Das Modernisierungs-Magazin hat mit Markus Blum, Mitglied der Geschäftsführung bei Xella, und Dr. Marc Andree Groos, Marketingleiter bei Vaillant, über das Energiewerthaus gesprochen.
Wie kam es zu der Kooperation?
Markus Blum: Die Initiative wurde von Xella 2007 gestartet. Seit März 2010 ist auch Vaillant mit an Bord, so konnte das Konzept sinnvoll um die Themen regenerative Heizungs- und Lüftungstechnik ergänzt werden. Dies geschah auch vor dem Hintergrund der Klimaschutzdiskussion und absehbaren höheren Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden.
Was genau ist das Energiewerthaus?
Dr. Marc Andree Groos: Das Energiewerthaus ist ein individuelles und zukunftsweisendes Hauskonzept, das in einer Allianz starker Marken realisiert wird: Ytong, Vaillant und Dekra. Die Gebäudehülle wird aus dem ökologischen Markenbaustoff Ytongporenbeton errichtet. Vaillant sorgt mit Technologien auf Basis regenerativer Energien für die Beheizung des Gebäudes. Durch diese Kombination wird so wenig Energie verbraucht, dass bereits heute die geplanten Standards der EnEV 2012 übertroffen werden. Konkret müssen Energieweghäuser also mindestens dem Effizienzhaus-70-Standard der KfW genügen, in der Regel wird aber der Standard Effizienzhaus 55 erreicht. Während der Planungs- und Bauphase wird dies durch Dekra-Sachverständige unabhängig geprüft und im Anschluss zertifiziert.
Wie wurde das Konzept erarbeitet?
Blum: Im Rahmen von Workshop-Reihen, zu denen Bauträger und Komplettbauanbieter von Ein- und Zweifamilienhäusern mit Experten aus den Bereichen Bauphysik, Anlagentechnik, Baubiologie und Mehrwertverkauf zusammengekommen sind. Am Ende stand ein Qualitätsstandard für massiv erstellte Ein- und Zweifamilienhäuser. Das Produkt Energiewerthaus ist von unseren Kunden, also den Bauträgern, entwickelt worden. Wir als Industrie unterstützen und ermöglichen unseren Partnern die Umsetzung.
Wie lässt sich bei dem Konzept ein gewerkübergreifender Qualitätsstandard planen und vor allen Dingen umsetzen?
Blum: Indem man zunächst auf der Grundlage eines präzise definierten Effizienz- und Anforderungskatalogs arbeitet. Der Bauträger bezieht die Dekra als Planungsprüfer ab der Entwicklung des Hauskonzepts und während der baulichen Umsetzung mit ein. Parallel dazu gibt es eine Abstimmung mit Xella und Vaillant hinsichtlich der Spezifika zur Gebäudehülle und des Heizsystems.
Welche Heiztechnik kommt bei Energiewerthäusern vorrangig zum Einsatz?
Groos: Für die eingesetzte Anlagentechnik bei der Wärmeerzeugung kommen entweder eine Wärmepumpe oder ein Gas-Brennwertgerät mit Solarunterstützung zum Einsatz. Sehr häufig wird dies noch um eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung ergänzt. Ziel ist immer ein wirtschaftlich maßgeschneidertes System.
Wie individuell lässt sich das Energiewerthaus-Konzept umsetzen?
Blum: Jedes Energiewerthaus wird individuell geplant und kann im Gegensatz zu bisherigen Energiesparhäusern architektonisch sehr anspruchsvoll und ohne Einschränkungen gestaltet sein. Bauherren genießen hier alle Freiheiten.
An wen richtet sich die Kooperation?
Groos: Unsere Zielgruppen sind Bauträger und Komplettbauanbieter von schlüsselfertigen Gebäuden. Sie stehen durch steigende Anforderungen an die Gebäudeeffizienz vor großen Herausforderungen in der Planung und Ausführung von Gebäuden. Entsprechend wünschen sich die Bauträger Unterstützung, um die gewerkeübergreifende Planung und Ausführung von Bauvorhaben für Kunden leisten zu können. Hier stellt sich immer die Frage, welche Heiztechnik bei einer bestimmten Gebäudehülle zum Einsatz kommen sollte oder was bei einer bestimmten Technik der Gebäudeversorgung im Hinblick auf die Gebäudehülle berücksichtigt werden muss. Sowohl der Fachhandwerker für die Gebäudeversorgung als auch der Bauträger für sich können dies oft nur schwer beantworten. Gleichzeitig erwarten Bauherren diese Gesamtleistung ausdrücklich.
red
Bilder: Bernd Gabriel
