Der Einsatz maschineller Lüftungstechnik im Geschosswohnungsbau ist aufgrund energetischer und rechtlicher Vorgaben unabdingbar. Die Rahmenbedingungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 und der DIN 1946 Teil 6 räumen der maschinellen Lüftungstechnik in Wohngebäuden nun endlich den Stellenwert ein, den Fachleute seit Jahren fordern. Allerdings sind die Anforderungen an die Wohnraumlüftung bei einer Sanierung komplexer als im Neubau.
Die erfolgreiche und erfreuliche Tendenz der Fokussierung auf Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung spiegeln auch die kürzlich vom Fachinstitut Gebäude-Klima (FGK) veröffentlichten Marktzahlen wider: Wurden im Jahr 2006 noch 2700 Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung (KWL) abgesetzt, so wird für 2010 mit einer Gesamtabsatzzahl von 42.500 Geräten gerechnet. Mit 160.000 Geräten rechnet man im Jahr 2015. Führte die Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung bis noch vor wenigen Jahren ein Nischendasein, wird sie heute als wichtiger Baustein eines nachhaltigen Bauwerks angesehen. Messeeindrücke zeigen ebenfalls den eindeutigen Trend, dass gerade bei der Endkundschaft übliche Vorurteile gegenüber der Wohnraumlüftung („Krankmacher“, „mangelnde Hygiene“, „akustische Belästigung“) der Vergangenheit angehören.
Gebäudesanierung ist Marktschwerpunkt
Während die allgemeine Wahrnehmung beim Bau von Wohngebäuden sich auf KfW-Effizienzhäuser, Passivhäuser oder gar Plusenergiehäuser konzentriert, so liegt der eigentliche Marktschwerpunkt in der Gebäudesanierung: 80 Prozent aller Wohneinheiten in der Bundesrepublik Deutschland wurden vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung (1977) gebaut. Bei einem Gesamtwohnungsbestand von zirka 38 Millionen Wohneinheiten ergibt dies einen theoretischen Sanierungsbedarf bei 30 Millionen Wohneinheiten. Die Unterschiede in der energetischen Gebäudequalität sind dabei innerhalb des Lands erheblich: Da nach der Wiedervereinigung die damals notwendigen Sanierungen der Wohneinheiten in den Ost-Bundesländern größtenteils auch unter energetischen Gesichtspunkten durchgeführt wurden, liegt die Sanierungsquote dort bei rund 80 Prozent. Die West-Bundesländer hinken dieser Quote zum Teil stark hinterher. Hier liegt der Anteil bei lediglich 40 Prozent, wie eine Studie des Deutschen Mieterbunds vom März 2010 beweist.
Doch gerade der so wichtige Sanierungsmarkt beinhaltet eine besondere Komplexität bei der Integration der Lüftungsanlage in den Baukörper: Während die Bauteile einer Wohnraumlüftung bei einem Neubau größtenteils völlig unkompliziert installiert werden können, gelten diese Prinzipien bei der Sanierung nur bedingt. Gleich mehrere, sich zum Teil widersprechende Gesichtspunkte müssen erfüllt werden. Die Hauptforderungen sind, dass die Kosten sowie die Baunebenkosten (beispielsweise Trockenbau und Malerarbeiten) gering gehalten werden und auch die lichte Raumhöhe möglichst wenig reduziert werden sollte. Die lichte Raumhöhe in der typischen deutschen Nachkriegswohneinheit liegt bei 2,30 bis 2,60 Metern. Eine möglichst geringe Reduzierung dieser lichten Raumhöhe aufgrund der notwendigen Verkleidung des Kanalnetzes einer Lüftungsanlage stellt für den Planer dieser Anlage stets eine besondere Aufgabe dar. Eine weitere Anforderung: Die Installation muss meist in bewohntem Zustand erfolgen, da die wenigsten Sanierungsvorhaben für die geplanten Maßnahmen entmietet werden. Daher muss ein Lüftungssystem ohne signifikante Beeinträchtigungen für den Eigentümer oder Mieter eingebaut werden.
