METRONA Wärmemesser Union GmbH


Energetische Sanierung

WDVS und Architektur kein Widerspruch

Über die Notwendigkeit zu höherer Energieeffizienz im Gebäudebestand herrscht Konsens in der Branche. Die energetische Sanierung stellt derzeit die wichtigste Säule der Bauwirtschaft dar, flankiert und forciert von ehrgeizigen Zielsetzungen der Politik. Die Wege zu mehr Energieeffizienz können verschieden sein. Im Vordergrund sollten die jeweilige Baumaßnahme und eine ideologiefreie Beurteilung der technisch und wirtschaftlich sinnvollen Maßnahmen stehen.

Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS)

Eine sehr erfolgreiche Maßnahme im Rahmen energetischer Sanierungen ist der Einsatz von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS). Dieses seit mehr als fünf Jahrzehnten angewendete Verfahren trägt der Tatsache Rechnung, dass über die Gebäudehülle die meiste Energie verloren geht und die Fassade wiederum den größten Teil der Gebäudehülle ausmacht. Der häufige Einsatz von WDV-Systemen hat einzelne Vertreter aus der Wirtschaftspresse und von der Planungsseite zu kritischen Äußerungen motiviert, die Fragen aufwerfen wie „Dämmen wir uns zu Tode?“ oder „Zerstören WDV-Systeme die Baukultur?“.

Entwicklung der Dämmstoffdicke in mm

Eine sachgerechte Annährung an dieses Thema gelingt vielleicht am besten, wenn man die Besitzer der Gebäude, die Auftraggeber energetischer Fassadensanierungen mit ihren Anforderungen in Augenschein nimmt. Sie wollen vor allem eines: eine wirkungsvolle und attraktive Lösung für ihr Gebäude, die zu wirtschaftlichen Bedingungen möglichst viel Energie einsparen hilft. Diesen Anspruch erfüllen Fassadensanierungen mit WDV-Systemen in hohem Maße. Keinesfalls werden damit Gebäude „totgedämmt“, denn Fakt ist, dass durch WDV-Systeme nicht nur der Energieverbrauch sinkt, sondern zugleich der Wohnkomfort steigt und die Gebäudehülle länger intakt bleibt, da die thermische Belastung der Tragwand und Decken weitestgehend ausgeschlossen wird. Eine höhere energetische Qualität des Gebäudes lässt zudem die Vermietbarkeit steigen und möglicherweise auch den Verkaufspreis.

WDV-Systeme

Diese Vorteile begründen, warum WDV-Systeme so erfolgreich sind. Hinzu kommt, dass sich die nationale und europäische Politik ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt und für deren Realisierung Förderprogramme aufgelegt hat. Diese Verbindung ist richtig und müsste noch viel intensiver sein. Der Vorwurf, dabei würde Baukultur vernachlässigt und auf Qualitätsstandards verzichtet, ist bezogen auf WDV-Systeme schlicht falsch. Kein Bauprodukt wird in Deutschland so intensiv geprüft und überwacht wie WDV-Systeme. Von der Herstellung bis zur Abnahme am Bauwerk besteht ein lückenloser Qualitätsnachweis. Jedes WDV-System muss über eine bauaufsichtliche Zulassung verfügen – entweder national oder europäisch. Die hierzulande verwendeten Systeme verfügen über Qualitätsstandards, die weit über die in Normen geforderten Mindestwerte hinausreichen. Auch von Seiten der Verarbeiter steht Qualität klar im Fokus: Der Fachunternehmer bestätigt laut Konformitätsnachweis, dass er umfangreich und qualifiziert ins jeweilige WDV-System eingewiesen wurde. Er bescheinigt zudem mit seiner Unterschrift, dass er ausschließlich die Komponenten des zugelassenen WDV-Systems verwendet hat. Die Ausbildungspläne des Handwerks widmen dem WDV-System sowohl in Theorie wie in der Praxis sehr viel Raum. Entsprechend hoch ist die Qualität, die das Fachhandwerk heute erbringt. Und für die Abnahme gilt: Wurde ein staatlicher Zuschuss gewährt, muss sie durch einen qualifizierten Energieberater erfolgen. Die baubegleitenden Unterlagen zum WDV-System müssen vom Bauherrn mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden.
Wenn es dennoch zu manchem Fehler in der Ausführung kommen kann, so ist dies in den allermeisten Fällen der menschlichen Unzulässigkeit geschuldet. Diese begleitet Herstellung, Planung und Verarbeitung gleichermaßen.

