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Leerstandskonferenz bringt neue Ideen für alte Häuser

"Mehr Dorf für immer weniger Menschen"

Informationsoffensive gegen ein Negativ- und Tabuthema: Auf der Konferenz "Leerstände im Dorf" haben Experten zusammen mit Bürgern über neue Ideen für alte Häuser und die Zukunft der Dörfer in Südwestfalen diskutiert. In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer in Siegen einig: Aktive Dorfgemeinschaften sind ein Schlüssel, um den einsetzenden Leerständen entgegenzuwirken.

Leerstandskonferenz bringt neue Ideen für alte Häuser Mehr Dorf für immer weniger Menschen
In Dörfern breitet sich durch den demografischen Wandel Leerstand aus. Dagegen formiert sich in Nordrhein-Westfalen eine Initiative. (Pixelio, Rayn)

In den neuen Bundesländern sind Leerstände längst Realität. Es gibt Gemeinden, in denen mehr als 20 Prozent der Gebäude nicht mehr genutzt werden. In Südwestfalen ist die Lage zwar noch nicht ganz so dramatisch, aktuelle Prognosen zeichnen aber gerade für die Dörfer der Region ein düsteres Bild: Starke und kontinuierliche Bevölkerungsverluste bis zum Jahr 2030, eine deutlich ältere Gesellschaft und immer mehr Immobilien, die leer stehen und verfallen. „Es ist deshalb entscheidend, dass möglichst viele Menschen dieses Thema mitbekommen und erkennen, dass hier etwas passieren muss“, bekennt Dirk Glaser, Geschäftsführer der Südwestfalen-Agentur. 300 Teilnehmer, viele von ihnen aus Dörfern, sind der Einladung der Universität Siegen, Fachbereich Architektur und Städtebau, und der Südwestfalen-Agentur gefolgt.

Erfolgsrezept aus Illingen

Mit der Ausrichtung der Konferenz haben die Veranstalter bereits ein entscheidendes Ziel erreicht: offensiv über das Leerstandsproblem zu informieren. „Leerstände sind gerade für Politiker ein Negativthema, über das man nicht gerne spricht“, erklärt Referent Armin König. Der Bürgermeister der Gemeinde Illingen im Saarland weiß, wovon er spricht: In seiner Gemeinde kämpft er zusammen mit den Bürgern seit einigen Jahren gegen Leerstände – mit Erfolg. „Mehr Dorf für weniger Menschen“: Mit dieser Devise konnte die Zahl der leer stehenden Gebäude in den vergangenen Jahren immerhin von 105 auf 28 verringert werden – vor allem durch konsequente Umnutzung und Abrisse. Neubauflächen werden in Illingen auch nur noch in Sonderfällen genehmigt. „Dort, wo Innenstädte ausbluten, müsste die Ausweisung von Neubaugebieten eigentlich verboten werden“, fordert König. Für Matthias Günther vom Eduard-Pestel-Institut Hannover wird zudem das Thema Gebäudeabrisse in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen: „Derzeit reißen wir eindeutig zu wenig Häuser ab.“

Erster Schritt: Bestandsanalyse

Ein dörferübergreifendes Patentrezept beim Umgang mit Leerständen gibt es nicht. Das Beispiel Illingen lässt sich nicht einfach auf Südwestfalen übertragen. „Vielmehr muss für jeden Ort eine individuelle Lösung gesucht werden“, betont Hildegard Schröteler-von Brandt von der Universität Siegen. Wichtig sei zunächst, dass Kommunen eine kontinuierliche Bestandsanalyse durchführten: Welche Häuser stehen leer, und in welchem Zustand befinden sie sich? Wo können künftig Probleme entstehen, da die Nachnutzung nicht gesichert ist? Die Ergebnisse sollen dann in die Gesamtstrategie der kommunalen Flächennutzung eingebettet werden.

Bürger bei Lösung einbeziehen

Zahlreiche Lösungsmöglichkeiten und Ideen für die Leerstandsproblematik wurden auf der Siegener Konferenz vorgestellt: Prämienmodelle für den Kauf alter Häuser oder für deren Abriss, Kunst und Kultur als Möglichkeit der Zwischennutzung, Gemeinschaftskäufe durch Bürger. Egal, wie man das Problem jedoch angehe, entscheidend sei die Einbeziehung der Dorfgemeinschaften, erklärt Stephanie Arens, Projektleiterin für ländliche Entwicklung bei der Südwestfalen-Agentur.  „Nur mit ihrer Hilfe können Probleme gelöst werden. Wenn Bürgerinnen und Bürger sich für ihren Ort einsetzen, wird das Dorf attraktiv und lebenswert – für junge und alte Bewohner als auch für Menschen von außerhalb“, unterstreicht Arens.

Leerstands-Offensive 2011

Lösungsmöglichkeiten diskutieren, Menschen zusammenbringen, den Ideenaustausch fördern – die Konferenz war ein erster Schritt, das Thema Leerstände im ländlichen Raum in Südwestfalen stärker in das Bewusstsein zu rufen. Im Zuge der Regionale 2013 soll dies im Jahr 2011 mit einer Leerstandsoffensive weiter verstärkt werden. Projekte wie „10 mal Land, Leben, Heimat“, „Mobil 4 you“ oder „Meine Heimat 2020“ zielen unter anderem darauf ab, die Rahmenbedingungen in Dörfern wie die Nahversorgung oder den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern und ein gemeinschaftliches Vorgehen der Dörfer in Südwestfalen zu unterstützen.
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