Fassaden mit hohem Glasanteil stehen unter dem Aspekt der Energieeffizienz besonders in der Diskussion. Zukunftsfähige Lösungen müssen unterschiedliche Ansprüche an Energieeinsparung und Nutzerkomfort mit rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Einklang bringen. Welche Möglichkeiten bietet das Bauen mit Glas und wie sehen die aktuellen Fassaden-Trends aus?
Ein hoher Glasanteil bei Fassaden stellt unter dem Aspekt der Energieeffizienz von Gebäuden besondere Anforderungen an die Planung und Ausführung. Die Verschärfung der Energieeinsparverordnung hat allerdings den Wärmeschutz zu einem der bedeutendsten Themen bei Glasfassaden gemacht. Die Folge: Dreifach-Isolierglas, wie SGG Climatop mit einem thermisch getrennten Abstandshalter in entsprechend dämmenden Rahmensystemen, wird zunehmend zum Standard. Dabei können Dreifach-Isoliergläser mit Zusatzfunktionen wie Sonnenschutz und Schallschutz kombiniert werden. Grundsätzlich gilt: Was bisher mit Zweifach-Isoliergläsern möglich war, wird jetzt auch von Dreifach-Isoliergläsern erwartet. Auch die Integration von Sicherheitsfunktionen in das Glas spielt eine zunehmend größere Rolle – von der passiven Sicherheit über die Absturzsicherung bis hin zum Einsatz von durchbruch-, durchschuss- und explosionshemmenden Gläsern. Im Hinblick auf sommerlichen Wärmeschutz gilt es, Anforderungen an maximalen Sonnenschutz einerseits mit größtmöglichem Tageslichteinfall andererseits bei bestmöglichem Ug-Wert zu vereinen. Hier sind Sonnenschutzgläser wie das neue SGG Cool-Lite-Xtreme 60/28 eine Lösung, da es über eine Selektivität größer zwei verfügt und einen Ug-Wert von 1,0 W/m2k im Standardaufbau hat. „Das Verhältnis von Lichttransmission zu Gesamtenergiedurchlassgrad wurde mit diesem Sonnenschutzglas auf ein neues Niveau gehoben. Das Wertepaar 60/28 und die absolute Neutralität haben schon zu sehr positiven Reaktionen bei Planern und Architekten geführt“, zeigt sich Peter Fromhold, Objektberater bei Saint-Gobain Glass Deutschland zufrieden. Das neue Sonnenschutzglas kann auch bei Dreifach-Isoliergläsern zum Einsatz kommen. Bei Atriendächern und –fassaden kann diese Kombination ihre Vorteile ausspielen.
Das Atrium als Klimahülle
Mit Atriendächern und -fassaden lassen sich energetisch sparsame Heiz- und Kühlkonzepte von Gebäuden realisieren. Für Herwig Barf, Teamleiter Fassade bei der DS-Plan Ingenieurgesellschaft Stuttgart, bietet eine Loslösung der äußeren Hülle von den eigentlich raumbegrenzenden Innenfassaden hinsichtlich des ökologischen Konzepts wesentliche Vorteile: So fungieren Kalt- und Warmatrien gleichsam als isolierende Klimahülle. Pufferräume vor den Arbeitsbereichen im Inneren von Gebäuden verbessern nicht nur das Verhältnis von Hüllfläche zu Raumvolumen. Sie ermöglichen, so Barf, auch das ganze Jahr über eine individuelle Fensterlüftung und vermeiden eine starke Auskühlung im Winter. Auf der Nordseite fungieren Atrien als unbeheizte „Wintergärten“, deren Temperatur auch im Winter nicht unter 5 °C fällt. Werden Atrien auf der Südseite als leicht temperierte, stützenfrei überspannte Räume ausgeführt, lassen sich dort Aufenthaltsbereiche einrichten, die rund ums Jahr als Arbeitsplätze genutzt werden können. Im Winter führt die Überströmung der erwärmten Luft aus den Bürobereichen in einem Nebeneffekt zugleich zur leichten Temperierung der Atrien. Lüften die Nutzer nicht über die Atrienfassade, kann die Wärmeenergie der Abluft zum Beispiel mittels einer Wärmerückgewinnungsanlage wieder der mechanischen Grundlüftung der Büroflächen zugute kommen. Ein weiterer Vorteil von Atrien sind die große Transparenz und Tageslichtausbeute, die eine gute Tageslichtversorgung auch in den unteren Ebenen garantieren.
Fassaden der Zukunft
Die Verschärfung der EnEV hat allerdings auch Auswirkungen auf die Fassaden der Zukunft. In Abhängigkeit von der Gebäudenutzung und den Anforderungen an die Fassade könnten dabei möglicherweise Kastenfensterkonstruktionen mit Dreifach-Isolierglas, externem Sonnenschutz und einer äußeren Prallscheibe zunehmen. Eine weitere Entwicklung geht in Richtung so genannter Closed-Cavity-Fassaden. Dabei handelt es sich um Doppelfassaden, deren Fassadenzwischenraum keinerlei Öffnungen, weder nach außen noch nach innen, hat. Die Vorteile sind sehr hohe Dämmeigenschaften und sehr gute Gesamt-g-Werte bei möglicher, raumhoher Verglasung. Wobei das Konzept der geschlossenen Doppelfassade, auf Grund der damit einhergehenden Parameter wie erforderliche Trocknung der Luft im Fassadenzwischenraum, Vermeidung von Kondensat sowie absolute Dichtigkeit der Fugen und Anschlüsse nach Einschätzung von Barf kein großes Wachstumspotenzial verspricht, „da bei solchen Fassaden unter anderem der Nutzereingriff, sprich natürliche Be- und Entlüftung, nicht möglich ist“.
„Glas wird weiter eine wichtige Rolle spielen.“
Die Fassaden der Zukunft werden aber nicht nur helfen, Energie zu sparen. Teile der Fassade werden überall dort, wo es sinnvoll ist, zur Energie-, Strom- und /oder Warmwassererzeugung genutzt werden – fassaden- oder glasintegrierte Fotovoltaik ist hier ein Stichwort. Eine echte Verringerung des Anteils von Glas in der Fassade ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, nach Ansicht von Peter Fromhold, nicht abzusehen: „Die aktuellen technischen Möglichkeiten von hoch dämmenden Verglasungen verleiten gerade zu einer verstärkten Nutzung von Glas zur Schaffung von natürlich beleuchteten Arbeits- und Lebenswelten in modernen Gebäuden. Da wird Glas weiter eine wichtige Rolle spielen.“ www.climaplu-securit.com
Bild: Atrien wirken das ganz Jahr wie ein isolierender Klimapuffer – ein Grund, warum Dreifachisolierglas mit Sonnenschutz häufiger zum Einsatz kommt. (Christoph Seelbach)

