Urbanes Wohnen im Holzfertigbau - ein siebenstöckiges Passivhaus mitten in Berlin ist jetzt mithilfe von großformatigen Holztafelwänden und Kork-Lehm-Dämmung realisiert worden. Das Gebäude braucht auch dank der Holzfertigbauteile gerade einmal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr an Heizwärme – ein energetischer Spitzenwert, der bei hohen Stadtgebäuden selten erreicht wird.
Das Bauprojekt im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg zeigt, wie sich natürliche Baumaterialien bei einem 22 Meter hohen Wohnhaus einbinden lassen. Dort haben sich umweltbewusste Bauherren zusammengetan. Ihr Ziel: ein energiesparsames Wohnhaus mit sieben Geschossen und Geschäftsräumen im Erdgeschoss. Ihr Traum: nachhaltiges Bauen und gesundes Wohnen in einem „Leuchtturm“ im steinernen Häusermeer der Hauptstadt. Die beauftragten Architektinnen haben sich für ein Hybridhaus entschieden – eine Verbindung aus Betonbau für Decken und Tragestruktur und innovativen Holzbauelementen bei Fassade und Innenwänden.
Angenehmes Raumklima durch Lehm-Kork-Platten
Das Betonskelett, das die Traufhöhe von 22 Metern erreicht, wurde mit im Werk vorgefertigten Holztafeln mit dreilagiger Wärmedämmung bestückt. Die Wandelemente sind aufgrund der optimalen Dämmwirkung des Holzes nur 43,5 Zentimeter dick. Die Innenseite ist mit speziellen Lehm-Kork-Platten ausgekleidet worden, die trotz nur 6 Zentimetern Stärke die Dämmung des Gebäudes auf Passivhausstandard bringen. Der mehrschichtige, diffusionsoffene Wandaufbau sorgt – gemeinsam mit 2 Zentimetern Lehm-Innenputz – für behagliches Wohnen und ein angenehmes Raumklima im Haus.
Holzfertigbauelemente im urbanen Mehrgeschossbau
Die deutschen Hersteller von Holzfertighäusern sind nicht ausschließlich auf freistehende Ein- oder Zweifamilienhäuser spezialisiert, sondern haben auch Kompetenzen im Geschossbau. Typisch für das sogenannte „verdichtete Bauen“ in Großstädten sind mehrgeschossige Wohngebäude auf kleiner Grundfläche. „Mit dem Holzfertigbau zieht mehr Energieeffizienz in die Zentren der Ballungsräume ein“, sieht Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF), Potenzial für mehr städtische Mehrfamilienhäuser mit Holz. Er plädiert für Mut zum Neubau: „Oft lohnt sich bei maroden Altbauten keine Sanierung mehr. Dann ist es günstiger, energieeffizient neu zu bauen. Dafür bieten sich Häuser mit Holzfertigbauelementen an.“
Holz ist der Baustoff der städtischen „Klima-Avantgarde“
Noch ist der „grüne Siebengeschosser“ in Berlin eine Ausnahme. Aber ähnliche Projekte stehen schon vor der Tür. Gestartet werden sie von mutigen Architekten und Bauherren, die das Besondere wollen. Leben mit Holz, Kork und Lehm mitten in der Metropole – dies wird für eine umweltbewusste Klientel immer attraktiver. Viele verstehen sich als eine Art „Klima-Avantgarde“ und wollen etwas für den Klimaschutz tun. Das schafft Holz besonders gut, weil für die Dauer der Nutzung CO2 gebunden wird.
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red
Bild: Holztafelelemente bilden die Fassade des Passivhauses in Berlin. (Haacke-Haus/BDF)
