Die Bau boomt: Bereits ein Jahr vor Messebeginn sind die Hallenflächen restlos ausgebucht. Die Messeleitung erwartet mehr als 210.000 Besucher aus über 150 Ländern. Einen großen Raum nimmt das Thema Nachhaltigkeit ein, das unter anderem in diversen Sonderschauen aufgegriffen wird. Aber auch die Themenfelder Forschung und Innovation stehen im Jahr 2011 groß auf der Agenda, ebenso wie das Thema generationengerechtes Bauen. Das Modernisierungs-Magazin ist nach München gereist und hat sich bei dem damaligen und inzwischen in der Messe-Geschäftsführung aufgestiegenen Projektleiter der Bau, Markus Geisenberger, informiert.
Herr Geisenberger, die Bau hat sich schon immer als internationale Leitmesse gesehen. Jetzt also Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme. Was bringt das konkret für die Besucher?
Geisenberger: Den Besuchern bietet sich auf der Bau die Möglichkeit, die wesentlichen Marktführer auf einmal anzutreffen. Unser Ziel ist es, Angebot und Nachfrage in diesem Sinne zusammenzuführen. Wir müssen auf der Bau das Who’s who der Branche versammeln, auf Aussteller- wie auf Besucherseite. Das bedeutet für alle Beteiligten vor allem mehr Qualität – und natürlich auch mehr Quantität. Als gewerkeübergreifende Material- und Architekturschau setzt die Messe in diesem Bereich Maßstäbe.
Bei unserem letzten Gespräch im Vorfeld der Bau 2009 hatten Sie bekräftigt, dass Stillstand grundsätzlich Rückschritt bedeute. Wohin steuert die Bau 2011?
Geisenberger: Das Steuer zeigt klar in Richtung Innovationsführerschaft. Die Bau ist die Innovationsmesse schlechthin. Die Projektleitung denkt die Konzepte der Messe durch und überarbeitet sie – insofern gilt auch 2011: Stillstand wäre Rückschritt. Wir sind am Puls der Zeit und greifen Trends und Entwicklungen auf, die Aussteller setzen wiederum vor allem auf die Bau, um ihre Innovationen erstmals der Fachöffentlichkeit vorzustellen.
Nachhaltiges Bauen ist das Topthema der kommenden Messe. Was verstehen Sie genau darunter?
Geisenberger: Nachhaltiges Bauen ist in der Tat ein weites Feld. Das Thema Energieeffizienz, das im Jahr 2009 im Mittelpunkt der Messe stand, stellt dabei nur einen, aber einen wichtigen Aspekt dar. Dem Thema Nachhaltigkeit kann man nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung gerecht werden. Neben ökonomischen und ökologischen spielen auch gesundheitliche, soziokulturelle und natürlich technologische Aspekte eine Rolle. Die Bau hat den Auftrag, alle Perspektiven zu beleuchten. Dabei nehmen wir die Definition von Nachhaltigkeit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und des Bundesbauministeriums als Grundlage, die alle Facetten beleuchtet.
Planen Sie zum Thema Nachhaltigkeit Sonderschauen?
Geisenberger: Selbstverständlich wird es zu diesem Leitthema auf der Messe verschiedene Sonderschauen und Veranstaltungen geben. So werden wir erstmalig mit der Fraunhofer-Allianz Bau zusammenarbeiten und die Sonderschau „Intelligentes Bauen“ ausrichten. Außerdem werden wir mit dem IFT Rosenheim unter dem Arbeitstitel „Zukunftsfähige Bauelemente“ kooperieren. Hierbei geht es um die Bedeutung der Nachhaltigkeit im Bereich Fenster, Türen und Fassaden. Zudem geht es darum, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Nachhaltigkeitszertifikate wie dem Gütesiegel der DGNB, Breeam in England oder Leed in den USA herauszuarbeiten.
Auf welche Highlights dürfen sich die Besucher freuen?
Geisenberger: Für die Architekten und Planer gibt es beispielsweise die Foren „Zukunft des Bauens“ und „Makroarchitektur“. Die Besucher der Immobilienwirtschaft dürfen sich auf den „Tag der Immobilienwirtschaft“ freuen, den wir zusammen mit der Verlags-Marketing Stuttgart veranstalten werden. Ziel der Bau ist es, die unterschiedlichen Zielgruppen von Handwerkern bis zum Planer mit verschiedenen hochkarätigen Veranstaltungen zu versorgen.
