Mit diesem Beitrag startet das Modernisierungs-Magazin eine neue achtteilige Fachthemenserie zu Schimmel- und Feuchteschäden. Denn das Problem zunehmender Schimmelpilzbelastung wird heute immer wichtiger – vor allem weil es keine Pauschallösung gibt. Objekt- und nutzungsbedingte Einflüsse sind immer zu beachten. Der Schadens-Experte Frank Frössel beschreibt in dieser und den folgenden Ausgaben die Schimmelpilzanamnese, -diagnostik, -sanierung und -prävention. Der erste Beitrag unserer neuen Serie setzt sich mit dem Wachstum und den Ursachen für Schimmelpilzbefall in Innenräumen auseinander.
Längst sind sich Experten einig, dass die Ursachen nicht nur an den luftdichten Gebäudehüllen und der zunehmenden Wärmedämmung festgemacht werden können. Außerdem sind Neubauten genauso betroffen wie sanierte oder auch unsanierte Altbauten; Wohnungen in Mehrfamilienhäusern können genauso schimmelpilzbelastet sein wie Einfamilienhäuser. Eine Untersuchung in über 12.000 Wohnungen hat zudem gezeigt, dass das Lüftungs- und/oder Heizverhalten der Bewohner in weniger als 10 Prozent für einen Schimmelschaden verantwortlich ist. Etwa 60 Prozent konnten eindeutig auf bauliche Mängel zurückgeführt werden. Bei den restlichen 30 Prozent waren beide Einflüsse für das Wachstum von Schimmelpilzen verantwortlich.
Wachstumsfördernde Bedingungen
Für das Wachstum von Schimmelpilzen müssen in erster Linie Feuchtigkeit sowie Nährstoffe vorliegen, die Temperatur und der pH-Wert können von Bedeutung sein, andere Einflussfaktoren wie Sauerstoff oder Licht sind zu vernachlässigen. Früher wurde die relative Luftfeuchte im Raum als Kenngröße herangezogen. Heute ist nicht der Feuchtegehalt in der Raumluft für das Wachstum relevant, sondern unmittelbar über der Wandoberfläche. Hierfür wurde der sogenannte Aw-Wert eingeführt. Er misst den Feuchtefilm – das Mikroklima – unmittelbar über der Wandoberfläche. Die meisten Schimmelpilze wachsen bei 80 bis 85 Prozent relativer Luftfeuchte. Ausnahmen können aber auch bereits bei 65 Prozent im unteren Bereich oder bis fast 100 Prozent relativer Luftfeucht im oberen Bereich wachsen. Nahrung ist für die meisten Schimmelpilze immer vorhanden, da bereits das geringe Nährstoffangebot im Hausstaub ausreicht. Infolgedessen kann es auch auf Untergründen zu einem Schimmelpilzbefall kommen, die auf den ersten Blick ungeeignet sind. Daneben gibt es klassische Untergründe, die besonders für ein Wachstum geeignet scheinen: zum Beispiel die Raufasertapete. Ihr Gehalt an Zucker, Eiweiß und Lignin ist relativ hoch. Wird die Raufasertapete durchfeuchtet, bildet sich ein regelrechter „Nährstoff-Cocktail“. Zu den Untergründen, die ein Schimmelpilzwachstum fördern, zählen auch holz- und gipshaltige Untergründe.
Das Temperaturspektrum der Schimmelpilze liegt zwischen 0 und 60 Grad Celsius, die Optimaltemperatur zwischen 25 und 35 Grad Celsius und die Maximaltemperatur zwischen 30 und 40 Grad Celsius. Besonders gefährlich für den Menschen sind die Spezies, die nach der Inhalation auch im Körper wachsen und gedeihen können – im Temperaturbereich von 37 bis 39 Grad Celsius. Aus diesem Grund muss bei einem Schimmelpilzbefall in Wohnungen immer erst die Art bestimmt werden, bevor eine mögliche Gesundheitsbelastung abgeleitet werden kann. Eine pauschale Gesundheitsgefährdung bei Schimmelpilzen ohne Bestimmung der Spezies und der jeweiligen Konstitution der Bewohner ist unseriös und polemisch.
