Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen

Schutz des Ökosystems und der Umwelt Priorität

nachhaltiges BauenAuf Betreiben von Investoren, Architekten, Ingenieuren, der Bauwirtschaft sowie Wissenschaftlern ist im Juni 2007 die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) in Stuttgart gegründet worden. Das internationale Immobilienunternehmen Hines gehört zu den Initiatoren und Unternehmen der ersten Stunde der neu gegründeten Gesellschaft.

Beate Reinartz, Senior-Construction-Managerin bei Hines, beobachtet seit Jahren die Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt: „Die Amerikaner verfügen seit einiger Zeit über Zertifizierungskriterien für Immobilien und vergeben jährlich Preise an Immobilien, die unter Aspekten der Nachhaltigkeit entwickelt wurden. Wenn ich die Standards in Deutschland mit denen in den USA vergleiche, muss ich feststellen, dass wir von einem immens hohen Ausgangslevel starten und auch in der Vergangenheit bereits sehr umweltbewusst gearbeitet haben. Das heißt unsere Kompetenz in Sachen Umweltschutz ist im internationalen Vergleich sehr hoch, und ich bin der Meinung, dass wir diese Stärke auch nutzen und im Rahmen einer solchen Zertifizierung zukünftig dokumentieren müssen.“ Projektentwickler und Investor Hines setzt sich deshalb als Gründungsmitglied der DGNB für Nachhaltigkeit und Umweltschutz am Bau ein.

Unternehmen tragen Verantwortung
Für den Projektentwickler haben der Schutz des Ökosystems und der Umwelt Priorität. „Wir wollen nicht nur ein exklusives und den hohen Ansprüchen der Mieter entsprechendes Gebäude errichten, sondern auch alle Faktoren berücksichtigen, die Auswirkungen auf unsere Umwelt haben und einen Eingriff in den Naturhaushalt darstellen“, so Beate Reinartz. Hines zählt in den USA seit fast zwei Jahrzehnten zu den Immobilienunternehmen, die sich aktiv für den Umweltschutz einsetzten. Als aktives Mitglied des U.S. Green Building Council und erstes Immobilienunternehmen, das mit dem Energy Star Sustained Excellence Award in den USA ausgezeichnet wurde, trägt das Unternehmen eine hohe Verantwortung als Pionier des grünen Bauens.

Beauftragt für Nachhaltigkeit
„Viele Investoren müssen beim Kauf von Immobilien Aspekte der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes zugrunde legen und beschäftigen mittlerweile dafür speziell ausgebildete Nachhaltigkeitsbeauftragte. Wenn wir heute am Markt konkurrenzfähig sein und den Ansprüchen von Investoren gerecht werden wollen, müssen wir uns seriös mit den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Energie auseinandersetzen“, so Hines-Project-Managerin Birte Lindgens. Hines hatte in den Jahren 2001 bis 2005 das bislang spektakulärste Gebäudeensemble Münchens, Uptown München, gebaut. Das Hochhaus sowie die vier dazugehörigen Campusgebäude sind mittlerweile an Investoren verkauft, die bei ihrer Kaufentscheidung nicht nur die Lage, die Ausstattung und den Vermietungsstand berücksichtigt hatten, sondern ebenso Umweltaspekte und Nachhaltigkeit als Kaufkriterien zugrunde legten. Derzeit entwickelt Hines für die AMB Generali Immobilien GmbH das Karolinen Karree in der Münchner Innenstadt (wir berichteten in MM 11/07).

