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Keimfarben: Farbsysteme für außen und innen

Porenbetonbeschichtung, mineralische Putze und Spachtelmassen, Wärmedämm-Verbundsystemen

Silikatfarbe von KeimIn der Wohnungswirtschaft wird es wohl kaum eine Stimme geben, die die Mineralfarben von Keim nicht einen Klassiker nennt. Ein Klassiker übrigens, der bis ins Jahr 1878 zurückreicht, damals wurde die Silikattechnologie, auf der die Farben von Keim basieren, patentiert. Doch mit der Vergangenheit gibt man sich bei Keim nicht zufrieden. Konsequente Weiterentwicklung der Produkteigenschaften und eine gezielte Anpassung an die verschiedenartigen Untergründe haben die Stellung des Unternehmens als führender Mineralfarbenhersteller festigen und ausbauen können. Das Modernisierungs-Magazin hat Keimfarben zum Interview getroffen.

Das Fundament Ihres Unternehmens, die Silikattechnologie, ist ja eigentlich ein richtiger Oldie – die Silikatfarbe wurde 1878 patentiert. Was ist das Besondere an dieser Technologie?

Silikatfarben sind im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig. Aus dem Rohstoff Quarzsand und dem Katalysator Pottasche wird ein ökologisch sinnvolles Bindemittel für langlebige, unlösbar mit dem Untergrund verbundene Anstrichstoffe gewonnen. Referenzobjekte mit einer Lebensdauer von über 100 Jahren, wie zum Beispiel das Rathaus von Schwyz oder die Fassadenmalereien am Marktplatzensemble von Stein am Rhein, zeugen eindrucksvoll von diesen Eigenschaften.

Wie hat sich die Technologie weiterentwickelt – oder andersherum gefragt: ist die Silikattechnologie heute noch zeitgemäß?

Die Silikattechnologie wurde unter der Federführung von Keimfarben konsequent und innovativ vorangetrieben. Die einkomponentige Dispersions-Silikatfarbe Keim-Granital in den 60er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und universell auch auf bereits mit Dispersionsfarben beschichteten Untergründen einsetzbare Kieselsol-Silikatfarbe Keim- Soldalit sind in Bezug auf Farbtonbeständigkeit, Langlebigkeit und ökologischer Verträglichkeit die Benchmark im Vergleich aller am Markt erhältlicher Anstrichsysteme. Unterm Strich sind Silikatfarben in der Langzeitbetrachtung aufgrund ihrer Langlebigkeit, Farbtonstabilität und ihrer einfachen Renovierbarkeit die wirtschaftlichsten Anstrichsysteme.

Sie behaupten von Ihrem Unternehmen, der Generalist unter den Spezialisten zu sein. Was dürfen wir darunter verstehen?

Wir sind Spezialist, weil wir bei unseren Systemen konsequent und aus Überzeugung auf mineralische Bindemitteltechnologie setzen. Wir sind aber auch Generalist, weil wir für alle Anforderungen am Bau die passende silikatisch-mineralische Lösung anbieten.

Sie beschäftigen sich mit Farbsystemen im Außen- und Innenbereich, Porenbetonbeschichtung, mineralischen Putzen und Spachtelmassen, Wärmedämm-Verbundsystemen, Betoninstandsetzung und Natursteininstandsetzung. Welches ist der wichtigste Bereich?

Ihre letzte Frage zeigt noch einmal ganz deutlich unsere Generalistenrolle. Grundsätzlich sehen wir uns in jedem Bereich in der Position des Qualitäts- und Kompetenzführers. Die Marktnachfrage besteht jedoch in erster Linie nach den Farbsystemen für den Außenbereich, gefolgt von den Wärmedämm-Verbundsystemen. Einen weiteren überaus wichtigen Part nehmen die Innenfarben ein. Innenfarben, die aufgrund ihrer Biozidfreiheit, ihrer Allergikerneutralität und ihrer Schimmelwidrigkeit per se ein gesundes Wohnraumklima erzeugen.

