Kaum ein Name wird wohl so häufig mit Erfassung und Abrechnung von Energie, Wasser und Hausnebenkosten genannt wie Ista, der Global Player mit Stammhaus in Essen. Das Dienstleistungsangebot des Unternehmens baut auf einer breiten Palette präziser Mess- und Erfassungsgeräte auf. Neuester Clou: Smart Meter. Was es mit dieser Technik auf sich hat und was ein Messdienstleister mit Energieeinsparung zu tun hat – darüber hat sich Liegenschaft aktuell mit dem Geschäftsführer Walter Schmidt unterhalten.
Die EU und die Bundesregierung haben ehrgeizige Klimaschutzziele vereinbart. In diesem Zusammenhang steht die Wohnungswirtschaft nun vor großen energiewirtschaftlichen Herausforderungen. Wie hat sich Ista auf diese Herausforderungen eingestellt?
Ista arbeitet schon lange am Thema Energieeinsparung – lange bevor EU und die Bundesregierung den Klimaschutz politisch entdeckt haben. Wir nutzen unsere Stellung als internationaler Marktfühler intensiv, um den Verbrauch in privaten Haushalten – sie tragen mit 30 Prozent zum Gesamtverbrauch bei – weiter zu senken. Zum Beispiel, via Smart (Sub-)Metering, sprich: Energiedatenmanagement. Verbraucher wollen ihren Energieverbrauch einsehen können; nur wer weiß, an welcher Stelle er wann wie viel verbraucht, kann seinen Verbrauch steuern. Was das Energiedatenmanagement betrifft, hat der deutsche Markt einiges aufzuholen, andere Märkte sind uns hier weit voraus. Da Ista die Hälfte des Umsatzes in anderen Ländern erwirtschaftet, haben wir in diesem Bereich einen reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatz. Ich halte Ista daher für dasjenige Unternehmen, das in Bezug auf Energiedatenmanagement hierzulande am besten aufgestellt ist.
Ohne Smart (Sub-)Meters, also intelligente Zähler, kein Energiedatenmanagement. Wann ist die Technik von Ihrer Warte aus hierzulande marktreif?
Im Bereich Energiedatenmanagement sind wir schon jetzt Innovationsführer der Branche. Bereits heute sind wir in der Lage, über Symphonic Sensor Net und unsere EDV-Infrastruktur die Daten von der Messstelle bis in die IT-Systeme vollautomatisch und zeitnah zu übertragen sowie über unser Web-Portal den Endkunden visualisiert zur Verfügung zu stellen. In dieses vernetzte System sind intelligente Strom- oder Gaszähler leicht zu integrieren. Im Praxistest bewährt sich das gerade schon in einigen Musterliegenschaften.
Ist Verbrauchstransparenz tatsächlich ein Herzenswunsch der Mieter? Schließlich kennen viele Bundesbürger ihre Heizkosten nicht, wie eine von Ista in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage ergab.
Ista hat herausgefunden, dass eine große Mehrheit der Bundesbürger Interesse an einem transparenten Verbrauch hat. Den Menschen ist durchaus bewusst, wie viel ökologisches und ökonomisches Potenzial dieses Thema birgt. Die Einführung der verbrauchsabhängigen Abrechnung hierzulande war ein erster wichtiger Schritt: sobald gemessen wird, wird auch weniger verbraucht. Die Einführung von Smart (Sub-) Metering wird ein weiterer Meilenstein sein. Ich bin mir sicher, dass alle von der Transparenz profitieren: Mieter, Vermieter, Volkswirtschaft und, nicht zu vergessen, die Umwelt.
Das neue Ista-Funksystem zur Erfassung von Verbrauchsdaten ist nun auf dem Markt. Welche Vorteile hat das System? Wie stark ist die Funktechnik in Ihrem Messgerätebestand überhaupt vertreten?
