Voraussetzung für die brandschutzgerechte Planung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) mit Dämmstoffen aus Polystyrol-Hartschaum größerer Dicke ist die Montage von Brandüberschlagsstreifen über alle Gebäudeöffnungen. Eine wirtschaftliche, systemsichere und besonders für die Sanierung großer Wohngebäude interessante baukonstruktive Alternative sehen Experten in horizontal umlaufenden Brandriegeln.
Zahlreiche mehrgeschossige Wohngebäude in Deutschland sind in die Jahre gekommen. Neben dem notwendigen Instandhaltungsaufwand besteht in der Regel ein erheblicher Modernisierungsbedarf in energetischer Hinsicht. Im Blickpunkt stehen für die Wohnungswirtschaft neben der Heizungstechnik insbesondere die Fassaden. Steht eine Wärmedämmung der Gebäudehülle nach neuesten technischen Standards an, müssen für die jeweiligen Gebäudetypen passende und nachhaltige Sanierungskonzepte mit hochwertigen WDVS entwickelt werden. Auch in punkto Brandschutz lohnt sich eine genaue Betrachtung aller Details. Bei den verantwortlichen Planern und Lieferanten sollten sich Wohnungsunternehmen deshalb über die alternativen Möglichkeiten der brandschutzgerechten Planung und Ausführung von WDVS informieren. Je nach Gebäudetypus kann auch beim Brandschutz die Wahl der optimalen Lösung den Investitionsbedarf spürbar beeinflussen.
Klassischer Sturzschutz oder horizontal umlaufender Brandriegel
WDVS mit Dämmstoffen aus Polystyrol-Hartschaum werden gemäß der gültigen Landesbauordnung als schwer entflammbare Fassadenbekleidungen eingesetzt und können danach bis zur zulässigen Grenze – zumeist der Hochhausgrenze – eingesetzt werden. Voraussetzung fürdie brandschutzgerechte Ausführung bei Dämmplattendicken über 100 Millimeter ist die Montage von Mineralwollestreifen der Brandklasse A1 oder As, s1,d0 (nichtbrennbar) oberhalb sämtlicher Fenster- und Türöffnungen. Die Verarbeitung dieses klassischen Sturzschutzes aus mindestens 200 Millimeter hohen Brandüberschlagsstreifen ist allerdings häufig mit zusatzlichem Aufwand verbunden, weil sich dort Jalousien, Rollladenkästen und Vordächer befinden. Hinzu kommt die größere Beeinträchtigung der Mieter während der Sanierung, wenn im Bereich von Fenstern und Türen umfangreiche Arbeiten ausgeführt werden müssen. Eine sinnvolle und wirtschaftliche Alternative zu den bewährten Brandüberschlagsstreifen direkt über den Gebäudeöffnungen kann der umlaufende Brandriegel sein. Wie der klassische Sturzschutz verhindert auch der Brandriegel eine fortschreitende, geschossübergreifende Brandweiterleitung in der Dämmebene von WDVS mit einer schwer entflammbaren Dämmung aus Polystyrol-Hartschaum nach der DIN 4102-B1.
Ausgereifte Systemtechnik mit hoher Funktionalität
Dass die vergleichsweise neue technische Lösung des Brandriegels bei unterschiedlichen baulichen Anforderungen einwandfrei funktioniert, wurde 2006 und 2007 im Rahmen eines umfangreichen Forschungsprogramms unter Federführung des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme umfassend nachgewiesen. Zahlreiche systemsichere und gebäudespezifische Umsetzungen wurden in diesem Zeitraum entwickelt und dargestellt. Grundsätzlich können danach bei Dämmstoffdicken von 100 bis maximal 300 Millimetern Brandüberschlagsstreifen oberhalb jeder Öffnung entfallen, wenn mindestens in jedem zweiten Geschoss ein horizontal um das Gebäude umlaufender Brandriegel aus mindestens 200 Millimeter breiten, vollflächig verklebten Mineralwollestreifen ausgeführt wird.
Material- und Kostenersparnis bei umfangreichen Sanierungen
Die zugelassene Verarbeitung nur eines Brandriegels für jeweils zwei Geschosse kann sich in mehrfacher Hinsicht bezahlt machen. Insbesondere dann, wenn sehr umfangreiche Sanierungsmaßnahmen für große Wohnungsbestände anstehen. Auf der einen Seite ist die Verarbeitung des Brandriegels in der Regel weniger aufwendig als die Montage von Brandüberschlagsstreifen über jede Gebäudeöffnung. Das reduziert die Arbeitszeit und damit die Kosten. Gleichzeitig ermöglicht die Ausführungsvariante eine Materialersparnis von bis zu 30 Prozent. „Darüber hinaus können auch bauliche Gegebenheiten wie zum Beispiel Gesimse oder Balkonkragplatten als Brandriegel genutzt werden oder Maßnahmen ganz entfallen, wenn die Brandschutzsicherheit nachgewiesen ist. Auch hier bietet der Brandriegel durchaus Vorteile“, erklärt Werner Mai, Leiter Bautechnik bei Alsecco.
Sorgfältige Analyse der baulichen Gegebenheiten
Wichtige Voraussetzung für die Wahl einer zweckmäßigen brandschutzgerechten Lösung bei der Fassadendämmung ist eine sorgfältige bautechnische Analyse. Auch wenn inzwischen viele Faktoren für den Brandriegel sprechen, muss er nicht für jedes Objekt die optimale Lösung sein. Auf jeden Fall sollte diese technische Lösung jedoch bereits in der ersten Planungphase als mögliche Alternative in die Überlegungen einbezogen werden. Denn: Der klassische Sturzschutz direkt über Öffnungen und der neue Brandriegel sind gleichwertige bautechnische Lösungen.
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red
Bild: Anstelle eines klassischen Sturzschutzes direkt über Fenster- und Türöffnungen kann auch ein umlaufender Brandriegel für jeweils zwei Geschosse angebracht werden. (Alsecco)

