Die dezentrale Warmwasserbereitung erhält mit der Energiewende neuen Auftrieb, punktet sie doch mit kurzen Leitungen und dementsprechend geringen Wärmeverlusten. Die Marke AEG ist auf diesem Gebiet mit ihren Durchlauferhitzern wohlbekannt. Das Modernisierungs-Magazin hat mit Holger Steimel, Geschäftsleitung Deutschland, Markenvertrieb AEG Haustechnik, über die dezentralen Warmwasserversorgungs- sowie elektrischen Raum- und Flächenheizsysteme gesprochen.
Wie sieht Ihr Produktportfolio derzeit aus, und welcher Bereich ist der wichtigste?
Steimel: Aus historischer Sicht hat die elektrische Warmwasserbereitung die größte Bedeutung für uns. Wir haben seit 100 Jahren Erfahrung in der elektrischen Warmwasserbereitung. Unsere wichtigste Aufgabe in diesem Bereich ist jetzt, von hydraulischen Geräten auf elektronische Durchlauferhitzer umzustellen, da mit elektronischen Geräten bis zu 30 Prozent Kosten und Energie pro Jahr – im Vergleich zur hydraulischen Variante – eingespart werden können. Weitere Produktbereiche sind die elektrische Fußbodentemperierung und Freiflächenheizungen, besser gesagt „No-Frost-Systeme“. Letztere sollen Flächen im Außen- und im unbeheizten Innenbereich nicht heizen, sondern von Frost freihalten.
Lassen Sie uns den Bereich Warmwasserbereitung zunächst beleuchten. Welche Vorteile hat der Eigentümer bei der dezentralen Versorgung per Durchlauferhitzer?
Steimel: Generell muss man bei der Warmwasserbereitung unterscheiden zwischen der Sichtweise der Eigentümer, die das Argument der Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt rücken, und der Sichtweise der Mieter, denen es auf bequeme und einfache Nutzung ankommt. Bei der dezentralen Versorgung gilt aber für beide Seiten: Es gibt keine Wärmeverluste bei der Warmwasserbereitung, was den Komfort sogar erhöht. Es entfallen lange Leitungswege und somit Zirkulationsverluste. Ein weiterer Vorteil: Die Abrechnungsmodalitäten sind simpel, da jeder Mieter nur den tatsächlichen Verbrauch bezahlt.
Wie fällt die ökologische Bilanz der dezentralen Warmwasserversorgung im Vergleich zur zentralen Variante aus?
Steimel: Die Studie „Reduzierung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen durch dezentrale elektrische Warmwasserversorgung“ wurde im Auftrag des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und der Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung HEA veröffentlicht. Darin wird dieses Thema mit Daten und Fakten beleuchtet und mit Zahlen untermauert. Die dezentrale Warmwasserbereitung wird in Hinblick auf den Strommix, der bis 2020 von der Bundesregierung angestrebt wird, eine sehr hohe und lukrative Bedeutung bekommen. Ganz entscheidend ist hierbei, dass keine Wärmeverluste auftreten und somit keine Energie verschwendet wird.
Ein Blick in Richtung elektrische Raumheizgeräte und Flächenheizsysteme: Unter welchen Voraussetzungen macht der Einsatz Sinn?
Steimel: Im Bereich Raumheizsysteme müssen wir zwischen Nachtspeicherheizungen, elektrischer Raumheizung und Flächenheizsystemen unterscheiden. Bei den Nachtspeicherheizungen vollzieht sich gerade ein Imagewandel – auch in Hinblick auf ihre künftige Rolle im Energiemix. Sie werden jetzt Wärmespeicherheizungen genannt. Sie sind nach wie vor zulässig und nutzen die Chancen im modernen Energiemanagement, da sie sich in nächtlichen Schwachlastzeiten aufladen. Als Speicher in verbrauchsarmen Stunden lässt sich ihr Einsatz nach wie vor rechtfertigen. Allerdings haben sich Technik und Materialeinsatz deutlich verbessert. Alte Modelle mit Baujahr älter 1990 müssen deshalb bis 2019 ausgebaut werden, wenn an einem Gebäude mit mehr als fünf Wohneinheiten keine energetischen Maßnahmen, zum Beispiel an Dämmung, Fenstern oder Dach, vorgenommen werden. Das gilt aber nur dann, wenn ein solcher Ausbau wirtschaftlich sinnvoll ist. Andernfalls kann kein Eigentümer dazu gezwungen werden, eine komplett neue Infrastruktur für eine Gas- oder Ölheizung aufzubauen. Werden an einem Gebäude mit mehr als fünf Wohneinheiten allerdings energetische Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, so können weiterhin Wärmespeicherheizungen eingesetzt werden. Eine elektrische Raumheizung mit Direktheizgeräten dient als Heizungsunterstützung oder ist bei Niedrigenergiehäusern sinnvoll, die häufig als sogenannte 0-Liter-Häuser erstellt werden und einen minimalen Energiebedarf von wenigen Kilowatt pro Quadratmeter haben. Hier ist eine Elektroerwärmung – beispielsweise per Naturstein-Wandheizung oder per Fußbodentemperierung – sinnvoller und wirtschaftlicher, um den Wärmebedarf komplett abzudecken, als mit einer zentralen Heizanlage, die Gas, Öl oder andere Heizenergien nutzt. Unsere elektrischen Flächenheizsysteme erfüllen in erster Linie Komfortansprüche. Viele unserer Kunden setzen sie in Bädern ein, um in der Übergangszeit fußwarme Bäder zu haben. Dies ist sinnvoll, da es tatsächlich Menschen gibt, die auch in der Übergangszeit die komplette Heizungsanlage in Betrieb setzen, nur um für wenige Stunden am Tag ein angenehm temperiertes Badezimmer zu haben. Vermieter müssen die Heizungsanlage im Herbst nicht so früh einschalten und können sie oft schon zeitig im Frühjahr abschalten. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Nebenkostenabrechnung aus. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt dient dem Erhalt: Fliesen trocknen wesentlich schneller und werden so zu hygienisch einwandfreien Bodenbelägen, weil Schimmel gar nicht erst entstehen kann.
Unter dem Begriff „No-Frost“ bieten Sie ein Heizmattensystem an, das Zufahrtswege im Freien von Schneeglätte und Vereisungen freihält. Auch für Dachrinnen und Rohrleitungen gibt es Heizkabel. Lassen sich diese Systeme in Zeiten erhöhter Energieeinsparungen überhaupt guten Gewissens einsetzen?
Steimel: No-Frost-Systeme lassen sich sehr gut einsetzen, denn Sicherheitsaspekte zur Vermeidung von Unfällen und Gebäudeschäden stehen hier im Fokus. Sie rechtfertigen den Energieaufwand. Haupteinsatzgebiet ist der öffentliche Bereich – zum Beispiel Zugangswege, S- und U-Bahntreppen oder steile Einfahrten für Tiefgaragen. Insbesondere Großstädte müssen eisfrei gehalten werden. Der kommunale Räumdienst und große Logistikzentren können das oftmals nicht bewerkstelligen und sind auf diese Technik angewiesen. Trotz ihres Stromverbrauchs sind No-Frost-Systeme eine wirtschaftliche und umweltfreundliche Alternative. Denn Streusalz ist vielerorts Mangelware und greift die Substanz des Untergrunds an, ganz zu schweigen von der Umwelt. In einigen Städten darf es im privaten Bereich nicht mehr eingesetzt werden. Bei einem unserer Referenzobjekte - eine Commerzbank-Filiale in Dortmund – gab es das Problem, dass die Granitstufen und der Innenbereich vom aggressiven Salz angegriffen und bereits völlig zerfressen waren. Hier hält nun ein No-Frost-System diese Bereiche völlig frostfrei. Das System ist sehr energieeffizient, denn es wird durch ein intelligentes, automatisches Steuerungssystem mit einer Fühlertechnik nur dann betrieben, wenn der Einsatz wirklich erforderlich ist: Bei minus 10 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein passiert nichts, erst wenn Nässe und Kälte aufeinandertreffen, schaltet sich das System ein. Dachrinnen- und Rohrbegleitheizungen verfahren nach demselben Prinzip und haben ihre Berechtigung. Muss beispielsweise die Feuerwehr ausrücken, um an mehrgeschossigen Wohngebäuden große Eiszapfen zu entfernen und Dachrinnen zu enteisen, so kommt dies wesentlich teurer als eine Dachrinnenheizung, die sich ebenfalls nur bei entsprechender Witterung einschaltet. In einem Durchschnittswinter ist ein No-Frost-System nur etwa 200 Stunden im Jahr aktiv.
Wie kommen Interessenten an Ihre Produkte?
Steimel: Wir arbeiten mit einem dreistufigen Vertrieb und sind über die Großhandelslandschaft der Elektro- und Sanitärgroßhändler vertreten.
Stehen für Architekten und Planer spezielle Unterlagen und Berater bereit?
Steimel: Wir haben unseren Internet-Auftritt insbesondere für Architekten und Planer entsprechend erweitert. Zwei- bis viermal jährlich erhält diese Zielgruppe einen Newsletter. Außerdem stellen wir eine umfangreiche Planungs-Software zur Verfügung, zum Beispiel ein Thermo-Boden-Planersystem und einen Verlegefilm „Wie verlege ich den Thermo-Boden vor Ort“. Das hat den Vorteil, dass sich Architekten und Planer nicht erst in die Materie, mit der sie sich nicht regelmäßig befassen, lange einlesen müssen. Die Visualisierung vermittelt einen praxisnahen Eindruck, wie zeitsparend und individuell sich der Thermo-Boden einbringen lässt. Ausschreibungstexte und Referenzbroschüren stehen selbstverständlich genauso zur Verfügung wie andere technische Unterlagen. Gleichzeitig unterstützt unsere technische Beratung in Nürnberg bei sämtlichen Ausarbeitungen und bietet eine umfassende Kundenbetreuung.
Interview: Jörg Bleyhl
Bild: Holger Steimel erläutert die Funktion eines vollelektronischen Durchlauferhitzers DDLE Öko Thermo Drive mit umschaltbarer Leistung.
