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Brandschutztechnische Ertüchtigung von Installationsschächten

Mängel im Bereich der Brandabschottung behoben

Mängel im Bereich der Brandabschottung behobenÜber 4300 Wohnungen in Berlin werden von der Wohnungsbau-
genossenschaft Friedrichshain (WBG) verwaltet. Die Genossenschaft investiert regelmäßig in die Modernisierung ihrer Immobilien. Im Rahmen einer Überprüfung der Installationsschächte in drei großen Objekten im Stadtteil Friedrichshain sind Mängel im Bereich der Brandabschottung entdeckt worden.

Zwei Gebäudekomplexe mit jeweils 120 Wohneinheiten wurden 1969 an der Otto-Braun-Straße errichtet und entstammen der Wohnungsbauserie P2. Diese in den 60er-Jahren entwickelte Form des Wohnungsbaus war stilprägend für die Plattenbauten der ehemaligen DDR. Gemeinsame Wasser- und Stromleitungen für Küche und Bad, veränderbare Innenwände, großzügig geschnittene Zimmer und Einbauküchen waren die charakteristischen Merkmale dieses Wohnungstyps. Anfang der 90er-Jahre grundlegend saniert, erfreuen sich die zentral gelegenen Wohnungen heute größter Beliebtheit bei den Hauptstädtern, wie Hans-Detlef Enge, Leiter Technik bei der WBG, bei einer Vor-Ort-Begehung berichtet: „Wir haben gerade in unseren Friedrichshainer Objekten so gut wie keinen Leerstand. Die Mehrzahl unserer Mieter wohnt seit vielen Jahren hier.“ Zur weiteren Verbesserung der Wohnqualität entschied sich die WBG Anfang 2006 dafür, die in den Gebäuden befindlichen Gasherde vollständig durch Elektroherde zu ersetzen. Im Rahmen der Bauvorbereitung erfolgte auch eine Kamerainspektion der insgesamt 24 Installationsschächte – mit bösem Erwachen: „Die alten Abschottungen zwischen den Geschossen waren vollkommen unzureichend. Ganze Löcher waren zu erkennen, Brandschutzmanschetten waren nicht angebracht, teilweise waren Öffnungen nur mit Papier zugestopft. Anstatt Brandschutz haben wir in den Schächten eher eine Brandlast entdeckt. Uns war klar, dass wir hier umgehend handeln mussten“, erzählt Enge.

Erschwerte Bedingungen

In einem der beiden Gebäude kam noch eine besondere Herausforderung hinzu: Zur brandschutztechnischen Trennung von Elektro- und Sanitärschacht wurden zu DDR-Zeiten Chrysotil-Platten mit stark gebundenem Asbest eingesetzt. Entsprechend schaltete die WBG das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz ein und ließ von Sachverständigen die Raumluft in den Wohnungen analysieren. Zur Erleichterung aller fanden sich jedoch keinerlei schädliche Fasern in den Wohnungen. „Gott sei Dank hatten wir es hier mit einer fest gebundenen Form von Asbest in den Platten zu tun. Bei diesen besteht nicht die Gefahr, dass Fasern schon bei leichter Berührung in die Luft getragen werden“, berichtet der technische Leiter. Ihre ursprüngliche Brandschutzfunktion hätten die Platten unter heutigen Gesichtspunkten mehr schlecht als recht erfüllen können. Breite Fugen links und rechts der Platten hätten einen Brandüberschlag nicht aufgehalten. F30 beziehungsweise F90 hätte diese Konstruktion nach heutigen Vorschriften nicht erbringen können.

Schutz der Mieter

Die Aufgabenstellung war nach dieser Bestandsaufnahme klar: Die Schächte mussten brandschutztechnisch ertüchtigt, die Abschottung zwischen Elektro- und Sanitärschacht dem aktuellen Stand der Technik angepasst und letztlich eine Lösung für das Asbestproblem gefunden werden. Mit Brandschutzexperten wurden verschiedene Lösungen diskutiert. „Im Grunde hatten wir zwei Alternativen: Um die Deckendurchbrüche nachträglich fachgerecht abschotten zu können, hätten wir die kompletten – an die Schächte grenzenden – Badezimmerwände in den vermieteten Wohnungen aufstemmen müssen. Eine andere Möglichkeit fand sich in der Befüllung des gesamten Sanitärschachts mit nicht brennbarem Steinwolle-Granulat. Wir haben beide Lösungen durchgerechnet und diskutiert“, erinnert sich Enge. Und mit welchem Ergebnis? „Das System ‚Rockwool Fire Safe‛ im Einblasverfahren rechnet sich auf alle Fälle. Die Massivbaumaßnahme wäre um den Faktor drei kostspieliger geworden. Aber noch viel wichtiger: Wir hatten zuvor die Bäder saniert, und jetzt hätten wir schon wieder alles aufreißen müssen. Das hätten wir keinem Mieter zumuten, geschweige denn erklären können“, fasst der technische Leiter zusammen.

