Aktuelle Anforderungen an Ökologie und Wohnqualität

Dach + Holz International 2010: Steildach, Flachdach, Ziegel und Holz

Namhafte Aussteller, spannende Produkte und ein vielfältiges Rahmenprogramm erwartet die Dach- und Holzbaubranche nächstes Jahr in Köln. Die rheinländische Metropole avanciert vom 24. bis 27. Februar zu dem internationalen Treffpunkt der Branche. Ob Steildach oder Flachdach, Ziegel oder Holz – die Dach + Holz zeigt Lösungen für den Alltag am Bau und behält dabei aktuelle Anforderungen, etwa an Ökologie und Wohnqualität, im Blick.

Freuen sich auf eine erfolgreiche Dach + Holz International 2010: Karl-Heinz Schneider (links), Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, und Ullrich Huth, Vorsitzender der Holzbau Deutschland.
Freuen sich auf eine erfolgreiche Dach + Holz International 2010: Karl-Heinz Schneider (links), Präsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, und Ullrich Huth, Vorsitzender der Holzbau Deutschland. (Foto: Krelaus)

Das Modernisierungs-Magazin hat mit den Vorsitzenden der beiden Verbände, die die Messe ideell tragen, gesprochen. Ullrich Huth (Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes) und Karl-Heinz Schneider (Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks) haben Auskunft gegeben über Herkunft und Zukunft der Dach + Holz.

Aus den Fachmessen Dach + Wand und Holzbau und Ausbau ist Dach + Holz International geworden – die Premiere 2008 in Stuttgart kam beim Fachpublikum gut an. Welchen Anteil am Zustandekommen des neues Messeformats hatten Ihre Verbände?

Huth: Erste Gespräche, die beiden Messen zusammenzulegen, gab es bereits vor einigen Jahren. Sehr konkret wurden die Vorbereitungen dann 2007. Beide Fachverbände – der Bund Deutscher Zimmermeister, wie wir damals noch firmierten, und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks – haben das neue Messeformat geprägt.

Schneider: Unsere beiden Fachverbände haben sich schon vor Jahren entschieden, die Messen zusammenzulegen. Dies entsprach auch dem Wunsch der Aussteller, die nicht zweimal im Jahr im selben Fachbereich ausstellen wollten. Hinzu kommt, dass unsere Messe, die Dach + Wand, mit ihrem jährlichen Rhythmus eine gewisse Grenze erreicht hatte. Der Weg zur gemeinsamen Messe war natürlich nicht immer einfach, denken Sie allein an die beiden Markennamen Dach + Wand und Holzbau + Ausbau, die wir aufgeben mussten. Das ging nicht immer ohne Reibung. Aber: Der Erfolg unserer ersten gemeinsamen Messe hat uns Recht gegeben. Die Zusammenarbeit unserer beiden Verbände betrifft übrigens nicht nur die Messe, auch in den Nichtmessejahren kooperieren wir, zum Beispiel indem wir einen gemeinsamen Kongress abhalten, wie vor zweieinhalb Jahren in Saarbrücken oder unlängst in Weimar. Die beiden Verbände sind zusammengewachsen, ohne dass die Berufsbilder sich zu sehr mischen. Wo sich aber unsere Interessen decken, sprechen wir mit einer Stimme.

Würden Sie im Nachhinein sagen: „Da ist zusammengekommen, was zusammengehört“?

Schneider: Der Markt verlangte die gemeinsame Messe. Unsere beiden Gewerke bieten Produkte aus einer Hand an. Schon zu Großmutters Zeiten suchte sich der Dachdecker den Zimmermann und der Zimmermann suchte sich den Dachdecker. Heute gibt es viele größere Betriebe, in denen beide Gewerke beheimatet sind.  Und den kleineren haben wir jetzt die Wege geebnet, um richtige Partnerschaften zu gründen.

Huth: Unsere beiden Gewerke mussten sich nicht erst groß suchen. Hinzu kommt, dass die Novellierung der Handwerksordnung es wichtig machte, dass man zusammenarbeitet, dass man dem Kollegen, der in das andere Gewerk mit reingeht, Voraussetzungen bietet, damit er ordentlich arbeiten kann. Das Wichtigste ist, dass fachlich richtig gearbeitet wird. Das geht nur mit Ausbildung und entsprechenden Informationen. Und dafür ist die Messe da.

Was erwartet Ihr Verband von der Dach + Holz 2010 in Köln?

Huth: Die Nachfrage bei den Ausstellern ist groß, größer, als sie in Stuttgart war. Wir von Holzbau Deutschland erwarten, dass die Holzseite in Köln stärker vertreten ist, als sie das in Stuttgart war. Die Anzeichen dafür sind da. Die Dach + Holz 2010 wird den Holzbau umfassend abbilden – was auch in Richtung Wohnungswirtschaft sehr interessant ist. Hier sehen wir noch ein Potenzial. Denn das preiswerteste Bauland, das die deutsche Wohnungswirtschaft schon besitzt, sind die nicht genutzten und noch nicht ausgebauten Dachgeschosse. Durch Ausbau verbunden mit einer energetischen Modernisierung kann hier zusätzlicher Wohnraum im verdichteten Raum geschaffen werden.

