METRONA Wärmemesser Union GmbH


Serie: Schimmel- und Feuchteschäden, Teil 4

Schimmel untersuchen und bewerten

Schimmel untersuchen und bewertenNachdem im ersten Teil unserer Serie die Grundlagen und Wachstumsbedingungen beschrieben worden sind, ging es im zweiten Teil um die Erscheinungsbilder und Befallsarten. Der dritte Teil thematisierte die Ursachen, die sich oftmals überlagern und nicht eindeutig zugeordnet werden können. Der vierte Teil unserer Fachthemenserie setzt sich nun mit der Untersuchung und Bewertung des Schimmelpilzbefalls auseinander. Hierbei werden bauphysikalische und mikrobielle Untersuchungen unterschieden. Besondere Aufmerksamkeit muss neben dem sichtbaren auch auf den nicht sichtbaren und verdeckten Befall gelegt werden. Bei der Bewertung geht es nicht nur nach der Größe der befallenen Fläche, wie dies in der Praxis üblich ist, sondern nach deren Gefährdungspotenzial.

Bei der Untersuchung und Bewertung von Schimmelpilzen in Wohnungen müssen neben bautechnischen, -physikalischen und -chemischen Fragen auch bau- und mikrobiologische Gesichtspunkte berücksichtigt und unter Umständen umweltmedizinische und gesundheitliche Aspekte beachtet werden – und dies alles unter dem Hintergrund, dass gegebenenfalls Rechtstreitigkeiten bestehen oder sich daraus entwickeln können.

Komplexe Analyse und die Diagnose

In der Praxis wird der Aufwand an Untersuchungen meistens nur auf die Messung der Luftfeuchtigkeit und Größe des mikrobiellen Befalls beschränkt. Hierbei wird häufig aus Unkenntnis vernachlässigt, dass neben dem sichtbaren Befall auch ein versteckter oder nicht sichtbarer Befall vorliegen und von dem genauso eine gesundheitliche Gefahr ausgehen kann. Hinzu kommt, dass eine Belastung durch Schimmelpilze nicht pauschal und durch optische Wahrnehmung eingeschätzt werden kann. Hierfür muss die Art beziehungsweise Spezies bestimmt, die räumliche Situation und die individuelle Konstitution der Bewohner berücksichtigt werden.

Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit
Kapillar aufsteigende Feuchtigkeit ist an dieser Wand mit bloßem Auge kaum zu erkennen (links) erst die Thermografieaufnahme bringt Gewissheit, dass Wasser aufsteigt (rechts). (Flir)

Eine Analyse und Diagnose muss objektiv, sachlich, fachkompetent und ganzheitlich ausgeführt werden. Die Ergebnisse müssen repräsentativ sein und sollten jederzeit nachvollziehbar bleiben. Vor der Untersuchung muss geklärt werden, ob bauphysikalische Untersuchungen ausreichen oder auch mikrobiologische Untersuchungen notwendig werden. Im Vorfeld sollte geklärt werden, welche Messgeräte und Diagnoseverfahren zum Einsatz kommen, ob diese allgemein und im Rahmen eines möglichen Rechtstreits vor Gericht anerkannt sind. Weiterhin sollte im Vorfeld geklärt werden, ob einmalige Messungen durchgeführt werden. In dem Fall müssen die Messpunkte und eventuelle Probeentnahmen sorgfältig ausgewählt werden, da mögliche Folgeuntersuchungen unter gleichen Bedingungen nicht mehr möglich sind. Eine Vergleichbarkeit ist damit unmöglich und kann während eines möglichen Rechtstreits zu Komplikationen führen. Werden neben bauphysikalischen Untersuchungen auch raumklimatische Messungen und/oder eine mikrobiologische Diagnostik notwendig, müssen die Ziele plausibel und praxisgerecht formuliert und ökonomisch vertretbar sein. Sie sollten in Anwesenheit des Vermieters und Mieters durchgesprochen werden. Dies vermeidet möglichen Ärger und Missverständnisse und schafft Transparenz in Bezug auf Zeit, Kosten und Inhalt der nachfolgenden Untersuchungen.

