Angesichts der weiter steigenden Energiepreise für Heizung und Warmwasser trägt die neue Heizperiode reichlich Zunder in sich – doch Zunder allein heizt die Wohnung wohl kaum. Die Wogen kochen derzeit hoch, schon hat der Deutsche Mieterbund (DMB) die warme Wohnung zum Luxusgut deklariert. Er empfiehlt gegen die steigenden Energiepreise Modernisierungen. Besonders in der Heizungs- und Gebäudesanierung stecke viel Potenzial – die Wohnungswirtschaft stehe in der Pflicht.
Der Anstieg der Energiekosten führt unweigerlich zu drastisch höheren Heizkosten“, prognostiziert dessen Präsident Franz-Georg Rips. „Die Heizkostenabrechnung wird unbezahlbar, wenn jetzt nichts passiert.“ Nicht nur aus klima- und energiepolitischen, sondern vor allem aus sozialpolitischen Gründen bestehe dringender Handlungsbedarf, erklärte der Mieterbund-Präsident anlässlich einer Pressekonferenz zum Thema Energie-Effizienz mit dem Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH).
Einsparungen im Bestand am größten
Unterstützung bekommt Rips dabei vom jenem BDH. Dieser sieht insbesondere im Wohnungsbestand das größte Potenzial, um Energie einzusparen und die Kosten zu senken. „Gerade bei den 23 Millionen Wohnungen im Bestand sind die Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu erhöhen, am größten.“ Leider habe die Politik das noch nicht erkannt und setzte mit ihren Klimapaketen „praktisch nur auf den Neubau“, bedauert Rips. Der DMB-Präsident hat deshalb gleich eine ganze Liste an Forderungen an Politik und Wohnungswirtschaft zusammengestellt. So sollen seiner Meinung nach zum Beispiel die schärferen Energieeinsparverordnungen für den Neubau auch auf den Wohnungsbestand ausgedehnt werden. Zudem sollten erneuerbare Energien mehr genutzt und über Fördermittel mehr Investitionsanreize für Vermieter geschaffen werden. Auch das Thema Wärmecontracting müsse gesetzlich geregelt werden, nachdem es nicht gelungen sei, mit der Wohnungswirtschaft eine gemeinsame Regelung zu erarbeiten. „Unsere Ideen hierzu liegen auf dem Tisch“, betont Rips. Nun sei die Wohnungswirtschaft am Zug, in der Praxis schnell auf den Kostendruck zu reagieren und nicht erst auf die Politik zu warten.
Nur 10 Prozent der Heizungen energieeffizient
Moderne, effiziente Heizungen sind für BDH und Mieterbund die Antwort auf explodierende Energiepreise. Seit 2000 sind laut DMB die Gaspreise um 62,4 Prozent und die Heizölpreise um rund 45 Prozent gestiegen. Seit Anfang dieses Jahres steuern die Energiepreise auf ein neues Hoch zu, weitere Preiserhöhungen sind so gut wie sicher. Die Energieversorger rechnen nach Einschätzung des DMB mit einem Preisanstieg von 20 bis 25 Prozent. Im Bundesumweltministerium werde über eine 40-prozentige Erhöhung spekuliert. Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, dass nur etwa 10 Prozent des deutschen Heizungsbestands auf dem aktuellen Stand der Technik sind, stellt BDH-Präsident Klaus Jesse fest. 70 Prozent der 17 Millionen Wärmeerzeuger seien dagegen zwischen zehn und 24 Jahre alt, 20 Prozent sogar älter. Der Wirkungsgrad dieser Anlagen liege weit unter dem aktuellen Stand der derzeitigen Technik von 98 Prozent Energieausbeute.
Bis zu 45 Prozent Energiekosten sparen
Für Rips und Jesse ist die Lösung klar: Die veralteten Heizungsanlagen im Wohnungsbestand müssen schnellstens modernisiert werden. „Der Austausch eines alten Heizkessels und die Installation moderner Brennwerttechnik oder auch von Wärmepumpen, Mini-Blockheizkraftwerken oder Holzzentralheizungskesseln reduziert den Energieverbrauch um über 30 Prozent. Wird der Austausch mit einer solarthermischen Anlage zur Warmwasserbereitung oder zur Heizungsunterstützung gekoppelt, können zusätzlich bis zu 15 Prozent eingespart werden“, erklärt Jesse. Der BDH-Präsident rechnet an einem Beispiel vor, wie lohnenswert solch ein Austausch sein kann: In einem Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1960 mit zehn Wohneinheiten wurde der veraltete Gasheizkessel gegen eine moderne Gas-Brennwertanlage getauscht. Bei einem Heizenergiebedarf von 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr beliefen sich die Heizölkosten auf 20.000 Euro. Der Investitionsaufwand von 25.000 Euro für den Austausch des Heizkessels habe sich nach etwas mehr als vier Jahren bereits amortisiert – und spare auch danach konsequente 30 Prozent Energie ein. Diese Maßnahme reduziere die Energiekosten jährlich um 6000 Euro. „Damit ist die Heizungsmodernisierung im Regelfall die kosteneffizienteste energetische Modernisierungsmaßnahme, die sich in wenigen Jahren für alle Beteiligten rechnet“, fasst Jesse zusammen.
Win-win-Situation
Die Investitionen sollten Vermieter nicht scheuen. Für nahezu alle Kombinationen von Energieträgern für Heizung und Warmwasser gibt es vielfältige Fördermöglichkeiten. Bis zu 6750 Euro Fördergelder zahlt der Staat beispielsweise für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe bei einer Wärmeleistung von 30 Kilowatt. Für eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) kann sogar mit knapp 10.500 Euro Förderung gerechnet werden. Hinzu kommt, dass ab 2009 der eingespeiste und der selbst genutzte Strom aus diesen Anlagen mit einem Zuschlag gefördert wird. Zudem erstattet der Staat die Mineralölsteuer, wenn die KWK mit Öl oder Gas betrieben wird. Aus Sicht des BDH ergibt sich dank dieser Fördergelder für alle Beteiligten eine Win-win-Situation: Mieter profitierten von moderaten Energiekosten, einem höheren Wohnkomfort und einem besseren Raumklima. Vermieter könnten auf den Kostendruck gelassener reagieren, denn sie haben langfristig in die energetische Effizienz und damit in die Wertsteigerung und Auslastung ihrer Immobilie investiert. Eine Modernisierung sei damit auch immer eine Maßnahme zur Kundenbindung.
www.bdh.de
Eva-Maria Schröder
Bild: Die zwei sind sich einig: Deutsche Heizungen gehören dringend modernisiert, sonst droht die warme Wohnung zum Luxusgut zu verkommen. Ob sich die Wohnungswirtschaft die Ratschläge von Franz-Georg Rips (rechts) und Klaus Jesse freilich ins Stammbuch schreiben lässt, bleibt abzuwarten.

