Zum zweiten Mal macht der Deutsche Verwaltertag bei seiner 18. Auflage Station in der fränkischen Metropole Nürnberg. Die Wohlfühlstadt zwischen Mittelalter und Moderne hat dem Besucher einiges zu bieten.
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Nürnberg wurde in der Studie Worldwide Quality of Living Survey des Beratungsunternehmen Mercer zum wiederholten Mal als eine der 25 Städte mit der besten Lebensqualität weltweit bewertet. Im Umwelt-Ranking schnitt Nürnberg sogar als beste deutsche Stadt auf Platz 13 ab. Die 500.000 Einwohner zählende Stadt im Zeichen der Burg wird jedes Jahr von Millionen Touristen aus aller Welt bestaunt.
Der Grund liegt auf der Hand: Die Frankenmetropole ist gelebte Geschichte, aber nicht verstaubt. Innerhalb der Stadtmauer gibt es zahlreiche zum Teil mittelalterliche und frühneuzeitliche Bauwerke von großem kunst- und kulturhistorischem Wert. Deshalb hat die Stadt die sogenannte Historische Meile geschaffen, einen kulturhistorischen Stadtrundgang, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nürnbergs mittelalterlicher Altstadt erschließt. Obwohl die Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg zu mehr als 90 Prozent zerstört war, wurden die wichtigsten historischen Bauwerke wieder liebevoll restauriert. Auch die Bombenschäden an der Nürnberger Stadtmauer, die die längste noch erhaltene Mauer Mitteleuropas ist, wurden beseitigt. Und so erschließt sich dem Besucher heute eine stimmungsvolle mittelalterliche Kulisse, gefüllt mit modernem Leben.
Europäische Metropolregion Nürnberg
Als traditioneller Industriestandort ist Nürnberg vom Strukturwandel besonders stark betroffen. Die Arbeitslosenquote liegt im Bundesdurchschnitt, ist aber immer noch deutlich höher als im bayerischen Durchschnitt. Seit Mitte der 90er-Jahre versucht die Stadt, sich stärker zu einem Dienstleistungsstandort zu wandeln. Heute wirbt die Frankenmetropole mit Standortkompetenzen in den Bereichen Information und Kommunikation, Energie und Leistungselektronik sowie Verkehr und Logistik. Nürnberg ist noch vor Hamburg der bedeutendste Druckstandort Deutschlands. Im Bereich der Marktforschung ist Nürnberg ebenfalls führend: Jeder dritte deutsche Marktforscher arbeitet hier. Die Region wird von der EU als Gateway-Region zu den neuen EU-Mitgliedsstaaten definiert. Im Juli 2000 wurde das Europa-Büro der Stadt Shenzhen in Nürnberg eröffnet. In der europäischen Metropolregion Nürnberg leben etwa 3,5 Millionen Menschen.
Mehr als ein Hauch von Geschichte
Im heutigen Nürnberg begegnet man immer wieder den Zeugen der über 950-jährigen Geschichte. In der Sigena-Urkunde von 1050, ausgestellt von Kaiser Heinrich III., wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Der mächtig aufragende Nürnberger Burgfelsen eignete sich glänzend für die Errichtung einer Königsburg als militärischen Stützpunkt. Die Burg ging der Stadt voraus, und weder die Geschichte noch die städtebauliche Erscheinung Nürnbergs ist ohne Burg denkbar. Alle anerkannten deutschen Kaiser und Könige eines halben Jahrtausends (von 1050 bis 1571) waren auf der Burg zu Gast. 1356 erließ Kaiser Karl IV. in Nürnberg das Reichsgrundgesetz, die sogenannte „Goldene Bulle“. Seitdem musste jeder neu gewählte Kaiser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten. Daran erinnert noch heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten in der Nürnberger Altstadt, das täglich Punkt 12 Uhr mittags stattfindende „Männleinlaufen“ an der Frauenkirche auf dem Hauptmarkt. Die astronomische Kunstuhr am Westchor der Kirche wurde im Jahre 1509 von dem Nürnberger Meister Jörg Heuß angefertigt, während Sebastian Lindenast die Figuren in Kupfer trieb. Das Werk stellt die Huldigung der sieben Kurfürsten (der Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, des Königs von Böhmen, des Pfalzgrafen von Rhein, des Herzogs von Sachsen und des Markgrafen von Brandenburg) vor Kaiser Karl IV. dar.
Die Jahre zwischen 1470 und 1530 gelten als Blütezeit der Stadt – trotz immer wiederkehrender Fehden und Konflikte mit Rittern wie dem berühmten Götz von Berlichingen. Der Reichtum der Stadt gründete sich auf das ausgezeichnete Handwerk und die günstige Lage als Handelsplatz in der Mitte Europas. In dieser Zeit zählte Nürnberg zusammen mit Köln und Prag zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reichs. Der Reichtum der Nürnberger Patrizier bewirkte ein reges Kunst-, Kultur- und Geistesleben. Der Dreißigjährige Krieg beutelte dann wie so viele Städte Mitteleuropas auch Nürnberg. 1806 verlor dann die Stadt ihren Status als freie Reichsstadt und wurde dem Königreich Bayern zugeordnet.
Nicht zuletzt wegen seiner geschichtsträchtigen Kulisse hatten die Nationalsozialisten Nürnberg als Stadt der Reichsparteitage zu einem der wichtigsten Orte nationalsozialistischer Propaganda erkoren. Um sich gut in Szene zu setzen, hat das Regime eigens ein gigantisches Aufmarschfeld geschaffen. Das Reichsparteitagsgelände samt Museum legt ein imposant-bedrückendes Zeugnis dieser Zeit ab. Und so war es auch kein Zufall, dass nach dem Ende der Nazizeit in den sogenannten Nürnberger Prozessen die Täter abgeurteilt wurden.
Zu den bekannten Nürnberger Künstlern, Dichtern und Denkern zählten Albrecht Dürer, Veit Stoß, Adam Kraft, Peter Vischer, Willibald Pirckheimer, Georg Philipp Harsdörffer, Anton Koberger und Hans Sachs. In Nürnberg erfand Peter Henlein die Taschenuhr, Martin Behaim den Globus, und hier entstand die Schedelsche Weltchronik. Auch die erste deutsche Eisenbahn fuhr von hier aus nach Fürth. Noch heute zeugen zahlreiche Bauten, Denkmäler und Kunstwerke von der einstigen Bedeutung der Stadt.
om
Bild: Abends entfaltet der Handwerkerhof seinen besonderen Charme. (Tourismus Nürnberg)

