Uwe Haase ist schon lange im Geschäft. Er war der erste Gewinner des Wettbewerbs zum Immobilienverwalter des Jahres und hat viel Erfahrung im Bereich der energetischen Sanierung. Der Immobilienverwalter hat mit ihm über Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) gesprochen.
Was können aus Ihrer Sicht Anlässe sein für eine energetische Sanierung?
Wenn eine einfache Fassaden- oder Fenstersanierung am Gebäude ansteht, macht es Sinn, über eine weitergehende energetische Sanierung Informationen einzuholen und der Eigentümergemeinschaft eine derartige Maßnahme vorzuschlagen.

Uwe Haase und eine Mitarbeiterin besprechen den detaillierten Bauzeitenplan.
Welche Maßnahmen sind am wirksamsten, um die Nebenkosten, zum Beispiel für die Heizung, zu reduzieren?
Hier würde ich die Prioritäten zunächst einmal auf die optimale Einstellung der Heizungsanlage legen. In der Folge wären dann bauliche Maßnahmen wie Fenstererneuerung oder zusätzlicher Wärmeschutz zu prüfen.
Welche Rolle spielt hierbei eine Fassadendämmung per Wärmedämm-Verbundsystem?
Die energetische Modernisierung mit einem Wärmedämm-Verbundsystem ist meiner Meinung nach immer dann besonders interessant, wenn als Sowieso-Maßnahme eine Fassadeninstandsetzung fällig wäre.
Wo und wie informiert man sich als Hausverwalter am bestem zum Thema energetische Sanierung?
Ein grundsätzliches Planungsgespräch mit einem kompetenten Fachingenieur und auch das Recherchieren von Informationen direkt bei den Herstellern sind sicher die sinnvollsten Schritte. Zudem finden wir in Fachzeitschriften nützliche Informationen.
Wenn ein WDVS zum Einsatz kommt – nach welchen Kriterien sollten der Systemhersteller und der ausführende Fachbetrieb für die Maßnahme ausgewählt werden?
Hier lege ich persönlich großen Wert darauf, sowohl das System als auch den Fachbetrieb, der diese Maßnahme durchführt, auf Referenzen zu prüfen. Es sollten Fachfirmen und Systemhersteller berücksichtigt werden, die auf eine langjährige Praxis zurückgreifen können. Insbesondere erscheint mir wichtig, dass der Systemhersteller das komplette System anbietet und dass eine Kommunikation und Kooperation zwischen Systemhersteller und Fachbetrieb stattfindet.
Ist eine Zusammenarbeit mit einem Architekten sinnvoll, oder kann man darauf verzichten?
Ich würde auf jeden Fall mit einem Fachmann zusammenarbeiten. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch der Architekt oder Fachingenieur langjährige Erfahrungen bei der Umsetzung solcher Projekte hat. Nicht alle Architekten beziehungsweise Fachingenieure verfügen über eine entsprechende Erfahrung mit derartigen Renovierungs- oder Sanierungsmaßnahmen.
Lassen sich Kosten sparen, wenn man Teile des WDVS aus unterschiedlichen Quellen bezieht und vor Ort montieren lässt?
Meiner Meinung nach lassen sich dadurch keine Kosten sparen. Wir legen immer großen Wert darauf, komplette Systeme von einem Hersteller montieren zu lassen. Das gewährleistet die größtmögliche technische Sicherheit.
Welche Fördermaßnahmen haben Sie bei energetischen Sanierungsmaßnahmen genutzt?
Die von der Bundesregierung über die KfW angebotenen Fördermaßnahmen sollten auf jeden Fall in Anspruch genommen werden. Wobei erfreulich ist, dass die Zulassungsvoraussetzungen für Wohnungseigentümergemeinschaften deutlich vereinfacht wurden. Man muss abwarten, welche Punkte die Bundesregierung im geplanten Energiekonzept noch verwirklicht.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um an Fördergelder heranzukommen?
Wie bereits vorher erwähnt sind die Zulassungsvoraussetzungen für Eigentümergemeinschaften deutlich verbessert worden. Eigentlich kann jede Eigentümergemeinschaft bei einer derartigen energetischen Sanierung Zuschüsse oder Kredite erhalten.
Welche behördlichen Genehmigungen sind zu beachten, wenn ein WDVS angebracht wird?
Das lässt sich nicht generell sagen, es hängt vom jeweiligen Bundesland ab.
Das Anbringen eines WDVS kann je nach Landesbauordnung genehmigungspflichtig sein. Ein weiterer Bereich sind beispielsweise Brandschutzbestimmungen. Im Übrigen wäre diese Frage vom Fachingenieur zu prüfen, da meiner Kenntnis nach bei größeren Putzreparaturen oder Instandsetzungen durch die geltende Energieeinsparverordnung Auflagen bestehen, ab einer bestimmten Flächengröße ein WDVS zu verwenden.
Wie bezieht man Wohnungseigentümer und Mieter am besten in die geplante Modernisierungsmaßnahme ein?
Wir führen bei größeren Modernisierungsmaßnahmen regelmäßig am Objekt sogenannte Jour-fixe-Termine durch, bei denen sich Eigentümer oder Mieter über den Modernisierungsablauf informieren können. Darüber hinaus werden selbstverständlich alle Eigentümer und Mieter vor einer derartigen Maßnahme schriftlich über den Bauablauf informiert. Auch in Form eines detaillierten Bauzeitenplans können Eigentümer und Mieter den Bauverlauf verfolgen. Wir beziehen sie grundsätzlich in die Gestaltung der Außenfassade mit ein, indem entsprechende Farbgestaltungsvorschläge gemeinsam mit den Wohnungseigentümern ausgesucht und beschlossen werden.
Wie lassen sich die Investitionskosten für die energetische Sanierung auf die Eigentümer und Mieter umlegen?
Hier laufen Überlegungen, meiner Kenntnis nach über den Dachverband deutscher Immobilienverwalter, eine Verbesserung der Umlagefähigkeit bei energetischen Sanierungen insbesondere auf die Mieter zu erreichen. Im Energiekonzept der Bundesregierung wird dieses Thema ja ebenfalls angesprochen. Die Eigentümer können die Investitionskosten im Rahmen ihrer Steuererklärung entsprechend geltend machen. Hierzu ist ein Ausweis in der Jahresabrechnung durch den Verwalter notwendig.
Wie begegnen Sie dem Einwand von Wohnungsverwaltern, eine energetische Sanierung rechne sich nicht?
Hier sollte vor Durchführung der Maßnahme gemeinsam mit dem Fachingenieur eine sogenannte Wirtschaftlichkeitsberechnung stattfinden. Dabei können die Kosten einer normalen Sanierung den Kosten einer energetischen Sanierung gegenübergestellt werden, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass langfristig eine deutliche Heizkosteneinsparung stattfindet und sich das Wohnklima hierdurch deutlich verbessern lässt. Das Hauptargument muss sicher geprüft werden, indem eine mögliche Amortisation rechnerisch dargestellt ist.
Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Einsatz und der Wirksamkeit von WDVS?
Unsere bisherigen Erfahrungen beim Einsatz von WDVS sind sehr gut. Wir konnten in vielen Wohnanlagen eine Heizkosteneinsparung von teilweise über 20 Prozent erreichen. Auch konnten in der Folge von Wärmedämmmaßnahmen Heizungsanlagenkapazitäten deutlich reduziert werden, was ebenfalls zu geringeren Investitionskosten geführt hat.
Interview: Jörg Bleyhl
