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Interview mit Harald Rösch, Vorsitzender der Geschäftsführung Kabel BW

„Wir wollen Mehrwertdienste für die Kommunikation zwischen Mieter und Vermieter bieten“

Mit der Übernahme von Kabel BW durch Liberty Golbal ist Bewegung in den Markt gekommen. Das Modernisierungs-Magazin hat sich mit Harald Rösch, Vorsitzender der Geschäftsführung des baden-württembergischen Kabelnetzbetreibers, welche Auswirkungen der Kauf hat.

Nach der Übernahme von Kabel BW durch Liberty Global ist der geplante Börsengang Ihres Unternehmens vom Tisch. Ist die aktuelle Lösung die beste aller Möglichkeiten?

Interview mit Harald Rösch, Vorsitzender der Geschäftsführung Kabel BWHarald Rösch: Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan und der instabilen Lage an den Finanzmärkten war ein kurzfristiger Börsengang praktisch unmöglich geworden. Daher hat sich unser Investor EQT für das attraktive Angebot von Liberty Global entschieden. Keiner der übrigen Bieter verfügt über ein vergleichbares Know-how in unserem Markt wie Liberty Global, eines der bedeutendsten Medienunternehmen der Welt. Zum Konzern gehört nicht nur Unitymedia als zweitgrößter deutscher Kabelnetzbetreiber: Liberty Global erreicht weltweit mit seiner Kabelnetz-Infrastruktur in 14 Ländern mehr als 18 Millionen Haushalte - unter anderem in Europa, Chile und Australien. Weitere Schwerpunkte der Liberty Global liegen in den Bereichen Programmproduktion und -distribution und Internetdienste. Homeshopping und E-Commerce spielen eine immer größere Rolle. Weil Liberty Global schon heute ein großer internationaler Medienkonzern ist und mit Unitymedia bereits auf dem deutschen Kabelmarkt tätig ist, werden die Kartellbehörden den geplanten Kauf zunächst prüfen. Das wird mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin ändert sich bei Kabel BW nichts.

Sie waren in den vergangenen Jahren immer in vorderster Front bei technischen Innovationen. Wie sieht das nach der Übernahme von Liberty Global aus? Schließlich übertragen die neuen  Eigentümer die aus dem Kauf entstandenen Schulden überwiegend auf Ihr Unternehmen. Das heißt, in Zukunft werden Sie es wohl mit einer Schuldenlast von über 2 Milliarden Euro zu tun haben. Bleiben da noch Mittel für notwendige Investitionen?

Rösch: Vorausgesetzt die Kartellbehörden stimmen zu, rückt Kabel BW unter das Dach von Liberty Global und wird damit Teil eines internationalen Medienkonzern. Damit wird es leichter auch neue Produkte, die immer aufwändiger zu programmieren und umzusetzen sind, schnell und effizient einzuführen. Unser Unternehmen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wird durch unsere neue Finanzierung nicht in seiner Innovationskraft eingeschränkt. Selbstverständlich stehen weiterhin ausreichend Mittel für das Netz und die Produkte zur Verfügung. Deshalb ist auch in Zukunft sichergestellt, dass wir mit innovativen Produkten weiterhin der führende Anbieter von multimedialen Diensten im Land bleiben.

Die jetzt von Liberty Global kontrollierten Kabelnetzbetreiber Unitymedia und Kabel BW waren bisher völlig getrennte Unternehmen. Das wird sich in Zukunft wohl ändern. Wo sehen Sie Synergien?

Rösch: Die Entscheidung von EQT für Liberty Global führt uns in einem leistungsstarken Konzern in die Zukunft. Diese Stärke wird es Kabel BW ermöglichen, mit den großen Telekommunikationsunternehmen im Wettbewerb zu bestehen. Um ein Beispiel zu nennen: Nach einem möglichen Zusammenschluss könnten wir besser flächendeckend und zu günstigeren Konditionen werben als zuvor. Und wir werden auch in Zukunft mit hohen Investitionen unsere Technologieführerschaft verteidigen können. Wie dies alles in Zukunft organisiert und umgesetzt wird, ist jedoch noch nicht entschieden und wird von unserem neuen Eigentümer nach Abschluss der Transaktion mit uns zusammen erarbeitet.