Lassen Sie uns die Fassade mal aus rein optischen Aspekten betrachten. Wieso ist für Wohnungsunternehmen wichtig, Farbe und Individualität an die Außenwand zu bringen?

Wohnungsunternehmen unterliegen natürlich auch den Gesetzmäßigkeiten von Angebot und Nachfrage. Gerade in Mietermärkten legen Mieter wert auf den optischen Zustand „Ihrer“ Fassade. Unsere Erfahrung ist, dass ein ansprechendes Wohnquartier die Mieterfluktuation vermindert und Leerstände minimiert. Farblich ansprechend gestaltete Fassaden geben dem Mieter auch einen Identifikationspunkt mit dem Wohnquartier und fördern die Zufriedenheit der Mieter mit dem Wohnungsunternehmen.

Was sind aus Ihrer aktuellen Erfahrung derzeit die Trends bei der Fassadengestaltung bei Wohnanlagen, was bei Bürogebäuden?

Der Trend geht zur ganzheitlich Gestaltung von Ensembles, weg von der übertriebenen Buntheit, hin zur professionellen, dem Stil der Gebäude angepassten Gestaltung, die selbst soziokulturelle Hintergründe der Mieter erfasst.

Auf welche Weise unterstützen Sie die Wohnungswirtschaft bei der Fassadengestaltung ihrer Objekte?

Wir arbeiten zum einen viel mit bekannten, bundesweit agierenden Farbgestaltern, wie dem Büro von Garnier, Lasuveda von Frau Eble-Graebener oder dem Farb-Office von Frau Kamieth, und zum anderen natürlich auch mit eigenen Farbgestaltern. Diese Fachleute garantieren eben genau die oben genannte ganzheitliche Gestaltung.

Wie sind Sie vertriebstechnisch aufgestellt?

Keimfarben unterhält in Deutschland eine Vertriebsorganisation von 65 kaufmännisch und technisch kompetenten Mitarbeitern. Besonders hervorzuheben ist unsere Key-Account- Organisation von sechs Mitarbeitern, die sich speziell für die Belange der Immobilienwirtschaft engagieren. Ein umfangreiches Servicepaket, von der Beurteilung der Untergründe durch unser Labor für Baustoffanalytik sowie einer Baustellenbetreuung durch unsere Mitarbeiter, die übrigens überwiegend Dekra-zertifizierte Sachverständige für WDVS und Betoninstandsetzung sind, bis hin zur Farbgestaltung und technischen Schulungen unserer Kunden, wird zur Unterstützung unserer Kunden eingesetzt.

Einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena zufolge haben mehr als 15 Millionen Bundesbürger – das entspricht etwa 7 Millionen Wohnungen – ein Schimmelpilzproblem in ihren Wänden. Welche Lösungen hat Keim für dieses Problem?

Silikatisch gebundene Farben sind aufgrund ihrer Alkalität und der hervorragenden Sorptionsfähigkeit von Kondenswasser grundsätzlich schimmelwidrig. Wir haben, motiviert durch unsere positiven Erfahrungen, ein komplettes System zur giftfreien Sanierung schimmelpilzbefallener Flächen entwickelt. Wir arbeiten hier grundsätzlich giftfrei, von der einfachen Pinselsanierung bis hin zur Erhöhung der Innenraumtemperatur mit Calzium-Silikatplatten beziehungsweise hydrophilen Mineralschaumplatten. Selbstverständlich ist auch ein sorptionsfähiger Kalkputz im Angebot. Dieses System wird unter der Bezeichnung Mycal-Schimmelsaniersystem angeboten. Die Sanierungsmaßnahmen orientieren sich strikt an den Empfehlungen des Umweltbundesamts.

Ein großes Thema, das die Wohnungswirtschaft derzeit umtreibt, ist die Veralgung von Fassaden. Experten streiten sich darüber, ob dies an der Dicke der Wärmedämm-
Verbundsysteme liegt oder nur geografisch und klimatisch zu erklären ist. Welche Erklärung haben Sie?

