweite Miete’ rechnen. Das Ergebnis sind weniger Wohnungsleerstand und eine hohe Nachfrage durch geringe Betriebskosten“, sagt Geschäftsführer Harry Lutzke. Schon beim Tag der offenen Tür während der Bauphase wurde diese Entscheidung durch das große öffentliche Interesse bestätigt. Werbung zur Vermietung war damit unnötig geworden. Bisher ist der Wohnblock mit einer Gesamtinvestition von 2,1 Millionen Euro der einzige in der Region, der auf erneuerbare Energien setzt. Die Wohnungen haben zwischen 66 und 75 Quadratmeter Wohnfläche; insgesamt umfasst das Gebäude so 1552 Quadratmeter.
Kostenersparnis durch Wärmepumpe
Fünf Sole-Wasser-Wärmepumpen von Tecalor mit je 16 Kilowatt Leistung und vier 600-Liter-Warmwasserspeicher wurden auf kleinstem Raum aufgestellt. Sie sind neben der Beheizung auch für die Warmwasserbereitung des gesamten Wohnblocks verantwortlich. Durch Kaskadenschaltung wird die Heizleistung auf unterschiedlichen Stufen bedarfsgerecht erzeugt. Die benötigte Wärme wird aus dem Erdreich gewonnen. Hierfür waren 15 Bohrungen bis zu einer Tiefe von 100 Metern notwendig, die von der Unteren Wasserbehörde genehmigt werden mussten. Weil sie regenerative Energie eingesetzt haben konnten die Bauherren das Projekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördern.
Die Förderbank gewährte 50.000 Euro pro Wohneinheit, wovon 96 Prozent ausgezahlt worden sind. Die durchweg positive Resonanz der Mieter und das Interesse anderer Wohnungsbaugesellschaften haben die Vewoba von dem Experiment Wärmepumpe überzeugt. Deshalb sind die Planungen für ein weiteres Objekt mit Erdwärme bereits im Gange. Mittlerweile verwalten die Ludwigsluster 1524 eigene Wohnungen.
red
Bild: Fünf Wärmepumpen mit einer Leistung von je 16 Kilowatt sind im Technikraum untergebracht. Sie beheizen das Gebäude und sind für die Warmwasserbereitung verantwortlich. (Fotos: Tecalor/Peter Himsel)