Strenge Kriterien
Bereits im nächsten Jahr will die DGNB ein Qualitätszeichen für besonders umweltfreundliche, gesunde, ressourcensparende und wirtschaftlich effiziente Gebäude vergeben. Das Zertifikat soll die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien sowohl gegenüber Eigentümern als auch Nutzern von Gebäuden ausweisen. Doch nicht nur sie können davon profitieren, sondern vor allem die deutsche beziehungsweise europäische Bauwirtschaft, deren Umweltkompetenz im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Diese Stärke soll mit dem neuen Qualitätszeichen gewürdigt und wirtschaftlich gefördert werden. Im Mittelpunkt des Zertifizierungssystems, das auf deutschen Umweltstandards und Umweltzielen basiert, stehen fünf übergeordnete Schutzziele: Ressourcenschutz, die Erhaltung der natürlichen Umwelt, Sicherung und Erhalt von Werten, Gesundheit und Behaglichkeit von Gebäudenutzern sowie eine Verbesserung des Umfelds und Schutz der öffentlichen Güter. Das neue Instrument zur Gebäudebewertung wird im Rahmen der internationalen Regeln für Zertifizierungssysteme entwickelt und steht unter dem Motto von Transparenz und Praxisorientierung. Zu den zentralen Informationsgrundlagen gehören Qualitäts- und Gütezertifizierungen für Bauprodukte sowie Umweltdeklarationen auf Basis der internationalen Norm ISO 14025 (EPD). Die Bewertung basiert auf einer Lebenszyklusperspektive für das gesamte Gebäude als wichtigem Grundprinzip effizienten nachhaltigen Bauens.

Umweltkatalog für Gewerbeimmobilien
Planungsbegleitend, das heißt noch vor Beginn der Bauarbeiten, werden vom Investor, dem Projektentwickler und der Gesellschaft für Ökologische Bautechnik Berlin mbH (GFÖB) ein Katalog mit Zielen zum Umweltschutz und Nachhaltigkeit eines Neubaus festgelegt. Hierbei stehen der Schutz des Ökosystems und der natürlichen Umwelt, der Schutz der Gesundheit – Hygiene, Behaglichkeit und Sicherheit – sowie die Sicherung und Erhaltung von Kapital und Werten an erster Stelle. In regelmäßigen Abständen erfolgen dann Kontrollen durch die GFÖB, um die Einhaltung aller im Umweltkatalog definierten Ziele zu gewährleisten.

Zertifizierung bedeutet Disziplin
Für die Projektentwickler steht fest, dass sich ökologisches Bauen, ein 1a-Standort und hochwertige Qualität nicht ausschließen. „Allerdings, Zertifizierung ist mit Disziplinierung gleichzusetzen“, so Beate Reinartz. „Wir unterliegen hohen Anforderungen, ständigen externen Kontrollen und müssen uns auch laufend selbst überprüfen.“ Während einer Bauphase arbeiteten alle Planer und ausführenden Betriebe eng zusammen, um alle Anforderungen an nachhaltiges und umweltbewusstes Bauen zu erfüllen.
www.dgnb.de

red
Bild: Uptown München, ein Hines-Projekt: Das Hochhaus sowie die vier dazugehörigen Campusgebäude sind mittlerweile an Investoren verkauft, die bei ihrer Kaufentscheidung nicht nur die Lage, die Ausstattung und den Vermietungsstand berücksichtigt hatten, sondern ebenso Umweltaspekte und Nachhaltigkeit als Kaufkriterien zugrunde legten.


Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V.
Um nachhaltiges Bauen voranzubringen und vor allem direkt umsetzbar zu machen, haben Architekten, Inge­nieure, Wissenschaftler, Industrieunternehmen, Berater und Investoren im Juni 2007 die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen gegründet. Mehr als  60 wissenschaftliche und öffentliche Institutionen und Firmen der deutschen Immobilienwirtschaft haben sich mit einer gemeinsamen Vision zusammengeschlossen: „Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen wird die führende Organisation in Deutschland, deren Mitglieder das Nachhaltige Bauen und Betreiben von Bauwerken wesentlich vorantreiben und Lebensräume zukunftsfähig gestalten.“ Die Gesellschaft wird für alle Arbeitsphasen im Lebensweg eines Gebäudes – von der Planung über die Ausführung und Nutzung bis hin zu Rückbau und Entsorgung – Wege aufzeigen, die die Ziele des nachhaltigen Bauens unterstützen.