F 90-Trennung mit Feuerschutzplatten

Die notwendige Abschottung zwischen dem Sanitär- und Elektroschacht sowie die Asbestproblematik waren damit jedoch noch nicht hinreichend gelöst.
Auch hierfür fand sich eine optimale Lösung: Die nichtbrennbare Platte mit stark gebundenem Asbest wurde auf ihrer gesamten Länge eingekapselt. Auf einer Seite wurden dafür 2 mal 20 Millimeter dicke Feuerschutzplatten angebracht und mit Winkelprofilen seitlich an den Schachtwänden fixiert. Sie übernehmen quasi eine doppelte Funktion: Zum einen entfällt durch diese sichere Abkapselung die extrem aufwendige und kaum zu bewerkstelligende Demontage der nicht brennbaren Platten mit stark gebundenem Asbest, zum anderen wurde damit die gewünschte F90-Trennung zwischen den beiden Schächten sichergestellt. Die andere Seite, der eigentliche Schachthohlraum, wird mit Steinwolle-Granulat sicher geschützt.

Klappen als Einblasöffnungen

In den etwa 95 mal 40 Zentimeter großen Sanitärschächten fanden sich zwei Trinkwasserleitungen für Kalt- und Warmwasser, ein Regenfallrohr, ein verschlossenes, nicht mehr genutztes Gasrohr sowie ein Wickelfalzrohr, das Zuluft in die – auf der gegenüberliegenden Schachtseite liegende – Küche führt. „Das ist eigentlich noch ein Überbleibsel aus der Zeit, in der noch Gasherde genutzt wurden. In der ursprünglichen Konstruktion diente diese Öffnung dazu, die Raumluft mit zusätzlichem Sauerstoff anzureichern. Eine gemäß TGL, in der ehemaligen DDR die Entsprechung zur westdeutschen DIN, übliche Lösung. Im Zuge der Brandschutzmaßnahme wurde diese Öffnung mit einem Brandschutzventil gesichert“, erläutert Enge. Als mediumführende Materialien waren ausschließlich Edelstahlrohre und Kunststoff-Verbundrohre (F90) verlegt worden.
In die so belegten Schächte wurde je Schacht und Geschoss ausreichend Steinwolle-Granulat eingeblasen, um die geforderte Rohdichte von zirka 100 Kilogramm pro Kubikmeter zu erreichen. Die vorhandenen Revisionsklappen im Badezimmer konnten als Einblasöffnung genutzt werden. Durch diese Öffnung konnte die WBG mithilfe einer Videokamera auch die Schachtbelegung sowie den Zustand des gesamten Schachts bewerten und den Befüllvorgang begleitend verfolgen. Für die Mieter an der Otto-Braun-Straße und Friedenstraße von wesentlich größerer Bedeutung: Sämtliche Arbeiten je Wohnung wurden innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen – und das, dank der speziellen Einblasdüse, komplett staubfrei.

Schall- und Geruchsschutz inklusive

Doch die Mieter profitieren noch von zwei weiteren äußerst angenehmen Begleiterscheinungen der durchgeführten Brandschutzmaßnahme: „Wir haben es hier – plattenbautypisch – grundsätzlich mit innenliegenden Schächten zu tun, die nicht verfüllt leider auch als hervorragende Schallüberträger dienen. Durch die Verfüllung mit der schallabsorbierenden Steinwolle konnten wir den Schallschutz erheblich verbessern. Außerdem werden störende Gerüche nicht mehr über die Kanäle weitergetragen. Beispiel Zigarettenrauch – dieser zieht selbst durch die kleinsten Deckendurchbrüche. Auch dieses Problem ist jetzt nachhaltig gelöst. Für viele Menschen ist der vorbeugende Brandschutz immer noch eine recht ab-strakte Größe, aber wenn sie merken, es ist leiser geworden oder es kommen keine Essensgerüche aus anderen Wohnungen mehr zu ihnen herüber, dann sind das schon spürbare und erlebbare Argumente, die für diese Sanierungsmaßnahme sprechen“, zeigt sich Enge erleichtert, dass die Mieter die Brandschutzsanierung gut aufgenommen haben.
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red
Bild:Nach Einbau der Brandschutzkonstruktion: Die kreisrunden Öffnungen dienen zum Verfüllen und werden anschließend brandschutzgemäß geschlossen. Die großen Öffnungen werden mit Revisionsklappen verschlossen.(Deutsche Rockwool Mineralwoll)