Wie wichtig ist die Wohnungswirtschaft für Kabel BW?

Rösch: Die Wohnungswirtschaft hat einen sehr großen Stellenwert für uns. Über 50 Prozent unserer 2,3 Millionen TV-Kunden sind Mieter oder Eigentümer in Wohnungswirtschaftsbeständen. Daher ist es für uns besonders wichtig mit einem umfangreichen Produkt-, aber auch Service- und Beratungsangebot gerade in der Wohnungswirtschaft zu punkten.
Kein anderer Telekommunikationsanbieter kann so viele Dienste aus einer Hand anbieten, wie Kabel BW es kann. Über unser hochleistungsfähiges Kabel können wir nicht nur die Versorgung mit 400 analogen und digitalen Fernsehprogrammen, darunter auch zahlreiche fremdsprachige Sender, gewährleisten. Wir bedienen auch die Nachfrage nach schnellem Internet und nach Festnetztelefonie, Mobilfunk und seit einigen Monaten mit der Kabel BW-Videothek auch nach Filmen auf Abruf. Alle Dienste bekommen unsere Kunden ganz unkompliziert über das TV-Kabel.

Welches Geschäftsmodell haben Sie für die Wohnungswirtschaft und welche Veränderungen wird es angesichts der neuen Eigentümerverhältnisse unterzogen werden?

Rösch: Zunächst einmal hat der Verkauf grundsätzlich keine Auswirkung auf Sie als unsere Kunden und auf geschlossene Verträge mit unserem Unternehmen. Die Medienversorgung der Mieter und Eigentümer ist langfristig garantiert. Sämtliche Vertragskonditionen und Produkte sind von dem Eigentümerwechsel nicht betroffen.

Heute und in Zukunft bietet Kabel BW der Wohnungswirtschaft ein hervorragendes Leistungspaket. Kabel BW versorgt die Wohnungswirtschaft zuverlässig und zukunftssicher mit TV, Internet und Telefonie zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Kabel BW sieht sich vor allem als Partner der Wohnungswirtschaft. Deshalb ist Kabel BW nicht nur Ansprechpartner für technische Fragen rund um die Hausverkabelung sondern bietet auch eine ausführliche Beratung an. Kabel BW  wird zukünftig auch Mehrwertdienste wie das ‚Smart Metering‘ oder erweiterte Funktionen der TV-Abrufplattform anbieten. Diese könnte beispielsweise für die Kommunikation zwischen Mieter und der Wohnungswirtschaft eingesetzt werden.  Unsere mobilen Berater kommen auch gerne vor Ort und beantworten die Fragen der Eigentümer und Mieter.
Und angesichts der Diskussion um die Abschaltung der analogen Satelliten Anfang nächsten Jahres können wir auch hier Endkunden und Verwalter beruhigen: Kabelkunden von Kabel BW sind davon nicht betroffen! Kabel BW liefert weiterhin zuverlässig analoges und digitales Fernsehen und Radio in alle angeschlossenen Haushalte. Damit kann mit dem Receiver oder dem neuen Flachbildfernseher digital und auch in HD oder 3D die modernste Technik genauso genutzt werden, wie das bewährte analoge TV ohne Zusatzgerät im älteren Röhrenfernseher.

Es war Ihre Strategie, in Regionen ohne DSL-Empfang auf dem Land durch gezielten Netzausbau neue Kunden zu generieren. Ging diese Strategie auf?

Rösch: Kabel BW erreicht mit seinem Netz 75 Prozent der  Haushalte in Baden-Württemberg. Besonders abseits der größeren Städte ist Kabel BW sehr häufig der einzige Anbieter für schnelles Internet. Mit unserem Clever-Kabel-100-Produkt bieten wir zudem im gesamten Netz eine Internetgeschwindigkeit an, die doppelt so schnell ist, wie das schnellste DSL-Angebot in den Städten. Ein Angebot, von dem immer mehr Baden-Württemberger überzeugt sind. Im März konnten wir bereits unseren 700.000sten Internetkunden begrüßen. Und auch bei den TV Kunden legt Kabel BW stetig zu. Das Gesamtangebot überzeugt!

Wir danken für das Gespräch