Kein Widerspruch

Gern geäußert wird in der Diskussion die Befürchtung, WDV-Systeme sorgten für eine Uniformität der Gebäudelandschaften. Diesen Ball kann man leicht an die Planungsseite weiterspielen, denn sie entscheidet zusammen mit dem Auftraggeber letztlich über das Finish eines Gebäudes. Für WDV-Systeme stehen eine Vielzahl von Beschichtungen und Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Vom Putz als traditionelle Fassadenfläche über Keramik bis zur Steinfassade ist alles möglich. Klinkerriemchen können auf Wunsch im Regionalkolorit gebrannt werden. Ebenso können Lisenen oder andere Schmuckelemente an der Fassade Akzente setzen. Die Zahl sehr gut gelungener und optisch ansprechender Lösungen ist weitaus größer als die der oft zitierten Negativbeispiele, die es zweifellos auch gibt und bei denen sich über vieles, was hier erwähnt ist, hinweggesetzt wurde. Man kann auch ohne den Einsatz von WDV-Systemen eine Fassade „verschandeln“, auch dafür gibt es Beispiele.

WDVS Marktentwicklung 1991 bis 2010

Die Technik entwickelt sich weiter, die Lambdawerte heutiger Dämmstoffe in WDV-Systemen zeigen die erhöhten Leistungen dieser Materialien und ermöglichen geringere Dämmstoffdicken bei gleichzeitig höherer Dämmleistung. Diese Systeme werden kontinuierlich weiterentwickelt und entkräften das auch immer wieder gern zitierte Bild von den Schießscharten oder dem eingeschränkten Lichteinfall.

Natürlich gibt es auch Objekte im Bestand, die eine energetische Fassadensanierung auf der Außenseite etwa aufgrund von Platzmangel nicht zulassen oder bei denen aus Denkmalschutzgründen das Erscheinungsbild der Fassade unbedingt erhalten bleiben soll. Für solche Fälle bieten der Fachverband WDV-Systeme und seine Mitgliedsunternehmen hochwirksame Innendämmsysteme, mit denen sich bei fachgerechter Planung und Ausführung ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen lassen.
Wie fit sind die Architekten?

Energetische Fassadensanierung

Wichtig ist, dass sämtliche Details bei der energetischen Fassadensanierung sensibel und fachgerecht geplant werden. Dies betrifft natürlich die Technik, gilt bezogen auf die Optik insbesondere für die Fensterachsen-Planung, denn erfolgt diese nicht im erforderlichen Maße, können etwa überdimensionierte Faschen schon zu einem veränderten Fassadengesamteindruck führen. Dies stellt allerdings einen Planungsmangel dar und kann nicht dem WDV-System angelastet werden. Bei Bestandsbauten bleibt daher vor allem die Sensibilität des Architekten gefragt. Wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass energiebewusstes Bauen in den Lehrplänen oder in der universitären Ausbildung mehr Bedeutung bekommt, denn die Zukunft des Bauens stellen bereits heute das Null- oder das Plusenergiehaus dar.

Im Bestand muss der Gebäudehülle und deren Konstruktion mehr Beachtung geschenkt werden. Auch hier weisen die Lehrpläne im Architekturstudium noch erhebliche Lücken auf. Erst wenn die Bestandsmodernisierung den gleichen Stellenwert wie der Neubau bekommt, können diese Wissensdefizite vielleicht ausgeglichen werden.
Auch in der öffentlichen Diskussion gibt es diese Mängel an Information. Die Planungsseite müsste ein Interesse haben, dass potenzielle Auftraggeber nicht – wie zuletzt häufiger geschehen – mit ebenso phantasievollen wie falschen Informationen rund um die energetische (Fassaden-) Sanierung verunsichert werden.
In Teilen der Wirtschafts- und Tagespresse tauchen immer wieder Vorurteile gegenüber WDV-Systemen auf, die von der Schimmelbildung bis hin zur „Atemlosigkeit“ des Gebäudes reichen. Diese Bereiche sind wissenschaftlich untersucht, die Aussagen längst widerlegt. Dass ein Bauwerk nicht atmen kann, ist bauphysikalisches Basiswissen; außenseitig gedämmt Wände weisen an ihrer Innenseite eine höhere Temperatur auf als ungedämmte Wände. So wird Schimmelpilzbildung verhindert, nicht gefördert. Voraussetzung hierfür ist allerdings auch hier eine fachgerechte und fehlerlose Planung und Ausführung.

