Vom 8. bis 10. Juni findet in München mit der Intersolar Europe die weltweit größte Fachmesse der Solarwirtschaft statt. Mit den ehrgeizigen Klimaplänen der Bundesregierung erhält die Sonnenenergie weitere Bedeutung. Gleichzeitig haben die Kürzung der Fördergelder und Ertragsentgelte für Fotovoltaikanlagen den Markt stark verunsichert. Das Modernisierungs-Magazin hat Markus Elsässer, den Geschäftsführer des Messe-Mitveranstalters Solar Promotion, gefragt, wie sich die Intersolar dieses Jahr aufstellt.
Herr Elsässer, die Intersolar Europe ist die weltgrößte Fachmesse der Solarwirtschaft. Findet sie auch im Land der innovativsten Hersteller von Solarsystemen statt?
Markus Elsässer: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat in Deutschland dazu geführt, dass wir mit der Solarbranche nicht nur bei den installierten Anlagen an der Weltspitze liegen, sondern auch in vielen anderen Bereichen der Wertschöpfungskette. Deutschland ist beispielsweise auch bei den Herstellern
von Fotovoltaik-Produktionsmaschinen weltweit führend und erzielt damit einen Jahressumsatz von rund 2 Milliarden Euro. Auch im Bereich der Wechselrichter kommt der Weltmarktführer aus Deutschland, und nicht zuletzt in der Forschung ist Deutschland gut aufgestellt. Mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (FSI) in Freiburg verfügen wir über das größte europäische Forschungsinstitut für Solartechnik. Natürlich existiert inzwischen ein globaler Wettbewerb, der in manchen Bereichen dazu geführt hat, dass speziell asiatische Zell- und Modulhersteller auf den attraktiven deutschen Markt drängen. Aber durch seine breite, qualitativ hochwertige Aufstellung ist Deutschland ein sehr guter Solarstandort.
Wenn man einen Blick auf die Besucherzahlen der letzten Jahre wirft, zeigt sich, dass München wohl der richtige Standort für die Intersolar Europe ist. Welches Besucherpotenzial prognostizieren Sie für die bevorstehende Messe?
Elsässer: Im Jahr 2008 haben wir die Messe erfolgreich von Freiburg nach München verlagert. Das hatte mehrere Gründe: Zum einen wurden im Süden Deutschlands bisher die meisten Solaranlagen installiert, Bayern und Baden-Württemberg liegen im nationalen Vergleich weit vorne. Zum anderen verfügt München über einen internationalen Großflughafen. Wir freuen uns mittlerweile auch über einen sehr großen internationalen Aussteller- und Besucheranteil. Seitdem wir in München sind, erzielen wir Wachstumsraten, die dazu führen, dass wir in diesem Jahr über 2000 Aussteller begrüßen können und mit 165.000 Quadratemetern Ausstellungsfläche fast das ganze Messegelände belegen. Wir erwarten über 80.000 Besucher.
Die Zahl der Besucher ist die eine Seite der Betrachtung. Wie zufrieden sind Sie mit der Qualität der Gäste?
Elsässer: Der Fachbesucheranteil liegt bei 96 Prozent, darunter fallen Hersteller, Großhändler, Installateure, Planer, Energieberater, Architekten und andere Angehörige der Branche.
Wo liegt der thematische Schwerpunkt auf der Intersolar Europe 2011?
Elsässer: Die Intersolar Europe thematisiert in diesem Jahr besonders, wie der dynamisch wachsende Anteil des Solarstroms im deutschen Stromnetz eingebunden werden kann, welche technischen Möglichkeiten es in Zukunft geben wird und wie hoch der jährliche Ausbau der erneuerbaren Energien insgesamt sein kann, ohne technische und wirtschaftliche Probleme zu verursachen. Da geht es zum Beispiel um effektive Speichermethoden für den fluktuierenden Strom aus erneuerbaren Energien. Auch die Frage, welchen Beitrag die Fotovoltaik in zehn, 20, vielleicht in 50 Jahren leisten kann, wird ein großes Schwerpunktthema sein. Das sind zum einen technische, zum anderen aber auch politische Fragestellungen. Wir werden zu diesen Themenfeldern die Sonderschau PV Energy World veranstalten.
