Weru-Thermico – weniger Heizkosten, mehr Komfort


Im Gespräch mit Dr. Carl-Heiner Schmid

„Die Mitarbeiter sind nicht bei Heinrich Schmid – sie sind Heinrich Schmid!“

Im Gespräch mit Dr. Carl-Heiner SchmidWas haben der Europäische Gerichtshof in Luxembourg, eine Douglas-Filiale in Rheine, eine Anwaltskanzlei in Stuttgart und das Privathaus in Basel gemein? Ganz einfach: Mitarbeiter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid sind dort als Maler oder Ausbauer tätig gewesen. Haus & Grund Württemberg hat mit Dr. Carl-Heiner Schmid, Chef des in Reutlingen ansässigen Unternehmens, gesprochen.

Klassische Malerarbeiten im Innen- und Außenbereich sind das Kerngeschäft des Unternehmens Heinrich Schmid. Aber auch Ausbauarbeiten gehören zum Repertoire. Wie ist die Unternehmensgruppe generell aufgestellt?

Auf dem Bau gibt es drei Großgewerke: Rohbau, Technik und Ausbau. Wir haben uns für das Großgewerk Ausbau entschieden, weil wir firmenintern einen Großteil der Gewerke selbst abdecken können. Wir geben nur in Einzelfällen – und dann gezielt – an Subunternehmer weiter. Diese speziellen Firmen genießen unser Vertrauen. Wir treten also nicht als der klassische Generalunternehmen auf. Das One-stop-shopping, das ja die Treibstoffversorger mit ihren Tankstellen perfekt leben, greift zunehmend auch in der Baubranche. Wir haben damit mehrere Anlässe, um mit einem Bauherrn zu sprechen, und können ihn umfänglich beraten.

Das Unternehmen wurde im Jahr 1914 in Metzingen gegründet. Seitdem haben sich stetig neue Technologien in der Fertigung und mittlerweile energieeffiziente Baustoffe entwickelt. Was ist Ihnen bei der Auftragsumsetzung in puncto Energieeffizienz besonders wichtig?
Sie haben recht. Seit 1914, das sind inzwischen 95 Jahre, hat sich eine Menge in unserem Handwerk getan. 1914 war unser wirklicher Firmengründer, mein Vater Heinrich, gerade mal drei Jahre alt. Als ich selbst ein wenig älter war – so in der zweiten Hälfte der 40er-Jahre, nach dem zweiten Krieg – erzählte er mir immer davon und von den „Königen der Baustelle“, die damals die Maler waren. Ich hörte meinem Vater immer ganz fasziniert zu. Der Ordnung halber will ich ergänzen: Zu mir und der Person meines Vaters müssen Sie noch drei weitere Generationen hinzuzählen. Heinrich Schmid hat letztendlich begonnen, in einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb. Hülben heißt die Gemeinde, ist fünf Autominuten von Bad Urach entfernt und liegt oben direkt am Albtrauf. Der Umgang mit energieeffizienten Baustoffen begleitet mich schon mein ganzes Berufsleben lang. Sei es bei den Malerarbeiten, bei den Gipserarbeiten oder im Trockenbau. Gute Energieeffizienz setzt gute bauphysikalische Kenntnisse voraus. Die normalen Dinge können wir hier mit Bordmitteln erledigen. Wenn’s schwieriger wird – und wir freuen uns auf solche Fälle –, dann setzen wir uns mit Bauphysikern zusammen und sichern per Fremdüberwachung der Baustelle, dass die komplizierten Montageanforderungen einwandfrei ausgeführt werden und der Kunde so in den Genuss des Bestellten in vollem Umfang kommt.

Und wie geben Sie neue Technologien an Ihre Mitarbeiter weiter?
Heinrich Schmid hat eine eigene Weiterbildungseinrichtung. Sie heißt Führungsakademie, an der Fach- und Führungstechniken gelehrt werden. Unter anderem laufen gerade die Kurse „Gebäudeenergieberater (HWK)“ und „Sachverständiger Schimmel (TÜV)“. Es sind bei den Energieberatern vier Teilnehmer, bei den Schimmelexperten 15 Teilnehmer (44 Teilnehmer beim Sachkundenachweis für Schimmel). Diese Kurse sind nicht die ersten Kurse, sondern das hat bereits schon ein- oder zweimal stattgefunden. Insgesamt wurden auf diesen Gebieten bei uns bereits 63 Mitarbeiter geschult. Wir möchten das weiter ausbauen, denn für unsere Kunden sind diese Wissensbereiche äußerst wichtig.

Mit der Verbindung von Bau- und Malerarbeiten decken Sie ein großes Spektrum von Dienstleistungen ab. Wie kann die Wohnungswirtschaft davon profitieren?
Bau- und Malerarbeiten sind immer auch Arbeiten in der Wohnungswirtschaft. Dabei rücken die Bereich Bauchemie und Bauphysik immer mehr in den Vordergrund. Ich nenne ableitfähige Fußbodenbeschichtungen, Wärmedämm-Verbundsysteme oder schalltransparente Anstriche, wenn es beispielsweise um schallabsorbierende Decken geht. Sei es beim Neubau oder bei der Renovierung – hier kann die Wohnungswirtschaft wirklich von unserem Spezialwissen profitieren.