Bauphysikalische und -technische Untersuchungen

Zu den bauphysikalischen Untersuchungen gehören in erster Linie Messungen der Luft- und Materialfeuchte sowie der Luft- und Materialtemperatur. Diese werden entweder einmalig (am Tag der Besichtigung) oder über einen längeren Zeitraum (Hygrometer oder Datenlogger) gemessen. Des Weiteren wird die Thermografie eingesetzt, um Wärmebrücken und/oder Leckagen aufzuspüren. Je nach Problemstellung werden diese Untersuchungen durch Messungen der Luftströmung und/oder einer Leckageortung abgerundet. Übermäßige Luftbewegungen zum Beispiel durch Undichtigkeiten an Türen und Fenstern oder Bauteilen, wie zum Beispiel Rollladen- oder Spülkästen, beeinflussen ganz erheblich die Behaglichkeit in Wohnungen und können, auch wenn es sich um eine subjektive Wahrnehmung handelt, sehr objektiv gemessen werden.

Mikrobiologische Untersuchungen

Während bauphysikalische und -technische Untersuchungen hauptsächlich eingesetzt werden, um die Ursache(n) für zu hohe Bauteil- und Raumluftfeuchte zu bestimmen, dienen mikrobiologische Untersuchungen dem Nachweis von Schimmelpilzen und deren Stoffwechselprodukten. Im Gegensatz zu den bauphysikalischen Verfahren werden bei den mikrobiologischen Verfahren keine Werte gemessen. Neben der Schimmelpilzart wird die Gesamtzahl von kultivierbaren Schimmelpilzen bestimmt.
In der Praxis wird ein Schimmelpilzbefall häufig nur bewertet, indem die Größe der Fläche „begutachtet“ wird. Auch der Geruch wird nur subjektiv erfasst und bewertet. So gelten in der Regel ein massiver Befall und/oder ein starker unangenehmer Geruch automatisch als gesundheitsgefährdend. Im Gegenzug wird ein kleiner oder nicht sichtbarer beziehungsweise versteckter Befall automatisch vernachlässigt.

Mikrobielle Untersuchungen werden entweder durch eine direkte Kultivierung einer Abklatschprobe, direkte mikroskopische Betrachtung eines Klebefilmabriss-Präparats, eine Kultivierung einer suspendierten und/oder eine direkte mikroskopische Betrachtung einer Materialprobe durchgeführt. Anders verhält es sich bei einem versteckten oder nicht sichtbaren Befall. In diesen Fällen werden entweder Messungen der Schimmelpilze in der Raum- und Außenluft oder im Staub vorgenommen oder Materialproben analysiert. Des Weiteren finden Messungen der MVOC (gasförmige mikrobielle Verbindungen) in der Raumluft statt. Bei allen Untersuchungen muss berücksichtigt werden, dass toxische und/oder allergische Reaktionen nicht nur von lebenden/ kultivierbaren Schimmelpilzen, sondern auch von abgestorbenen/abgetöteten Sporen und mikrobiellen Partikeln ausgehen können.
Nicht zu vergessen sind die mikrobiologischen Untersuchungen, die nicht vor, sondern nach einer Sanierung durchgeführt werden (müssen). Diese „Erfolgskontrolle“ zeigt objektiv, ob eine Sanierung erfolgreich war und den mikrobiellen Befall nachhaltig beseitigt hat.

Bewertung

Für die Bewertung ist elementar, dass die mikrobielle Belastung der Innenräume mit der Qualität der Außenluft verglichen werden muss. Nur in der Differenz (> 100 KBE/m³ Luft pro Spezies oder > 500 KBE/m³ bei einer sogenannten Mischexposition) zeigt sich, ob die mikrobielle Belastung gegebenenfalls durch die Außenluft verursacht wird oder innenraumindizierte Quellen hat. Des Weiteren muss die Art beziehungsweise Spezies bekannt sein, da nicht von jedem Schimmelpilz automatisch eine allergische, toxische oder sonstige gesundheitsgefährdende Gefahr ausgehen muss. Hinzu kommen die Konstitution des Bewohners und die Frage, ob dieser möglicherweise in eine der sogenannten Risikogruppen (zum Beispiel Kinder, Allergiker, Autoimmunerkrankte) eingestuft werden muss. Besonders gefährlich wird es, wenn gesundheitsgefährdende Schimmelpilze nachgewiesen werden, die bei 37 Grad Celsius und damit bei Körpertemperatur leben.

Frank Frössel, Sachverständiger für Bautenschutz und Bausanierung sowie Schimmel- und Feuchteschäden
Bild oben: Um einen Feuchteschaden zu identifizieren, der nicht sichtbaren oder verdeckten Schimmelbefall zur Folge haben kann, sind auch bauphysikalische Untersuchungen wie zum Beispiel eine Feuchtemessung nötig. (Trotec)