Wirtschaftliche Lösungen
Um gegenüber dem bislang vorherrschenden Lüftungssystem im Wohnungsbau (Abluftanlage nach DIN 18017 Teil 3) konkurrenzfähig zu sein, muss ein Wohnraumlüftungssystem mit Wärmerückgewinnung wirtschaftlich vertretbar sein. Abluftanlagen nach DIN 18017 Teil 3 stellen das Lüftungskonzept im Geschosswohnungsbau bei Neubau und Sanierung auf wohl problemloseste und kostengünstigste Art und Weise sicher. Abhängig davon, ob eine zentrale oder eine dezentrale Systemlösung zum Einsatz kommt, liegen die Investitionskosten, spezifiziert auf die Wohneinheit, bei zirka 1000 bis 1700 Euro. Sämtliche anlagennotwendige Bestandteile wie Ventilatoren, Außenluftnachström- und Überströmöffnungen sowie Brandschutz-Absperrvorrichtungen (zum Beispiel Deckenschotts), das Kanalnetz und die Montage sind in dieser Investitionskostenbetrachtung enthalten. Ein sinnbehafteter Return on Invest ist daher nur möglich, wenn die kompletten Installationskosten für ein KWL-System bei maximal 4000 bis 5000 Euro pro Wohneinheit liegen.
Alternative für die Sanierung
Die Integration des Lüftungsgeräts mit Wärmerückgewinnung in eine Wohnung stellt in den seltensten Fällen das eigentliche Problem dar. Meistens wird das Gerät in einen untergeordneten Raum, zum Beispiel in der Küche oder im Bad, aufgehängt. Die größte Herausforderung dabei: das notwendige Kanalnetz in die Wohneinheit einzubinden. In der Vergangenheit war die notwendige Luftverteilung nur über konventionelle Bauteile (Lüftungsrohre und Kanäle) möglich. Unabhängig vom Komponentenmaterial (Stahlblech oder Kunststoff) ist eine Verkleidung, Abhängung beziehungsweise Verkofferung unumgänglich. Bei der Entwicklung des neuen Luftverteilsystems Reno-Pipe von Helios wurde den speziellen Anforderungen der energetischen Gebäudesanierung Rechnung getragen: Der aus hochverdichtetem EPS bestehende Luftkanal mit einem Innendurchmesser von 100 Millimetern beinhaltet Kanal und Verkleidung in nur einer Komponente. Somit ist eine nachträgliche Verkleidung überflüssig. Der Luftkanal lässt sich nach Montage ohne Vorbehandlung überstreichen und fügt sich somit fast „unsichtbar“ in die Wohneinheit ein. Eine weitere wichtige Komponente des Systems ist der Kombiverteiler. Die nach DIN 1946 Teil 6 definierten Ablufträume liegen im Bestandwohnungsbau in der Regel direkt nebeneinander. Aufgrund der Verbindung von Zuluftverteilung, direkter Abluftfassung, Zu- und Abluftschalldämpfung in nur einer Komponente kann auf das Abluftkanalnetz völlig verzichtet werden. Hierzu muss der Kombiverteiler in einem der Ablufträume direkt an der Wand zum anliegenden Abluftraum installiert werden. Die entsprechenden Ablufttellerventile werden dann ohne Kanalnetz direkt in den Verteiler gesteckt. Letztlich muss nur noch die Zuluftverteilung erfolgen. Dank des reduzierten Materialeinsatzes bleiben die beiden wichtigen Faktoren Zeit und Investitionskosten überschaubar. Bereits erfolgte Installationen zeigen, dass eine Komplettinstallation von Lüftungsgerät und Luftverteilsystem – selbst in bewohntem Zustand – innerhalb eines Tages durchzuführen ist. Der Kanal wird unverklebt mithilfe einer Befestigungsklammer mit einer Schraube an der Decke oder Wand befestigt. Der Kanal weist auf der Rückseite Freiflächen auf, sodass auch Besonderheiten bei Altbauten, wie schiefe Wände oder Decken, berücksichtigt werden können. Aufgrund der minimierten Auflagepunkte können Unebenheiten ausgeglichen werden. Die Luftaustragung und Ansaugung erfolgt über Lüftungsventile. Notwendige Kanalschnitte und Ausschnitte für die Befestigungsklammer können mithilfe der Schneidehilfe passgenau durchgeführt werden.
System reduziert Nebenkosten
Eine der Hauptintentionen zum Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist, die Heizlast deutlich zu reduzieren. Gerade im Vermietungsmarkt ist dies ein immer häufiger zu findendes Argument, denn die Höhe der Mietnebenkosten sind in Zeiten von Leerständen und Mietermärkten ein nicht von der Hand zu weisendes Kriterium. Der Hauptanteil bei den Nebenkosten entfällt auf die Heiztechnik und Warmwasserbereitung mit spezifischen Kosten von durchschnittlich 0,90 Euro pro Quadratmeter. Die Minimierung der Gebäudeheizlast lässt sich mit keiner haustechnischen oder bauphysikalischen Lösung so preiswert erreichen wie mit Lüftungssystemen mit Wärmerückgewinnung.
Diplom-Ingenieur (FH)
Markus Best
Helios Ventilatoren
Bild: Das Innenleben eines KWL-Lüftungsgeräts (Helios)

