„Auswahl und Qualität punkten, Preis überzeugt“

Interview mit Helmut Hilzinger, Inhaber und Geschäftsführer von Hilzinger Fenster und Türen

Interview mit Helmut Hilzinger, Inhaber und Geschäftsführer von Hilzinger Fenster und TürenDer Fenstermarkt verzeichnet weiterhin gute Wachstumsraten. Mit der Energiewende und dem dadurch engagierteren Bestreben der Bundesregierung, den Energieverbrauch im Gebäudesektor weiter zu minimieren, kommt Bewegung in die Branche. Das Modernisierungs-Magazin hat sich mit Helmut Hilzinger, Inhaber und Geschäftsführer von Hilzinger Fenster und Türen, unterhalten, was bei Fenstern für die Immobilienbranche zählt.

Der Fenstermarkt in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Konnte Ihr Unternehmen dem Aufwärtstrend folgen?

Hilzinger: Gewachsen ist der Fenstermarkt im Prinzip erst in den Jahren 2009 und 2010. Zuvor hatten wir in der Branche einen Rückgang von 24,7 Millionen Fenstereinheiten im Jahr 1996 auf 11,8 Millionen Fenstereinheiten in 2008. Dennoch ist es Hilzinger im gleichen Zeitraum gelungen, den Umsatz von 23,2 Millionen (1996) auf 113,8 Millionen (2008) zu steigern. Durch die dezentrale Positionierung und sehr breite Produktpalette war Hilzinger schon immer aufgestellt wie kein anderer. Der Aufschwung 2009 und 2010 hat dann natürlich zusätzlichen Auftrieb gegeben. Steigende Heizkosten und auch die Finanzkrise bewegen die Menschen, mehr in die eigenen vier Wände zu investieren. Verschiedene Förderprogramme und auch das Konjunkturpaket II gaben wichtige Impulse. 2010 konnte die Hilzinger Unternehmensgruppe mit einem kumulierten Umsatz von 137,7 Millionen Euro abschließen. Die Anzahl der Mitarbeiter liegt inzwischen bei 800. Zum Vergleich: 1996 waren es noch 202 Mitarbeiter.

Erwähnen möchte ich auch, dass sowohl in der Profil- als auch in der Beschlagstechnik das Mutterland des Fensters schon immer Deutschland war und auch in Zukunft sein wird. Die Fensterqualität, die Normung, diese ganzen Dinge kommen sehr stark aus Deutschland. Davon haben wir über viele Jahrzehnte ebenfalls profitiert.

Die Anbieterseite bei den Fensterbauern ist sehr differenziert aufgestellt. Es gibt sehr viele kleine Unternehmen, die lokal oder regional agieren. Wie ist Ihr Unternehmen aufgestellt?

Hilzinger: Unsere dezentrale Positionierung macht sich hier mit unseren Stützpunkten sehr positiv bemerkbar. Wir sind vor Ort und somit näher am Kunden. In Deutschland sind wir mit fünf Vertriebsstätten und neun Produktionsstandorten aufgestellt. Würden wir nur in Süddeutschland agieren und hätten Berlin nicht regelrecht „eingezingelt“, wären wir heute in Berlin nicht führend tätig. Durch unsere dezentrale Positionierung ist keiner unserer Wettbewerber in dieser Fläche so aufgestellt und so nah am Kunden wie wir. Dazu haben wir ein flächendeckendes Händler-Vertriebsnetz mit zirka 700 Partnerbetrieben.

Ihr Unternehmen ist somit auch in der Lage, größere Aufträge in einem vernünftigen Zeitraum abzuwickeln?

Hilzinger: Wir mussten bisher nie einen Auftrag aufgrund der Größenordnung ablehnen. Wir denken nicht, dass es in unserem Hauptsegment Kunststoff einen Auftrag gibt oder in Zukunft geben wird, den wir aufgrund der Größenordnung nicht abwickeln können. Wir haben mehrere Standbeine, unsere Fünf-Säulen-Strategie lautet: Im Ortenau-Kreis, dem größten Kreis in Baden-Württemberg und unserem Haus- und Hofgebiet, haben wir den Direktvertrieb, darüber hinaus haben wir unser Händler-Vertriebsnetz. Die drei weiteren Standbeine sind das Objektgeschäft, der Vertrieb in Frankreich und in der Schweiz. Mit unseren Objektabteilungen wickeln wir vor allem Großprojekte bundesweit direkt ab. Wenn möglich in Abstimmung mit unseren Vertriebspartnern.