Parallel zur Intersolar Europe findet vom 6. bis zum 10. Juni direkt bei der Messe München die „Intersolar Europe Conference“ statt. Welche Themen stehen hier im Vordergrund?
Elsässer: Bei unserer Konferenz werden alle Themen behandelt, die auch in der Messe gezeigt werden: Das beginnt beim Spektrum der Fotovoltaiktechnologien, führt über die Marktentwicklungen und politischen Rahmenbedingungen und endet beim Bereich der Solarwärme. Hierbei geht es im Wesentlichen um eine Betrachtung der internationalen Technologieentwicklung und der Märkte. Die Konferenz wird aber auch durch zahlreiche Workshops ergänzt, die beispielsweise für Handwerker oder Planer halbtägige, ganz- oder auch zweitägige Seminare beinhalten.
In welchen Bereichen hat die Intersolar noch Entwicklungspotenzial?
Elsässer: Es gibt zusätzliche Zielgruppen, um die wir uns bemühen: Das ist zum einen die Immobilienwirtschaft sowie der Bereich der Planer und Energieberater. Aber auch das Handwerk ist als Besucherzielgruppe noch ausbaufähig. Zudem sehen wir weiterhin ein großes Potenzial im internationalen Bereich. Die Intersolar ist die weltweit führende Messe der Solarbranche: Es gibt weltweit keine Messe, die das Thema so umfassend abbildet, die über so viel Fläche und Aussteller verfügt wie diese. Nicht zuletzt deswegen ist die Veranstaltung auch für internationales Publikum interessant. Dabei sind es vor allem Kernländer wie Italien, Frankreich oder etwa die Türkei, in denen gesetzliche Rahmenbedingungen herrschen, die die Solarbranche unterstützen.
Lassen Sie uns noch einen Blick in die Zukunft werfen: Mit welcher Entwicklung rechnen Sie im Bezug auf die Besucherzahlen und Aussteller im Jahr 2012?
Elsässer: Durch unsere mittlerweile doch sehr internationale Ausrichtung sind wir nicht mehr ausschließlich von den Förderbedingungen auf dem deutschen Markt abhängig. Wir werben gezielt in Ländern, die über günstige Rahmen- und Förderbedingungen verfügen. Das stimmt uns sehr optimistisch, denn wir können uns gemeinsam mit dem Wachstum des insbesondere europä-ischen, aber auch des gesamten Weltmarkts weiterentwickeln. Wir können uns durchaus vorstellen, im kommenden Jahr das Messegelände in München komplett zu belegen. Dennoch ist es natürlich auch möglich, dass die Intersolar im Zuge der Beruhigung des deutschen Solarmarkts nicht mehr über die Wachstumsraten verfügen kann, wie es der Vergangenheit der Fall war.
Dennoch sind die umweltschonenden Pläne der Bundesregierung, die Kohlendioxidemissionen bis 2050 um 80 Prozent zu senken, weitere Argumente für den Einsatz der Solarenergie.
Elsässer: Natürlich. Zunehmend erfolgen diesbezüglich auch schon EU-weite Regelungen. Es dauert natürlich immer eine Weile, bis derartige Instrumente geschaffen werden und ihre Wirkung entfalten. Dennoch gibt es neben dem EEG auch schon das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Deutschland. Die politische Zielsetzung ist diesbezüglich klar umrissen, und es wird weitere Veränderungen geben. Darum wird sich eine Investition in die Solarenergie weiterhin lohnen. Heutzutage sind die Preise für Solarmodule schließlich auch nicht mehr mit den Werten vergleichbar, die noch vor zehn Jahren aktuell waren: Für den Bau einer 3-Kilowatt-Anlage rechnen wir heute mit Investitionskosten von etwa 10.000 Euro. Damit ist der jährliche Strombedarf von etwa drei Personen gedeckt. Auch Solarwärmeanlagen in ordentlicher Qualität sind mittlerweile bereits für 5000 bis 6000 Euro erhältlich.
Herr Elsässer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Bild: „Die Solarbranche wird auch trotz ausbauabhängiger Kürzungen weiter wachsen können“, ist sich Markus Elsässer sicher.
