Nachhaltiges Bauen

Neubauten: Ökonomie, Ökologie und Sozio-Kulturelles

Neubauten: Ökonomie, Ökologie und Sozio-KulturellesNachhaltiges Bauen ist mehr als nur eine Modeerscheinung. Werden Gebäude unter Berücksichtigung der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Sozio-Kulturelles geplant, gebaut und betrieben, dann ist nachhaltiges Bauen eine echte Win-win-Situation. Es kostet weniger und ist für alle Beteiligten mit Vorteilen verbunden.

Der Begriff Nachhaltigkeit, der in letzter Zeit häufig überstrapaziert wurde, stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Hierunter versteht man, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie nachwachsen kann. Nachhaltigkeit und die damit verbundene Lebenszyklusbetrachtung lassen sich aber auf sämtliche andere Bereiche des Lebens übertragen. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltagsleben ist die Nutzung von Einwegpapierhandtüchern im Vergleich zu Stoffhandtüchern oder einem elektrisch betriebenen Händetrockner. In allen Fällen geht es um die Auswirkungen im Rahmen des Lebenszyklus.

Bezogen auf die Bau- und Immobilienbranche werden die Begriffe ganzheitliches Bauen oder nachhaltiges Bauen vielfach auch synonym benutzt. Sie beinhalten das Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden unter Berücksichtigungen der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Sozio-Kulturelles, aus denen sich wiederum Schutzziele ableiten lassen. Bezogen auf den Baubereich sind dies beispielsweise: Werterhalt des Gebäudes sowie geringe laufende Betriebskosten, Schutz des Ökosystems und der Ressourcen und Ästhetik, Gesundheit sowie Behaglichkeit.

Nachhaltiges Bauen ist in der Regel mit geringen zusätzlichen Aufwendungen bei der Investition verbunden, führt langfristig jedoch zu einer mehrfachen Kostenreduzierung in der Nutzungsphase. Stellt man diese Aspekte einander gegenüber, lässt sich Nachhaltigkeit insbesondere im Bereich des Bauens positiv bilanzieren. In diesem Zusammenhang kommt der Prozessqualität während der Planungs- und Bauphase eine ganz besondere Bedeutung zu. So legen beispielsweise integrale Planungen im Team und Qualitätssicherung während der Bauzeit bereits in einer frühen Phase die Qualität des Gebäudes fest und haben damit erhebliche Auswirkungen auf die positiv verlaufende Nutzungsphase. Professor Dr.-Ing. Frank Ulrich Vogdt von der TU Berlin bringt es auf den Punkt: „Bauphysik und Baukonstruktionen sind untrennbar mit der Nachhaltigkeit verknüpft.“

Nachhaltige Gebäude heben sich aber nicht nur durch die Prozessqualität von üblichen Gebäuden ab, sondern auch durch ihre technische Qualität. Dies betrifft unter anderem die verwendeten Materialien. Ressourceneffiziente Baustoffe, wie beispielsweise Kalksandstein, verbunden mit der Philosophie der Kalksandsteinindustrie und der Funktionswand, also der konsequenten Funktionstrennung der Bauteilschichten von Außenwandkonstruktionen, können nachhaltige Konzepte gut unterstützen. Grundsätzlich ist eine Lebenszyklusbetrachtung durchzuführen, um die Inanspruchnahme von Ressourcen zu senken und ökologische Wirkungen zu erreichen.

Geringer Betriebskosten amortisieren Investitionen

Nachhaltiges Bauen heißt „für den Menschen bauen“ und ist daher insbesondere für Architekten und Wohnungsunternehmen interessant. Architekten haben die Möglichkeit, durch einen entsprechend zu honorierenden höheren Planungsaufwand ein Vielfaches an Reduzierung der Betriebskosten zu erzielen. Für Wohnungsbauunternehmen ergeben sich Umsatzsteigerungen aufgrund der höheren Investitionskosten, die sich jedoch für den Nutzer in der Betriebsphase aufgrund von geringeren Betriebskosten amortisieren. „Nachhaltiges Bauen ist also eine echte Win-win-Situation“, erläutert Vogdt.

Messbar ist nachhaltiges Bauen anhand der Lebenszykluskosten. Bei üblichen Gebäuden sind die Betriebskosten derzeit so hoch, dass sie bereits nach wenigen Jahren die Investitionskosten übersteigen. Optimierte Investitions- und Betriebskosten hingegen zählen zu den guten Argumenten beim Kauf oder Verkauf der Wohnung oder des Hauses. Damit kostet nachhaltiges Bauen nicht mehr, sondern weniger. Zudem bietet die KfW-Bank zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse an, die sich auf verschiedene Aspekte des nachhaltigen Bauens stützen, wie die Minimierung des Energieverbrauchs sowie den Einsatz regenerativer Energieträger.

In die Betrachtungen müssen auch die sich verändernden Randbedingungen wie der demografische und der klimatische Wandel einbezogen werden. Beim Klimawandel stehen die Aspekte der Emissionsminderung im Vordergrund, während es im Hinblick auf den demografischen Wandel insbesondere um Nutzungsflexibilität beziehungsweise der Flexibilität der Grundrisse oder die Barrierefreiheit geht.

Dipl.-Ing. Bernd Niebuhr, Fachjournalist, Hannover
Bild: Nachhaltiges Bauen heißt „für den Menschen bauen“ und ist daher insbesondere für Architekten und Wohnungsunternehmen interessant. (Bundesverband Kalksandsteinindustrie)