Unser neues System ist, anders als die anderen auf dem Markt angebotenen, bidirektional. Das heißt bei unserem System kann jedes Endgerät mit jedem anderen Endgerät kommunizieren und dessen Daten weiterleiten. Auf diese Weise werden die Daten der Endgeräte über unterschiedliche Wege zu einem zentralen Punkt beziehungsweise von diesem zu den Endgeräten gesendet. Das neue Herzstück bildet die Kommunikationseinheit, die die direkte Verbindung der Liegenschaft in die IT-Systeme von Ista herstellt. Für diese Idee hat Ista übrigens den Innovationspreis M2M Best Practice Award gewonnen. Das System ist zukunftssicher: Die unterjährige Umstellung des Abrechnungsstichtags durch den Wechsel von Öl auf Gas ist genauso möglich wie die Fernparametrierung der Geräte. Veränderungen werden dem Erfassungsgerät nun einfach per Funk zum Beispiel vom Treppenhaus aus oder über die Kommunikationseinheit mitgeteilt – das Betreten der Wohnung entfällt und ist nur noch für den Regelaustausch der Geräte erforderlich. Das Funksystem von Ista bildet die Basis für ein effizientes Energiedatenmanagement. Künftig können sich interessierte Mieter schnell und mühelos durch Internet-Portale über ihren persönlichen Energieverbrauch informieren.
Warum sollten Wohnungsunternehmen diesen Technologieschritt in Richtung Funktechnik gehen? Lohnt sich der Einsatz von Funktechnik auch für den kleineren Vermieter?
Und wie es sich lohnt! Über 80 Prozent des Neugeschäfts macht heutzutage die Funktechnik aus. Ein Funksystem ist kein Premiumsegment mehr, sondern ein ausgeprägtes Marktbedürfnis. Auch kleinere Vermieter haben zunehmend Mieter, die eben diese Vorteile der Funktechnik nutzen wollen. Nicht zuletzt, weil die Abrechnung schneller erfolgt. Mit Funktechnik wird der Ableseprozess schlicht und einfach automatisiert, übrigens mit der Sicherheit, dass Daten fehlerlos vom Endgerät direkt in die Abrechnungssysteme gelangen. Und das bewirkt, dass die Abrechnungsqualität steigt, dass Rückfragen abnehmen und die Vermieter dadurch entlastet werden.
Ista, so war in einer Unternehmensmeldung zu lesen, will das Wachstum klar fortsetzen. Aber auf welche Weise wollen Sie denn diese Zuwächse in Deutschland und auf anderen Märkten realisieren?
Bis dato hat Ista eine erfreulich gute Entwicklung hingelegt. Auf dem deutschen Markt, unserem Heimat- und Hauptmarkt, findet derzeit ein starker Verdrängungswettbewerb statt. Glücklicherweise kann sich Ista differenzieren. Ich möchte betonen, dass kein anderes Unternehmen die Digitalisierung und prozessuale Vernetzung in der Wohnungswirtschaft so weit vorangetrieben hat wie Ista. Dabei haben wir die Nähe zu unseren Kunden immer im Vordergrund gesehen: mit etwa 200 Mitarbeitern im Außendienst vor Ort bei den Kunden und über 1400 Mitabeitern an 23 Standorten.
Hat die momentane Wirtschafts- und Finanzkrise Auswirkungen auf die Entwicklung Ihres Unternehmens?
Unser Geschäft steht und fällt mit unseren Kunden. Ista hat rund 250.000 Kunden allein in Deutschland, und in allen Fällen ist dies eine langfristige und sehr stabile Geschäftsbeziehung. Zudem würde auch in einer wirtschaftlich schwierigen Lage niemand auf die Idee kommen, die Messung von Energie einzustellen.
Um sich von Wettbewerbern abzuheben, muss auch das Dienstleistungsangebot stimmen. Verraten Sie uns: Was bietet Ista, was andere nicht haben?
In den letzten Jahren haben wir uns eine führende technologische Basis erarbeitet. Nur bei Ista bekommen Wohnungsunternehmen eine zukunftsfeste Technik im Bereich Funk. Und sie bekommen das breiteste Spektrum an Prozessintegration, egal, ob kommunal- oder privatwirtschaftlich. Prozesseffizienzsteigerung und damit auch die Kostensituation sind wesentliche Themen für Wohnungsunternehmen; wir haben dafür Lösungen zum Beispiel mit der Integrierten Abrechnung, dem Wärme-Contracting, dem Energiedatenmanagement und unserem Rauchwarnmelderservice.
Im Bereich Integrierte Abrechnung kooperieren Sie seit vier Jahren mit Aareon. Vor kurzem stellten Sie ein gemeinsames Produkt mit der ESS AG vor. Was bringen Ista und Ihren Kunden diese Partnerschaften?
In Zeiten, da die Warmmiete – nahezu unkontrolliert – steigt, lastet ein enormer Druck auf den Kaltmieten. Unsere Kooperationen bei der Integrierten Abrechung helfen der Wohnungswirtschaft, sich prozesseffizient aufzustellen und dadurch Kostenvorteile zu generieren. Mit der Integrierten Abrechnung von Heiz- und Betriebskosten bietet Ista erfolgreiche Lösungen an, indem wir alle notwendigen Prozesse zur Erstellung der jährlichen Abrechnung im wohnungswirtschaftlichen Software-System des Kunden optimieren. Viele Verwaltungsaufgaben entfallen dabei entweder vollständig oder werden von Ista übernommen. Das Ergebnis ist eine Integrierte Heiz- und Betriebskostenabrechnung in einem einheitlichen Layout, die dem Kunden in der Regel deutlich schneller zur Verfügung steht als bei der konventionellen Abrechnungsmethode.
Zusammen mit den Mannheimer MVV-Energiedienstleistungen, einem der führenden Energiedienstleister in Deutschland, hat Ista eine Tochtergesellschaft gegründet. In welche Richtung wird sich der Bereich Wärme-Contracting entwickeln?
Mit der MVV haben wir einen starken strategischen Partner gefunden, mit dem wir durch unsere gemeinsame Tochtergesellschaft Eduo bundesweit innovative und nachhaltige Energieversorgungslösungen anbieten. Ista und MVV konzentrieren sich dabei jeweils auf ihre Kernkompetenz: Ista auf das Abrechnungsgeschäft, das beim Contracting eine entscheidende Rolle spielt, und die MVV ist auf die Errichtung und den Betrieb von Energieversorgungsanlagen spezialisiert, in die besonders auch die erneuerbaren Energien eingebunden sind. Ich halte Wärme-Contracting mit den überzeugenden Energieeinsparpotenzialen für einen riesigen Markt und hoffe, dass die bisherigen rechtlichen Unklarheiten bald zugunsten der Wohnungswirtschaft, aber auch der Umwelt beseitigt werden.
Der Energieausweis für Wohngebäude ist nun schon mehr als ein Jahr Pflicht, und auch für Gewerbeimmobilien muss er seit Juli 2009 auf Verlangen vorgezeigt werden. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Ist der Ausweis bloß ein Papiertiger, wie manche behaupten, oder hat er sich tatsächlich zu einem Gütesiegel für Immobilien gemausert?
Nach unserer Einschätzung ist der Energieausweis auf einem guten Weg. Wir haben mit über 200.000 Energieausweisen bislang einen großen Erfolg erzielt. Leider hapert es noch in der Anwendung, nur selten fragen Mieter tatsächlich nach dem Ausweis. Aber solche Erziehungsprozesse brauchen eben ihre Zeit, um sich zu etablieren. Möglicherweise hat man zu schnell zu viel erwartet. Was zählt, ist der strukturierte Dialog mit den Mietern. Das beginnt beim Lüftungsverhalten und hört beim Heizverhalten nicht auf. Nur wer weiß, wie er Energie sparen kann, spart auch tatsächlich welche ein. Bislang gibt es nur sehr wenige umfassende Datenerhebungen über den Energieverbrauch in deutschen Wohngebäuden. Aber mit dem renommierten Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) haben wir einen Partner zur Erstellung eines bundesweiten Energieeffizienzindex gefunden. Die Berechnung des Energieeffizienzindex führt das IWH durch und greift dabei auf die anonymisierte Datengrundlage von Ista zurück. Aus der Analyse des Energieeffizienzindex können künftig gezielt Maßnahmen zur Energieeinsparung – zum Beispiel Gebäudesanierung – für einzelne Wohngebäude, aber auch für ganze Regionen abgeleitet werden. Unser Energieeffizienzindex ist deshalb besonders für die Wohnungswirtschaft interessant, aber auch Bereiche wie Stadtentwicklung oder Energiepolitik profitieren von diesem Instrument.
www.ista.de
Interview:
Dieter A. Kuberski, Jörg Bleyhl
Bild: Walter Schmidt ist sich sicher: „Nur bei Ista bekommen Wohnungsunternehmen eine zukunftsfeste Technik im Bereich Funk. Und sie bekommen das breiteste Spektrum an Prozessintegration, egal, ob kommunal- oder privatwirtschaftlich.“

