Direkt an der neuen Rheinpromenade in Speyer (Rheinland-Pfalz), einen Steinwurf weit vom 1000 Jahre alten romanischen Kaiserdom entfernt, entsteht eines der derzeit innovativsten Wohnprojekte Deutschlands: Die Wohnbaugesellschaft "Steber & Partner" errichtet hier in Zusammenarbeit mit den Speyerer Stadtwerken fünf Häuser mit 40 Wohnungen, die komplett ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe versorgt werden. Ein Sechstel der notwendigen Energie wird von Sonnenkollektoren gespeist und fünf Sechstel aus dem Abwasser der Speyerer Bürger.
Wie sagt man so schön in der etwas derben Pfälzer Mundart: Da wird aus Scheiße Geld gemacht. Zumindest bleibt die Wärme, die sonst durch den Abwasserkanal buchstäblich hinabgespült wird, hier künftig nicht mehr ungenutzt. „Großes Kompliment an den Investor und die Stadtwerke. Das Projekt ist pfiffig“, sagte Margit Conrad dann auch beim Spatenstich für das Pilotprojekt. Damit werde das Abwasser, das bisher nur lästig war und aufwändig geklärt werden musste, zur heimischen Energie-Ressource. Das Umweltministerium fördere diese deutschlandweite Pilotanlage deshalb gerne mit 130 000 Euro.
Bauherr Anton B. Steber (Steber & Partner) betont die Einmaligkeit der Lage der fünf Stadtvillen mit je sieben oder acht Wohnungen zwischen 80 und 262 Quadratmetern zwischen dem Rhein und dem Kaiserdom und mit direktem Zugang zur neuen Rheinpromenade und zur Marina. Nirgends sonst ist derzeit ein Projekt in Arbeit, das Wohnen am Rhein mit einem Liegeplatz für das eigene Boot verbindet. Das Besondere sei, dass man ohne fossile Brennstoffe auskomme.
Die Idee stammt von den Speyerer Stadtwerken, die drei international anerkannten Institute Steinbeis-Transferzentrum Stuttgart, Ryser Ingenieure Bern und Eam Zürich haben die Machbarkeit geprüft und das Projekt weiterentwickelt. 28 Quadratmeter große Sonnenkollektoren liefern ein Sechstel der Energie. Der Rest wird dem großen Abwasserkanal entzogen, der in 100 Meter Entfernung hier Richtung Kläranlage fließt. Darin ist das Abwasser aus Speyer unterwegs, das eine Temperatur zwischen 12 und 18 Grad hat. Ein etwa 100 Meter langer Einbau aus Beton und Rohren entzieht dem Abwasser die Wärme und wird per Wärmepumpe zur Energienutzung in den Stadtvillen aufbereitet. Das spart jährlich 60 Tonnen CO2 ein. Und die meist gestellte Frage sei auch gleich beantwortet. Natürlich gibt es durch das Abwasser kein Geruchsproblem. Denn das Abwasser selbst geht nicht in den Heizkreislauf sondern nur dessen Wärme, die sauberes Wasser über das Röhrensystem dem Abwasser entzieht.
Modern auch die Abwicklung: Betreut wird die Anlage von den Stadtwerken, die auch die Investition tätigen und die durch einen Monatsbeitrag bei den Bewohnern, der unter den üblichen Nebenkosten liegt, refinanzieren. Lediglich ein Fünftel der Kosten ist dabei von möglichen Steigerungen betroffen. Das steigert in Zeiten unsicherer Energieversorgung und spekulativer Weltwirtschaft natürlich den Wert der Immobilie deutlich. Einziges Risiko, so Bauherr Anton Steber: "Wenn die Speyerer nicht mehr duschen und aufs Klo gehen, dann geht uns die Wärme aus." www.steber24.de
Bild: Fröhlich am Wasser gebaut: Diese neuen Mehrfamilienhäuser am Speyrer Yachthafen werden künftig mit Wärme aus dem Abwasser versorgt. (Steber & Partner)