Allein in der Region Mittlerer Neckar haben Sie 13 selbstständige Unternehmensstandorte mit Maler- und Ausbauleistungen. Allerdings ist im Ballungszentrum die Konkurrenz groß. Welche Strategie verfolgen Sie, um neue Kunden zu gewinnen?
Stimmt, in der Region Mittlerer Neckar sind wir gut vertreten. Diese Region ist äußerst wirtschaftsstark, und hier gibt es noch mehr als genug für uns zu tun. Wenn ich den gesamten Markt mit 100 Prozent einschätze, so sind das die zehn Finger meiner beiden Hände. Wenn wir davon 10 Prozent Marktanteil hätten – was wir aber nicht haben –, dann wäre erst ein Daumen von diesen zehn Fingern blockiert. Sie sehen also, der Markt ist unendlich groß, und unsere Strategie heißt: QSST, nämlich Qualität, Sauberkeit, Service und Termintreue, dazu natürlich noch Kundennähe und Kundenberatung. Und vor allem gehört auch dazu, zu halten, was wir versprechen. Dafür wird jeder Kunde immer ein Ohr haben.

In Zeiten der Wirtschaftskrise ist vor allem die Automobilbranche von starken Umsatzeinbrüchen betroffen. Auch einige deutsche Heinrich-Schmid-Standorte sind für Automobilproduzenten und -zulieferer tätig. Das steigert nicht gerade die Nachfrage nach Maler- und Ausbauarbeiten, oder?
Es wäre vermessen zu behaupten, die Wirtschaftskrise würde an uns spurlos vorübergehen. Dort, wo wir in größerem Umfang mit der Automobilindustrie und deren Zulieferer zusammenarbeiten, gab’s die eine oder andere Auftragsverschiebung. So etwas tut natürlich weh, insbesondere dann, wenn es nicht Sommer, sondern Winter ist. Und Bauhandwerk ist nun einmal ein saisonaler Betrieb. Doch will ich die Wirtschaftskrise nicht nur schlechtreden. Hier erkennt mancher Bauherr, dass es wohl besser ist, anstatt in Wertpapiere in Immobilien zu investieren. Und dort speziell in den Bereich der Renovierungsarbeiten. Hier haben wir das Gefühl, dass sich die Dinge bewegen.

Und was raten Sie dem ganz normalen Häuslesbesitzer? Gehört dieser auch zu Ihrem Kundenkreis?
Aber selbstverständlich nehmen wir auch die kleineren Aufträge an. Und den Hausbesitzern, die ihre Immobilie häufig fürs Alter zugelegt haben, rate ich, Geld in die Renovierung zu stecken, denn eine Altersversorgung taugt nichts mehr, wenn das Haus nichts taugt.

Welche Marktposition besitzen Sie im Vergleich zum Bau- und Malergewerbe in Deutschland und europaweit?
Im Ausbaugewerk schwimmen wir vorne mit. Wir sagen nicht, dass wir die Position 1 einnehmen, dazu ist der Markt viel zu zersplittert. Andere Betriebe leisten auch gute Arbeit, und wenn zwei unserer Mitarbeiter beim Kunden sind, so sind diese Mitarbeiter aus Sicht des Kunden nicht bei Heinrich Schmid beschäftigt, sie sind Heinrich Schmid. Diese beiden Mitarbeiter entscheiden gewissermaßen vor Ort, ob wir wiederkommen dürfen oder nicht. Betrachtet man die Dinge so, dann ist es egal, ob eine Firma einen Stamm von drei Mitarbeitern hat oder von 3000.

Wie ist die strategische Ausrichtung in der Zukunft?
Unsere strategische Ausrichtung besteht nicht in einer Spezialisierung, die da heißt: Wir wollen nur Industrie oder nur Handel bedienen. Es geht um ein ausgewogenes Kundenportfolio, und hier nimmt die Wohnungswirtschaft einen ganz wichtigen Platz ein.

Interview: Dieter A. Kuberski
Bild: Dr. Carl-Heiner Schmid (rechts) stellte sich den Fragen von Verleger Dieter A. Kuberski. Im Hintergrund ist ein Selbstbildnis seines Vaters Heinrich Schmid zu sehen.

Heinrich Schmid auf einen Blick
Einer muss den Anfang machen: Großvater Heinrich Schmid (1885 – 1965) 1914 in Metzingen. Ein Meister, ein Geselle, ein Lehrling, größer ist das Unternehmen nicht, das bis 1955 bei der Stammkundschaft im Kreis Reutlingen die Malerarbeiten durchführt. Im gleichen Jahr geht Heinrich Schmid in den verdienten Ruhestand – und schließt seinen Betrieb.
Heinrich Schmid (1911 – 1984) macht 1939 seinen Meisterbrief. Zu Beginn der 50er-Jahre legt er in Reutlingen los und macht aus einem Drei-Mann-Betrieb ein Unternehmen, das Ende der 60er-Jahre über 200 Mitarbeiter hat.
1984 übernimmt Carl-Heiner Schmid die Leitung des Gesamtunternehmens. Zusammen mit den Niederlassungs- und Regionalleitern macht er aus einem lokalen mittelständischen Handwerksunternehmen eine deutschlandweit präsente Unternehmensgruppe im Bau- und Ausbaugewerk.
Rund 2800 Mitarbeiter an 90 Standorten in Deutschland, Sitz der Unternehmensgruppe ist in Reutlingen, erwirtschafteten im Jahr 2007 einen Umsatz von 247,1 Millionen Euro, gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum eine Steigerung um 4,6 Prozent.
www.heinrich-schmid.de