Ein energetisch saniertes Haus reagiert zudem anders auf das Nutzerverhalten. Richtiges Lüften (manuell oder mit Lüftungssystemen) ist unabdingbar. Hier dürfen alle Beteiligten nicht müde werden, aufklärerisch tätig zu sein.

WDV-Systeme sind nachhaltig

In lückenloser Bauüberwachung hat der Fachverband WDV-Systeme das Alterungsverhalten der Systeme gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut über mehr als zwei Jahrzehnte begleitet, alle Erkenntnisse dokumentiert und Nachweise zu Langlebigkeit und Umweltverträglichkeit geliefert. Auch wenn es mancher nicht wahrhaben will: Fakt ist, dass es keine EPS-Müllberge gibt. Es werden zurzeit so gut wie gar keine montierten WDV-Systeme zurückgebaut, da ihre Lebensdauer wesentlich länger ist als angenommen. Bei älteren Dämmmaßnahmen mit WDV-Systemen in dünneren Materialdicken, wie sie früher üblich waren, findet eine Aufdoppelung statt. Die wenigen EPS-Abfälle, die entstehen, werden vom Markt als Recycling-Material nahezu vollständig aufgenommen und dem Wertstoffkreislauf zugeführt.

Diesen Prozess gibt es in offiziellen Dokumenten zum Nachlesen: WDV-Systeme haben weltweit als erste Gruppe von Baustoffen eine Environmental System Declaration (ESD) vorzuweisen und damit die Nachhaltigkeit von neutraler Stelle geprüft unter Beweis gestellt. Als in Europa noch über EPD diskutiert wurde, hat der Fachverband WDV-Systeme bereits reagiert und eine Ökobilanz erstellt. WDV-Systeme sparen ein Vielfaches ihrer Herstellungsenergie ein. Da sich die Lebensdauerzyklen entgegen vieler Negativprognosen wesentlich verlängern, steigt auch das Energieeisparvolumen in Bezug auf den Herstellungsaufwand.

Fazit

Nicht erst seit Fukushima ist bekannt, dass die Gebäude-Energieeinsparmenge im Bestand etwa fünfmal höher ist, als alle AKW in Deutschland zusammen an Energie produzieren. Daher sieht es der Fachverband WDV-Systeme als sinnvoll an, erst die Hülle der Gebäude zu dämmen (von außen oder von innen) beziehungsweise energetisch zu optimieren (also auch Fenster, Dach, Geschossdecken einzubeziehen) und dann den so geminderten Bedarf mit regenerativen Energieträgern zu erzeugen. So ergänzt sich energiebewusste Planung mit den notwendigen Anstrengungen zum Klimaschutz.
Natürlich gibt es Alternativen zu jedem Verfahren und jedem System. Allerdings stellt sich bei vielen ambitionierten Vorschlägen auch die Kostenfrage beziehungsweise die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Bauen, Wohnen und Vermieten sind an einer Bereitschaftsskala zu messen, und diese muss ökonomisch und ökologisch sinnvoll sein, sonst verzichten die Investoren auf die Baumaßnahme. Hier kann und wird noch viel geforscht und optimiert werden. Derzeit gibt es zu den bewährten Dämmstoffen und Dämmsystemen keine vergleichbaren Bauweisen oder Verfahren, die Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit besser in Einklang bringen.
Wenn alle am Bau Beteiligten gewerkeübergreifend zusammenarbeiten, ist energiebewusstes Bauen als Stand der Technik ohne große Probleme realisierbar. Ob dies mit WDV-Systemen, mit einer Innendämmung oder mit anderen Verfahren und Materialien geschieht, bleibt letzten Endes eine Entscheidung des Auftraggebers und seines Architekten.

Dr. Wolfgang Setzler, Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme