„Nutznießer der Renovierungswelle“

Interview mit Bernd Hertweck, Vorstand der Wüstenrot Bausparkasse

Interview mit Bernd Hertweck, Vorstand der Wüstenrot BausparkasseWer sich eine Immobilie anschaffen oder die eigenen vier Wände sanieren möchte, ist auf Kreditinstitute, Bausparkassen und Versicherungen angewiesen. Auch Wohnungsunternehmen stehen mit diesen Partnern in Verbindung – einerseits zur Finanzierung eigener Projekte, andererseits sind die angebotenen Finanzierungsmöglichkeiten für Endkunden für den Verkauf von Eigentumswohnungen interessant. Bernd Hertweck, Vorstand der Wüstenrot Bausparkasse in Ludwigsburg, erklärt im Interview mit dem Modernisierungs-Magazin, wie der deutsche Bausparmarkt in der aktuellen Zinslandschaft aufgestellt ist.

Experten verheißen dem Wohnungsbau einen Aufwärtstrend. Trotzdem stellt sich angesichts der aktuellen Zinslandschaft die Frage, ob Bausparen künftig noch ein attraktives Finanzierungsinstrument ist. Welche Bedeutung messen Sie dem Bausparen für die Zukunft bei, auch mit Blick auf den Bereich Modernisieren/Sanieren?
Hertweck: Der aktuelle Zinsschritt der Europäischen Zentralbank könnte das Signal gewesen sein, dass sich das allgemeine Zinsniveau allmählich erhöht. Dies bleibt zunächst jedoch noch abzuwarten und ist in hohem Maß mit der Inflationserwartung der Währungshüter verbunden. Selbst wenn es zu einem Anstieg kommt, werden wir die Zinssätze aus Mitte der 90er-Jahre so schnell nicht wieder erreichen. Insofern ist nur von einem langsamen Zinsanstieg auszugehen. Dies wiederum gibt den Bausparkassen einerseits genügend Zeit, in der Produktentwicklung zu reagieren und die Tarife an das sich wandelnde Zinsumfeld anzupassen. Der Vorteil des Bausparens – die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt – wird auch zukünftig dafür sorgen, dass die Finanzierungskonditionen im Bausparen immer deutlich unterhalb der Angebote anderer Immobilienfinanzierer liegen werden. Hinzu kommt das stets wachsende Marktsegment Renovierung/Modernisierung, da der deutsche Wohnungsbestand im Durchschnitt überaltert ist. Das bedeutet ein Finanzierungspotenzial von mehreren hundert Milliarden Euro. Die Finanzierungserfordernisse liegen hier – je nach Umfang der Maßnahmen – im Schnitt bei 20.000 bis 50.000 Euro. Das sind typische Größenordnungen einer Bausparfinanzierung, die in diesem Bereich ihre besonderen Stärken ausspielen kann. Das Bausparen wird daher einer der Nutznießer der bevorstehenden Renovierungswelle in Deutschland sein.

Haben die Bausparkassen Probleme durch das aktuelle Zinsniveau am Kapitalmarkt? Wünschen Sie sich einen raschen Zinsanstieg?
Hertweck: Zunächst der Blick auf die Kunden: Die Bausparkassen haben ihre klassischen Tarife den derzeitigen Markt­erfordernissen angepasst, insbesondere durch ihre Varianten mit niedrigen Darlehenszinsen, den sogenannten Finanzierungstarifen. Damit sprechen wir vor allem Kunden an, die gezielt auf eine Immobilie sparen oder die bereits eine Immobilie haben und für Modernisierung oder Umbau vorsorgen möchten. Und der Blick auf die Bausparkassen selbst: Sie haben es gelernt, unterschiedliche Zinsszenarien im Rahmen ihrer Risikofähigkeit auszusteuern, aber ein dauerhaft niedriges Zinsniveau, wie wir es zuletzt hatten, ist eher ergebnisbelastend. Grundsätzlich wäre für die Inanspruchnahme von Bauspardarlehen ein Zinsanstieg am Markt förderlich, die Attraktivität würde für die Kunden zunehmen. Aus Sicht der Bausparkasse wäre ein langsamer Zinsanstieg besser als ein plötzlicher, um mehr Reaktionszeit zu haben für die Umsteuerung bei den Tarifen und im Aktiv-Passiv-Management.

Welche Entwicklung erwarten Sie für den deutschen Bausparmarkt?
Hertweck: Der deutsche Bausparmarkt bewegt sich seit vielen Jahren in einer Bandbreite von rund 90 bis 100 Milliarden Euro Brutto-Bausparsumme pro Jahr bei einer Stückzahl von zirka 3,5 bis 4,5 Millionen. Insofern ist der er zwar als gesättigter Markt zu bezeichnen, der jedoch vertriebsstarken und serviceorientierten Anbietern weitere Wachstumschancen eröffnet. In diesem Wettbewerb hat Wüstenrot mit dem eigenen Außendienst, seinen Kooperationspartnern, ausgezeichneten Produkten und innovativen Services (zum Beispiel Zuschussberatung) allerbeste Chancen. Hinzu kommt: Die Menschen wissen, dass Bausparen immer noch der beste Weg in die eigenen vier Wände ist. Zunehmend wissen sie aber auch, dass Bausparen darüber hinaus der beste Weg ist, die eigene Immobilie energetisch oder altersgerecht zu modernisieren. Diese Geschäftsfelder bergen noch große Potenziale für das Bausparen.

Was müsste getan werden, damit Wohn-Riester künftig noch attraktiver wird?
Hertweck: Schon jetzt ist die „Eigenheimrente“ hinter Versicherungen das zweitbedeutendste Segment bei den Riester-Renten. Eine noch höhere Attraktivität würde aus einigen wenigen Vereinfachungen und Verbesserungen resultieren, die für die öffentliche Hand nahezu aufkommensneutral dargestellt werden könnten. Stichwörter hierzu sind zum Beispiel Erleichterungen im Pflegefall oder bei berufsbedingtem Umzug, Verzicht auf Verzinsung des Wohnförderkontos, Möglichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung der Steuerschuld auch noch im Rentenalter oder die Einbeziehung des altersgerechten Umbaus in die Förderung.

red
Bild: Bernd Hertweck: „Bausparen ist immer noch der beste Weg.“ (PRESSECOMPANY)