METRONA Wärmemesser Union GmbH


Serie: Schimmel- und Feuchteschäden, Teil 6

Schimmel-Prävention: Wärmedämmung, Beschichtungen, Lüften und Heizen

Nachdem in den ersten Teilen die Ursachen und Wachstumsbedingungen, anschließend die Untersuchung und Bewertung des Schimmelpilzbefalls beschrieben und anschließend die verschiedenen Sanierungsmethoden vorgestellt worden sind, geht es im sechsten Teil unserer Serie um die präventiven Maßnahmen. Hierbei wird unterschieden in die primäre und sekundäre Prävention – also der Frage, ob den Ursachen des Befalls oder dem mikrobiellen Befall selbst vorgebeugt werden soll.

Experten sind sich einig: Die beste Schimmelpilzsanierung ist immer noch die Vorbeugung des mikrobiellen Befalls. Schimmelpilze, die nicht vorhanden sind, brauchen auch nicht beseitigt oder abgetötet zu werden. Mikrobiologen bezeichnen diese Phase auch als primäre Prävention. Sie zielt in erster Linie auf die Vermeidung der Ursachen. Des Weiteren soll einem Neubefall vorgebeugt werden, nachdem eine Schimmelpilzsanierung durchgeführt wurde. Diese Phase wird als sekundäre Prävention bezeichnet. Sie dient dem rechtzeitigen Erkennen von Befall, bevor sich dieser entwickeln und größere Ausmaße annehmen kann.

Die primären und sekundären Präventivmaßnahmen haben unterschiedliche Inhalte: Während die primäre Prävention auf bauliche Maßnahmen wie zum Beispiel auf die nachträgliche Wärmedämmung eines Bauteils oder die Auswahl einer geeigneten Beschichtungsoberfläche und die Sicherstellung eines gesunden Raumklimas durch ausreichende Heizung und Lüftung setzt, befasst sich die sekundäre Prävention vorwiegend mit Hygiene und Nutzerverhalten. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass in beiden Fällen das Wachstum von Schimmelpilzen (und Bakterien) unterbunden werden soll. Zu den notwendigen Wachstumsbedingungen von Schimmelpilzen und Bakterien gehören Feuchtigkeit, Nährstoffe und ein bestimmter Temperaturbereich sowie ein geeigneter pH-Wert. Als sekundäre Prävention werden in der Regel Desinfektionsmittel (Biozide) in der Flasche eingesetzt, die aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht ganz ungefährlich sind. Alternativ können spezielle Beschichtungen appliziert werden, die antimikrobiell wirken. Diese Wirkung kann temporär durch biozide Zusätze oder durch nanoskalierte Silberionen erreicht werden. Bei Neuentwicklungen wird die Fotokatalyse genutzt, um eine antimikrobielle Wirkung aufzubauen.

Primäre Prävention: Wärmedämmung

Zur primären Prävention gehört zum Beispiel die nachträgliche Wärmedämmung als Innen- oder Außendämmung, um die Wärmeverluste an Wärmebrücken zu minimieren und/oder um der Kondensation in der Konstruktion vorzubeugen. Wärmebrücken (auch als Kältebrücken bezeichnet) sind Stellen in der Gebäudehülle, in denen örtlich begrenzt ein größerer Wärmefluss als im übrigen Bereich einer Wand oder Decke auftritt. Diese Stellen können einerseits durch die Geometrie des Bauteils bedingt sein (beispielsweise bei Außenecken einer Wand, Heizkörpernischen oder Beton-Kragplatten an Balkonen = geometrische Wärmebrücken).

Stoffbedingte Wärmebrücken entstehen dagegen durch einen Wechsel der Wärmeleitfähigkeit innerhalb einer oder mehrerer Bauteilschichten, oder wenn Bauteile aus Stoffen mit höherer Wärmeleitfähigkeit (wie Stahl) Bauteile aus Stoffen mit niedriger Wärmeleitfähigkeit (zum Beispiel Wärmedämmstoffe, wärmedämmende Ziegel) durchdringen. Dazu gehören Betonstützen oder Stahlanker in einer Außenwand. Die negativen Auswirkungen von Wärmebrücken liegen deshalb nicht vorwiegend in den erhöhten Transmissionswärmeverlusten, sondern in den durch Feuchte verursachten Bauschäden. Wärmebrücken lassen sich durch konstruktive Maßnahmen zwar nicht immer vermeiden, aber in der Wirkung stark mindern.
Im Idealfall erfolgt die Wärmedämmung als Außendämmung. Hierbei ist allerdings auf ein ganzheitliches Konzept zu setzen. Probleme bei der nachträglichen Wärmedämmung von einzelnen Bauteilen gibt es in der Regel nur, wenn einzelne Aspekte (Fenstersanierung, Lüftungskonzepte) vernachlässigt werden.

