Heiztechnik reduziert in 300 sanierten Düsseldorfer Wohnungen den CO2-Ausstoß

„Zentral-dezentrale“ Wärme spart Energie

„Zentral-dezentrale“ WärmelösungRund 6,2 Millionen Euro hat die Städtische Wohnungsgesellschaft Düsseldorf (SWD) binnen vier Jahren in die energetische Sanierung von 16 Wohnblocks in Düsseldorf-Rath investiert. Dabei wurde unter anderem die wohnungsweise Wärme- und Warmwassererzeugung blockweise zentralisiert und durch solarthermische Anlagen ergänzt. Neben den Kosteneinsparungen für die Mieter reduziert das den rechnerischen CO2-Ausstoß von 110.000 auf jetzt 40.000 Kilogramm pro Jahr.

Anfang der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts waren die 16 Wohnblocks mit zusammen 64 Häusern an der Säckinger Straße in Düsseldorf-Rath errichtet worden. Und das augenscheinlich für die damalige Zeit auf einem vergleichsweise hohen Bau- und Ausstattungsniveau. Denn erst rund 50 Jahre später rollte die erste grundlegende Modernisierungswelle: Zwischen 1980 und 1984 hat die SWD die 300 Wohnungen beispielsweise mit komplett neuen Bädern und Gasheizungen ausgestattet – für die bis dahin teilweise noch mit Einzelöfen heizenden Mieter ein Komfortgewinn sondergleichen.

Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, führte für die Städtische Wohnungsgesellschaft an einer umfassenden energetischen Sanierung der Objekte allerdings kein Weg mehr vorbei: Unter anderem aufgrund der wachsenden Mietnebenkosten auch als Folge erheblich gestiegener Heizkosten begann die gewohnte Vollvermietung zu bröckeln. „Im Sinne einer nachhaltigen Sanierung galt daher das Planziel, die Häuser energetisch auf das baulich bestmögliche Niveau zu heben. Der Endenergiebedarf sollte von 278 auf unter 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gedrückt werden“, erklärt SWD-Projektleiter Ingolf van Noppen. Als Konsequenz wurden so zunächst die Fenster ausgetauscht und die Fassaden mit einem 14 Zentimeter starken Wärmedämm-Verbundsystem versehen, um eine den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechende Dämmung der Gebäudehülle zu erreichen.

Bei 300 teilweise seit 20 Jahren wandhängenden Gasthermen mit je 24 Kilowatt Leistung in den einzelnen Wohnungen war das aber bei Weitem nicht ausreichend, um den Primärenergieeinsatz im gewünschten Umfang zu verringern. Stattdessen musste als Ersatz für die veralteten und dementsprechend ineffizienten Wärmeerzeuger eine ressourcenschonendere Lösung gefunden werden. „Da es für solche Aufgabenstellungen im Bestand keine pauschalen Lösungen gibt, wurden unter ökonomischen wie ökologischen Gesichtspunkten verschiedene Szenarien durchgespielt“, erläutert Werner Huber vom verantwortlichen Planungsbüro Huber Ingenieur-Technik aus Düsseldorf.

Das Anlagenkonzept

Der naheliegende Austausch der alten Heizgeräte gegen moderne Gas-Brennwerttechnik wäre durch die hier notwendigen Nebengewerke zu kostenintensiv geworden, scheiterte vor allem aber an der praxisgerechten Einbindung regenerativer Energien. Ebenfalls im Gespräch: eine Nahwärmezentrale mit zwei Gas-Brennwertkesseln in Kaskade – mit einer entsprechend vergleichsweise aufwendigen Anbindung der 64 einzelnen Häuser. Nach differenzierter Betrachtung und Kostenanalyse fiel die Entscheidung schließlich zugunsten der jetzt umgesetzten „zentral-dezentralen“ Lösung: Pro Wohnblock wurde je ein wandhängendes Gas-Brennwertgerät mit 46 beziehungsweise 66 Kilowatt Leistung installiert. Die jeweilige Leistung richtet sich nach der Anzahl der zu versorgenden Wohnungen. Mit Warmwasser-Vorrangschaltung ausgestattet, wird die von den Ecotec-Brennwertgeräten erzeugte Wärme dabei in zwei maßgefertigten Multi-Warmwasserspeichern mit je 700 Liter Inhalt gepuffert – eine Konfiguration, die unabhängig von den benötigten Leistungswerten wesentlich von den räumlichen Rahmenbedingungen beeinflusst wurde. Denn die gesamte Anlagentechnik musste in baujahrüblich recht beengte Kellerräume eingebracht und dort installiert werden.

