Dass die IT ein stark vernachlässigter und beinahe unbeachteter Sektor in der Immobilienwirtschaft ist, ist einmal mehr beim Open-Promos-Anwenderforum in Berlin deutlich geworden. Hier beklagten sich alle beteiligten Experten aus der Immobilien- und IT-Branche über die noch unzureichende Zusammenarbeit zwischen den beiden Sektoren und forderten Änderung der Denkweisen in Richtung unternehmerisches Agieren.
Jens Kramer, Geschäftsführer der Promos Consult und Initiator der Veranstaltung, wies darauf hin, dass „ein wesentliches Ziel der IT-Wirtschaft die Vereinfachung von Kommunikationsabläufen ist. Dabei spielt der Servicegedanke sowohl an den Mieter als auch an den Dienstleister eine bedeutende Rolle. Gerade diese Sektoren bergen großes Optimierungspotenzial.“ Wie sehr sich die Anforderungen an die IT-Branche zu verändern scheinen, beschrieb der Geschäftsführer der Pro Potsdam, Jörn-Michael Westphal: „Es zeigt sich ein erster Wandel: War es früher wichtig, die kaufmännischen Daten zu analysieren, so rückt jetzt die Untersuchung von technischen Daten immer mehr in den Vordergrund, um auch hier Hintergrundinformationen für unsere Serviceangebote zu gewinnen. Ein Beispiel hierfür sind energierelevante Kennzahlen, die für eine CO2-Analyse unabdingbar sind.“
Innovation verpasst
Deutlich wurde in der Debatte zudem, dass gerade die Kommunen großen Nachholbedarf haben, was flexibles und kosteneffizientes Arbeiten angeht. „Viele der öffentlichen Branchen haben die Innovationszyklen der IT-Branche verpasst und müssen nun in den kommenden Jahren ihre Geschäftsmodelle grundlegend ändern, insbesondere hinsichtlich ihrer Serviceleistungen und der Flexibilität. Viele Kommunen beginnen erst jetzt, betriebswirtschaftlich zu denken“, stellte Torsten Kreis fest, Leiter im Partnermanagement bei SAP. Eine Forderung, die alle Diskutanten äußerten, war die Integration von Lösungen in normale Standards. Erik Marienfeld, Geschäftsführer der Hamburgische Immobilien Handlung, forderte: „Es muss eine IT-Landschaft entwickelt werden, die so homogen wie möglich ist und die eine Integration erlaubt.“
Systeme müssen sich öffnen
Bemängelt wurde zudem die fehlende Transparenz in der deutschen Immobilienwirtschaft, die beispielsweise in Großbritannien deutlich besser sei. Auch hier bestehe großer Nachholbedarf. Die Experten sahen auch im Outsourcing von Verwaltungsarbeiten extrem hohes Potenzial für die Zukunft. „Wir stehen erst am Anfang dieser neuen Entwicklung. Große Investoren werden Teile ihrer Dienstleistungen an entsprechende Anbieter auslagern. IT-Systeme müssen sich nach außen öffnen, für den Mieter ebenso wie für den Dienstleister“, prophezeite Klaus Weinert, Geschäftsführer der Control-IT Unternehmensberatung. Ein zweiter Trend geht in die Richtung vernetzte Services. Ein gutes Beispiel hierfür seien automatische Online-Stromablese-Mechanismen, mit deren Hilfe man bereits heute schneller Auffälligkeiten erkennen kann.
Das 5. Open-Promos-Anwenderforum, in dessen Rahmen die Podiumsdiskussion stattfand, wird im jährlichen Turnus durchgeführt und bietet Experten aus IT- und Immobilienwirtschaft eine regelmäßige Plattform zum gegenseitigen Wissensaustausch.
www.openpromos.com
red
Bild: Keine Angst vor IT? Die Immobilienwirtschaft jedenfalls hat, so beobachten es Experten, noch immer Nachholbedarf, was den Einsatz moderner Kommunikationstools anbelangt. (Project Photos)