Für das Wachstum der Schimmelpilze kann der pH-Wert des Untergrunds zwischen 2 bis 11 (Optimalbereich zwischen 4 bis 7) liegen. Ihre Überlebensfähigkeit zeigen Schimmelpilze auch in Bezug auf den pH-Wert, da sie durch Ausscheidung von Stoffwechselprodukten diesen manipulieren und auf ihr Wachstum anpassen können.
Woher kommt die Feuchtigkeit?
Die Frage nach der Herkunft kann in einigen Fällen sehr schnell und einfach beantwortet werden – zum Beispiel wenn aufgrund von Leckagen oder Undichtigkeiten Wasser in das Bauwerk eindringen kann. Dieser Zustand wird als direkte Durchfeuchtung bezeichnet. Hierzu gehören die fehlende oder nicht funktionstüchtige Bauwerksabdichtung im Keller- und/oder Dachbereich, undichte Anschlüsse an Rohrverbindungen, Fugen und Abflüsse sowie Durchfeuchtungen der Fassade. Hinzu kommen Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk aufgrund kapillar aufsteigender Feuchtigkeit oder durch Salze. Auch sogenannte Havarieschäden wie geplatzte Wasserschläuche, Heizungs- oder sonstige Wasserrohre müssen genannt werden. Diese Durchfeuchtung kann über Monate oder Jahre stattfinden oder auch nur temporär.
Darüber hinaus gibt es auch die sogenannte indirekte Durchfeuchtung: Hier führen bauphysikalische und/oder hygrothermische Mechanismen zur Durchfeuchtung einer Wandoberfläche, die äußerlich intakt scheint. Gemeint sind Mechanismen, bei denen es entweder unmittelbar auf der Bauteiloberfläche oder im -querschnitt zur Kondensation kommt. Die Ursache liegt in einer unzureichenden Wärmedämmung und/oder in Wärmebrücken. In beiden Fällen kommt es – in Abhängigkeit zu den klimatischen Bedingungen in der Wohnung – zu Kondensation und Tauwasserausfall auf der Wandoberfläche. Kondensation auf Oberflächen tritt immer dann auf, wenn feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft.
Geringe Oberflächentemperaturen entstehen meistens dort, wo Wärme nach außen abfließen kann. Dies kann großflächig bei einer unzureichenden Wärmedämmung der Fall sein oder auch punktuell beziehungsweise auf kleine Flächen beschränkt bleiben wie bei Wärmebrücken. Hier wird insgesamt zwischen stoffbedingten, geometrischen und konvektiven Wärmebrücken unterschieden, wobei diese auch in Kombination auftreten können. Zu den typischen Wärmebrücken zählen zwei- und dreidimensionale Außenecken, Fensterlaibungen und -stürze, Fenster- und Türkonstruktionen, Balkone, Rollladenkästen, ungedämmte Stahlbetonbauteile, Heizkörpernischen und -befestigungen im Mauerwerk sowie Geschossdecken und Deckenanschlüsse. Aber auch nicht gedämmte Sockelbereiche wie herausragende Keller, Außen- und Zimmertüren zu nicht beheizten Räumen, nicht gedämmte Attika bei Flachdächern oder die Sparrenauflager (Längsbalken des Dachstuhls) können eine Wärmebrücke darstellen. Bei einer raumseitigen Wärmedämmung (Innendämmung) kommt es vor allem im Eckbereich der Außenwand zur Decke zu einer Wärmebrücke.
Frank Frössel
Bild: Solche pelzigen Freunde gehören nicht in Wohnräume. Damit sie dort auch nicht wachsen, sollten die Ursachen wachstumsfreundlicher Bedingungen bekannt sein.(Fotolia, K. Steffgen)