Die letzte Bau konnte mit über 212.000 Besuchern zum zweiten Mal in Folge einen Rekord verzeichnen. Wie stehen die Chancen für ein weiteres Wachstum 2011?
Geisenberger: Die Strategie der Bau ist grundsätzlich auf Wachstum ausgerichtet. Bei der letzten Bau 2009 sind bestimmte Rahmenbedingungen zusammengekommen, die ein Rekordergebnis ermöglichten. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten orientieren sich Aussteller und Besucher immer am Marktführer. Wir gehen davon aus, dass wir 2011 gemeinsam mit den Ausstellern ein exzellentes Ergebnis erreichen werden. Ob es ein Rekordergebnis sein wird, werden wir sehen.
Die eine Seite ist die reine Anzahl der Besucher, die andere Seite ist ihre Qualität. Wie zufrieden waren Sie nach der Auswertung der Bau 2009 damit? Oder anders gefragt: Wo sehen Sie hier noch Nachholbedarf?
Geisenberger: Im Jahr 2009 waren von den 212.000 Besuchern 96 Prozent Fachbesucher. Sprich: Unsere Besucher besitzen eine enorm hohe Qualität. Gleiches gilt für die Ausstellerseite; Die Aussteller, die sich auf der Bau versammeln, sind in ihren jeweiligen Segmenten Marktführer. Nachholbedarf im engeren Sinne sehen wir also nicht. Aber: Wir analysieren genau, was gut ist – und was noch besser gemacht werden könnte. Unser erklärtes Ziel ist, alle Marktführer zusammenzuholen. Wir wollen das Alleinstellungsmerkmal der Bau deutlich unterstreichen, um so das Interesse aller Besucherzielgruppen zu wecken. Gerade die Immobilienwirtschaft und Architektenschaft zu erreichen ist eine Kunst für sich. Doch das gelingt uns auf der Messe sehr gut. Für diese Gruppe ist die Bau die größte und wichtigste Fachmesse überhaupt.
Lassen Sie uns einmal einen Blick in die vorläufige Ausstellerliste werfen. Welche Bereiche sind Ihrer Ansicht nach gut belegt, in welchen Bereichen würden Sie gerne noch etwas zulegen?
Geisenberger: Grundsätzlich will man immer noch mehr. Doch die Bau steht ganz hervorragend da. Wir sind bereits ein Jahr vor Messebeginn in allen Bereichen restlos ausgebucht. Das macht uns keine andere Messe nach. Ergo: Es gibt keine schlechten Bereiche. Die Projektleitung kann beispielsweise eine enorme Nachfrage aus dem Aluminium-, Stahl- und Steinbereich verzeichnen. Wie es im Moment aussieht, gelingt es uns sogar, im Fliesen- und Keramikbereich eine Kehrtwende einzuläuten; dieser Bereich wird 2011 auf der Bau wieder stärker sein. Dann der Natursteinbereich: Er präsentiert sich 2011 in einer nie dagewesenen Dimension. Auch die Bau-IT zeigt sich in einer Größe wie nie zuvor. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels rückt das Thema „Generationengerechtes Bauen“ auf der Bau 2011 weiter ins Zentrum. Dazu gehört auch ein Themenfeld, das bis jetzt noch nie so im Mittelpunkt stand: Forschung und Innovation. Hierzu wird es verschiedene Kongresse des Bundesbauministeriums und des Bundeswirtschaftsministeriums geben, das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft hält einen Kongress zum Thema Bionik und Nanotechnologie. Und um das müde Image der Bauwirtschaft etwas zu korrigieren, wird das Thema Aus- und Weiterbildung in Form der Bau-Karrieretage auf der Messe vertreten sein.
Interview: Dieter A. Kuberski
Bild: Markus Geisenberger sieht die Bau auch für 2011 gut aufgestellt und übergibt die internationale Leitmesse ruhigen Gewissens an seinen Nachfolger: „Wir sind am Puls der Zeit und greifen Trends auf.“ (Pressecompany)