Können Sie sagen, wie viele Ihrer Fenster in Neubauten und wie viele in Bestandsbauten eingesetzt werden?

Hilzinger: Bei Privatkunden werden 70 Prozent unserer Fenster im Altbau und 30 Prozent im Neubau eingesetzt. Bei den gewerblichen Kunden ist es umgekehrt: Hier werden etwa 40 Prozent der Fenster im Altbau eingebaut und 60 Prozent im Neubau.

Energetisches Sanieren ist in aller Munde. Um die Energieverbrauchsbilanz im Gebäude entscheidend zu verbessern, ist der Einsatz neuer Fenster von großer Bedeutung. Wie viel Energie kann man mit dem „Hilzinger-Fenster“ einsparen?

Hilzinger: Wir können durch unsere dezentrale Positionierung so viele Fenstersysteme anbieten wie kein anderer. Deshalb haben wir immer Schritt gehalten und sind auf dem neuesten Stand: Die energetischen Forderungen der Regierung und der Ämter werden von uns 100-prozentig erfüllt. Hier sind wir ganz vorne mit dabei. Dieses Jahr haben wir beispielsweise das Thermosolar Geneo-Fenster von Rehau aufgenommen. Produziert wird dieses an unserem Standort in Hennigsdorf bei Berlin. Damit haben wir vor kurzem ein großes Projekt in Freiburg ausgestattet. Hier kamen komplett ausgedämmte Profilkammern zum Einsatz. Desweiteren verarbeiten wir Profilsysteme der Marken KBE, Gealan, Trocal, Aluplast und Veka. In der Standardausführung erzielen wir mit unseren Fenstern bei Dreifachverglasung einen Uw-Wert von 0,80 W/m²K, mit ausgedämmten Profilkammern kommen wir auf einen Uw-Wert von 0,69 W/m²K. Zum Vergleich: Alte Fenster haben einen Uw-Wert von 3,0 W/m²K. Unsere neuen Fenster dämmen also bis zu vier Mal so gut.

Als großer Anbieter von Fenstern und Türen sind Ihre Auftraggeber sicher häufig aus der Immobilienwirtschaft. Welche Anforderungen an moderne Fenster gibt es hier?

Hilzinger: Durch die gesamte Immobilienwirtschaft zieht sich das Thema „Preis-Leistungs-Verhältnis“. Die Wohnungsunternehmen müssen auf den Preis achten, dennoch muss die Qualität passen. Im öffentlichen Bereich ist der Preis noch dominanter: Der günstigste Anbieter bekommt den Zuschlag - etwas anderes ist schon von den Gesetzen her nicht möglich. Auch im Gewerbebau ist der Preis häufig das ausschlaggebende Kriterium. Bei Privatpersonen hingegen zählt eher die Ausstattung und der Komfort. Gerne gibt man dort für den ein und anderen Zusatznutzen ein paar Euro mehr aus. So haben wir für jeden Kunden die passende Lösung.

Ob preisgünstiges Standardfenster oder Individualfenster: Die Montage muss immer sorgfältig und fachgerecht erfolgen, damit die Energiekosten am Ende so gering wie möglich sind. In enger Zusammenarbeit mit der Firma Illbruck schulen wir deshalb unsere Monteure und Vertriebspartner sehr intensiv. Speziell bei den Montageunternehmen gibt es in der Praxis große Qualitätsunterschiede. Kompetente und erfahrene Monteure sind eine wichtige Anforderung.

Sie haben kürzlich eine Kooperation mit der Firma Aluplast unter Dach und Fach gebracht. Welche Vorteile dürfen Ihre Kunden in Zukunft erwarten?

Hilzinger: Wir haben durch Zukäufe und Übernahmen ein gewisses Portfolio, bislang hat Aluplast leider gefehlt. Mit der neuen Kooperation haben wir jetzt noch einmal eine Qualitätsoffensive gestartet: Wir haben mit Aluplast nun weitere energetisch hochwertige und sehr gute Fensterprofile im Angebot. Mit dem Systemhaus Aluplast sehen wir in der Wohnungswirtschaft, aber auch darüber hinaus, deutliche Marktvorteile.

Herr Hilzinger, vielen Dank für das Interview.

Interview:
Dieter A. Kuberski, Jörg Bleyhl