Primäre Prävention: Beschichtungen

Neben der Wärmedämmung gehören fungizide Beschichtungen zur primären Prävention. Hierbei muss zunächst herausgestellt werden, dass der Begriff „fungizid“ nicht zwangsläufig mit „Chemie“ und/oder mit „Gift“ oder Desinfektionsmittel gleichgesetzt werden darf. Fungizid heißt in diesem Fall, dass das Wachstum von Schimmelpilzen verhindert oder vorgebeugt wird. Dies kann durch desinfizierende Zusätze (sogenannte Breitbandbiozide), die an der Oberfläche einen fungiziden Film bilden), aber auch durch eine hohe Alkalität oder Silberionen erreicht werden. Hinzu kommen sogenannte Infrarot-aktive Farben (IR) sowie der Einsatz von Zuschlagsstoffen mit Latentwärmespeicher-Effekt (PCM; Phase Changing Materials). Bei den IR-Farben wird die Wärmeabstrahlung (langwellige Strahlung) herabgesetzt. Dies erfolgt durch spezielle Pigmente im oberflächennahen Bereich und soll ein Absinken der Oberflächentemperatur unter den Taupunkt verhindern. Bei den Beschichtungen mit Latentwärmespeicher ist die Zielsetzung gleich, allerdings unterscheidet sich die Technologie: Eingesetzt werden funktionelle Füllstoffe, mit denen tagsüber Wärme gespeichert und nachts verzögert wieder abgegeben werden soll. Hierbei handelt es sich um kunststoffumhüllte Wachskügelchen mit einem individuell einstellbaren Schmelz- und Erstarrungspunkt. Dieser liegt je nach Füllstoff zwischen 0 und 30 Grad Celsius. Aufgrund der Wärmeaufnahme schmelzen diese Wachskügelchen tagsüber und halten die Temperatur konstant. In den Nachtstunden erstarren diese und geben hierbei die Wärme an der Oberfläche wieder ab. Besonders vorteilhaft sind Putzbeschichtungen mit PCM, da aufgrund der Schichtdicken eine höhere Menge an Füllstoffen zugegeben werden kann. Die Effizienz kann noch gesteigert werden, wenn beide Maßnahmen (PCM und IR) kombiniert werden.

Primäre Prävention: Lüften und Heizen

Über das richtige oder ausreichende Lüften sowie das notwendige Heizen gibt es unzählige Publikationen und Empfehlungen, sodass darauf an dieser Stelle verzichtet wird. Um die Anforderungen an die Lüftung zu erfüllen, ist ein Mindestmaß an Austausch der Raumluft durch Außenluft (Luftwechsel) erforderlich. Andererseits ist in der Heizzeit die Lüftung – das heißt der Austausch warmer Raumluft gegen kältere Außenluft – mit Wärmeverlusten (Lüftungswärmeverluste) verbunden, die angesichts der ständigen Verringerung der Transmissionswärmeverluste durch einen besseren baulichen Wärmeschutz an Bedeutung gewinnen. Daher ist auch aus hygienischen Gründen (Vermeidung von
Zugerscheinungen) der Luftwechsel zu begrenzen.

Schimmel-Prävention: Wärmedämmung, Beschichtungen, Lüften und Heizen
Die eleganteste Lösung: Ein Lüftungssystem mit Wärmetauscher reduziert die Energieverluste auf ein Minimum und sorgt jederzeit für einen ausreichenden Luftaustausch. (lunos)

Bei den heute üblichen und technisch realisierbaren Systemen für die Wohnungslüftung wird nach Wirkprinzip zwischen freier Lüftung (früher als natürliche Lüftung bezeichnet) und ventilatorgestützter Lüftung (mechanische, maschinelle, erzwungene, Lüftung, Anlagenlüftung) unterschieden. Die früher ebenfalls als Lüftungssystem betrachtete Fensterlüftung stellt nach neuerer Definition nach DIN 1946-6 kein eigenständiges Wirkprinzip mehr dar – das zeitweise geöffnete Fenster dient nur als temporär wirksamer Außenluftdurchlass zur Verbesserung der Wirksamkeit des vorhandenen Lüftungssystems, vorrangig der freien Lüftung. Das Gleiche trifft auch auf die Fugenlüftung zu, die als Anteil der In- und Exfiltration zu betrachten ist. Für Funktion, Auslegung und Betrieb von Einrichtungen und Anlagen zur freien und ventilatorgestützten Lüftung sind zur Quantifizierung des Luftwechsels folgende vier Betriebsstufen festgelegt: Lüftung zum Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung.

Frank Frössel, Sachverständiger für Bautenschutz und Bausanierung sowie Schimmel- und Feuchteschäden