Herr Schneider, sehen Sie das vom Dachdeckerhandwerk ähnlich?

Schneider: Die Dach + Holz ist der Branchentreff schlechthin, der Standort Köln ist für unsere Dachdecker-Mitgliedsbetriebe unheimlich ergiebig – im Umkreis von 200 Kilometern sind die Hälfte aller Dachdecker einschließlich Benelux dabei. In Stuttgart wiederum, also im südlichen Deutschland, sind die Zimmerer sehr stark. Daher ist dieser Wechsel zwischen Nord und Süd eine sehr gute Lösung. Für 2010 erwarte ich konkret, dass wir den Erfolg von Stuttgart wiederholen, dass wir langsam wachsen und dass wir den Besucherkreis der Messe auf den Wohnungsbausektor mit Mietwohnungsbau erweitern.

Die meisten Messebesucher sind Mitglieder Ihrer Verbände. Wie wichtig ist ein Branchentreff in Zeiten der Krise?

Scheider: Es wird 2010, eben vor dem Hintergrund der Krise, etwas schwieriger sein, Fachbesucher zu begeistern. Aus diesem Grund halten wir an unseren Verbandstagen und dem Holzbautag fest, um die Mitglieder gewissermaßen zu verpflichten, auf die Messe zu gehen. Ein Messebesuch ist, vor allem in Zeiten, da es nicht so gut läuft, immer das Beste, was man machen kann. Man entdeckt innovative Produkte, die den Betrieb weiterbringen, und man lernt auf einer Messe auch, welche Lösungen nicht mehr rentabel sind heute. Wer nicht über den Tellerrand seines Betriebs schaut, kommt selten vorwärts.

Welche Themen beschäftigen Ihre Mitglieder derzeit am meisten?

Schneider: Ein drängendes Thema ist der Einbruch des Neubaus. Unsere Mitglieder arbeiten derzeit vor allem im Sanierungsbereich – wo kein Neubau entsteht, werden weder Dachstuhl noch Dacheindeckung benötigt. Der Neubau muss dringend wieder in die Gänge kommen, und man kann nur hoffen, dass Schwarz-Gelb das genauso sieht.
Huth: Ein wichtiges Thema ist unsere ehemalige zentrale Marketinggesellschaft, der Holzabsatzfonds, die das Bundesverfassungsgericht ja bekanntlich gekippt hat. Mit dem Holzabsatzfonds hatten wir eine Institution, die den öffentlichen Auftraggeber und den Architekten informierte, was unser Handwerk zu leisten vermag. Es ist nicht möglich, dass unser Verband diese Aufgaben übernehmen kann. Wir brauchen daher schnell eine sehr starke Nachfolgeorganisation – und das beschäftigt nicht nur unsere Landesverbände, sondern auch den kleinen Holzbau- und Zimmererbetriebe vor Ort. Hier arbeiten wir als Verband eng dem Deutschen Forstwirtschaftsrat und dem Deutschen Holzwirtschaftsrat zusammen, um eine neue privatrechtliche Organisation auf die Beine zu stellen, die dem Holabsatzfonds nachfolgt beziehungsweise Teile seiner Aufgaben übernimmt, die für die Fortentwicklung der Holzbaubranche wesentlich sind.

Was tut sich in Sachen Mindestlohn und Schwarzarbeit?

Schneider: Wir haben in Deutschland rund 12.000 Dachdeckerbetriebe, davon sind zirka 8000 bei uns Mitglied. Das Dachdeckerhandwerk hat einen Mindestlohn, der vor allem in den neuen Ländern eine Rolle spielt – dort haben wir Betriebe, die ausschließlich mit Mindestlohn arbeiten, weil es anders gar nicht geht. Wer einmal die Auftragslage entlang der polnischen Grenze mit der in und um Köln verglichen hat, der rümpft über Mindestlohn keine Nase mehr. Zu schaffen macht uns, da ist die Lage im Osten Deutschlands nicht anders als in Köln, die Schwarzarbeit. Sie schadet unserem Gewerk enorm.

Wie wird sich Ihre Branche in Zukunft entwickeln?

Schneider: Nach außen hin werden wir die Gewerke immer stärker gemeinsam anbieten, der Verbraucher will Lösungen aus einer Hand. Ich denke, mit einer der wichtigsten Trends werden daher die feststehenden Arbeitsgemeinschaften sein, die, um dem Markt gerecht zu werden, ein fertiges Produkt anbieten: sozusagen die komplette Gebäudehülle.

Huth: Eine fundierte Ausbildung ist auch in der Zukunft das A und O. Wir brauchen Spezialisten – aus aller Welt kommen Handwerker nach Deutschland, um sich über unser duales Ausbildungssystem zu informieren. Also muss da schon was dran sein. Neben den guten Fachleuten brauchen wir, vielleicht in der Zukunft mehr denn je, aber auch die Unternehmerpersönlichkeiten, die ihren Betrieb ein bisschen größer machen und dann nicht nur ihr eigenes Gewerk sehen.

Herr Huth, Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch.
www.holzbau-deutschland.de

Interview: Jörg Bleyhl