Die Einzelanfertigung durch das Vaillant-Tochterunternehmen Ecopower hatte außerdem den Vorteil, dass die Speicher zugleich als Solarspeicher mit integrierter Warmwasserbereitung konzipiert werden konnten. Pro Wohnblock decken so künftig 13 Aurotherm-Flachkollektoren umweltfreundlich und ressourcenschonend rund 30 Prozent des Warmwasserbedarfs im jeweiligen Mietshaus ab. Eine hohe Effizienz wird dabei zum einen über das Einspeiseprinzip mit Solarwärme als bevorzugter Energiequelle erreicht. Hinzu kommt die Einspeisung im oberen Bereich des Multispeichers, also auf dem energetisch sinnvollsten Temperaturniveau.

Die Installation

Die Zentralisierung der Wärme- und Warmwasserbereitung pro Wohnblock hatte aber nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern verringerte zugleich die Belastung der Mieter durch die Sanierung: Da die Grundrisse der Wohnungen identisch sind und damit die Bäder mit den alten wandhängenden Heizgeräten exakt übereinander liegen, konnten die notwendigen Vor- und Rücklaufleitungen sowie die Trinkwasserzirkulation über wenige Kernbohrungen vertikal angelegt werden. Versteckt befinden sie sich heute in einer neuen Schachtkonstruktion, die anstelle der alten wandhängenden Heizgeräte platziert ist. Da diese Schächte zudem flacher aufbauen, wurde in den Bädern sogar noch zusätzlich Raum gewonnen.
Die Anbindung der vorhandenen Wärmeverteilung beziehungsweise der Trinkwarmwasserleitungen in den Wohnungen erfolgte ebenfalls über die vorhandenen Anschlüsse. Im Ergebnis war damit jeder Strang einschließlich Umschaltung der Wärme- und Warmwasserversorgung innerhalb von drei bis vier Tagen fertiggestellt. Für die Mieter beschränkte sich die Versorgungsunterbrechung meist auf nur wenige Stunden.

Die vorgesetzten Schachtkonstruktionen rechneten sich aber auch noch aus zwei anderen Gründen: Zum einen kamen nur passgenau vorgefertigte Vorwandmodule zum Einsatz, sodass die Montagezeit bis zur fliesenfertigen Oberfläche sehr kurz war. Dies galt insbesondere mit Blick auf die dagegen wesentlich unattraktivere Alternative, die neuen Steigestränge in vorhandenen Schachtkonstruktionen zu verlegen und entsprechende Nach- und Ausbesserungsarbeiten in den Bädern in Kauf zu nehmen. Zum anderen wurde mit den Vorsatzschächten das im Vergleich zum Baujahr der Häuser heute deutlich sensibler gehandhabte Thema „Brandschutz“ elegant gelöst: Nach dem Deckenabschottungsprinzip sind die Steigestränge schnell und einfach so abgesichert, dass im Ernstfall keine Brandübertragung stockwerksweise möglich ist. Gleiches gilt, im übertragenen Sinne, für den Schallschutz.

Die Rechnung geht auf

Die Mieter der 300 Wohnungen in der Säckinger Straße haben die überlegte Planungs- und Umbaumaßnahme bereits jetzt in jeder Hinsicht begrüßt, zieht Projektleiter van Noppen eine erste Bilanz: „Durch die umfassenden Informationen im Vorfeld, ein für die Bauzeit eingerichtetes Informationsbüro und die Konzentration der Arbeiten auf das Bad hat es keine einzige Beschwerde gegeben – aber schon eine Menge Nachfragen, wie viel Heizenergie und damit Heizkosten künftig durch die neue Technik wohl gespart werden. Es dürften, so erste Schätzungen, mehr als 30 Prozent sein. Die Ersparnis wird also höher ausfallen als die ebenfalls erst nach Endabrechnung kalkulierbare, geringfügige Mieterhöhung, da ja nur ein Teil der Kosten umlegbar ist. Für die Städtische Wohnungsgesellschaft hat sich die nachhaltig angelegte Sanierung damit schon jetzt ausgezahlt, denn so sind 300 Mietwohnungen wieder für einen Wohnungsmarkt ausgestattet worden, der zunehmend von der Nachfrageseite bestimmt werden wird.“
Auf jeden Fall rechnen wird sich die Sanierungsmaßnahme der SWD aber auch für die Umwelt: Durch die Demontage der veralteten Heizwertgeräte und die Unterstützung der Warmwasserbereitung durch Solarthermie bei gleichzeitig reduziertem Primärenergiebedarf wird die CO2-Belastung dieses Düsseldorfer Stadtteils ab sofort um rund zwei Drittel reduziert, von 110 auf nur noch 40 Tonnen pro Jahr.
www.vaillant.de

red
Bild: „Zentral-dezentrale“ Wärmelösung: Pro Wohnblock ist ein wandhängendes Gas-Brennwertgerät installiert worden, die beiden Multispeicher mit zusammen 1400 Litern Inhalt werden zusätzlich durch Solarthermie erwärmt. (Vaillant)