Die positiv nachhaltigen Effekte wärmegedämmter Fassaden wie Energieeinsparung, Minimierung von CO2, werden leider oft durch den optisch störenden Befall durch Algen und Pilzen konterkariert. Wärmegedämmte Fassaden sollen den Wärmedurchlass von innen nach außen verhindern, dadurch entstehen Fassadenoberflächentemperaturen, die über das ganze Jahr hin Tauwasser auf Putz und Anstrich anfallen lässt. Dieses Tauwasser hält sich laut Untersuchungen des Fraunhofer Instituts für Bauphysik gerade auf hydrophoben, sprich wasserabweisenden Oberflächen besonders lange. Diese Taufeuchte, in Kombination mit organischen Beaufschlagungen auf den Fassaden, ist oftmals ausreichend für den Befall mit Mikroorganismen. Um dies zu verhindern, werden häufig biozide Wirkstoffe eingesetzt. Diese wasserlöslichen Biozide haben jedoch nur eine begrenzte Haltbarkeit und können den Befall nur bedingt verhindern. Keimfarben bietet mit dem Pura-Vision Dämmsystem eine biozidfreie Alternative zur Prävention vor Algen- und Pilzbefall. Dieses hydroaktive System besteht aus einem hydrophilen Kieselsol-Silikatanstrich, einem kapillaraktiven Dekorputz sowie einer mittelschichtigen Armierungsschicht. Die einzelnen Systemkomponenten sind bezüglich ihrer Wasseraufnahme exakt aufeinander abgestimmt und nehmen die Taufeuchte im hydrophilen Anstrich sowie der kapillaraktiven Putzschicht auf und geben die aufgenommene Feuchtigkeit schnell wieder ab, so dass trockene Fassadenoberflächen entstehen. Auf trockenen Oberflächen entstehen keine Algen und Pilze. Gleichzeitig dient die mittelschichtige Armierungsschicht mit einer Dicke von 7 Millimetern gegenüber einer herkömmlichen Armierung von 4 Millimetern als Wärmespeicher, das heißt die Taupunkttemperatur wird später erreicht. Bei Schlagregen verhält sich das System ähnlich wie Standardsysteme. Die wasserabweisende Armierungsschicht schützt vor Durchfeuchtung. Das System besticht durch seinen konsequenten Bezug auf nachweisbare, bauphysikalische Mechanismen und schont unsere Umwelt, indem wir auf den Einsatz von bioziden Wirkstoffen verzichten.

Ein Blick in Richtung Zukunft: Welche Herausforderungen gilt es Ihrer Meinung im Wohnungsbestand zu bewältigen?

Es gilt attraktive Wohnungen zu schaffen und sich konsequent mit Angebot und Nachfrage auseinanderzusetzen. Finanzinvestoren werden sich aus unserer Sicht weiterhin verstärkt in der Wohnungswirtschaft engagieren und, motiviert durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Bestände länger im Portfolio halten, hochwertiger sanieren und dadurch auch zu einem stärkeren Wettbewerber für kommunale Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften entwickeln.
www.keimfarben.de

Bild: Von links: Verleger Dieter A. Kuberski mit Vertriebsleiter Rüdiger Lugert, der Leiterin Marketing Bettina Heyne und dem Leiter Key Account Thomas Ehret von Keimfarben. (Bleyhl)


Tradition und Moderne – wohl kaum ein Produkt schlägt diese Brücke so elegant wie die Silikatfarbe von Keim. Schon im Mittelalter war das Bindemittel der Keim'schen Mineralfarben, das flüssige Kaliumsilikat, als Liquor Silicium bekannt. Es fehlten jedoch gute Produktions- und Anwendungsmöglichkeiten. Große Hoffnungen setzte im Jahr 1768 Johann Wolfgang von Goethe auf seine Versuche mit Wasserglas. Doch Goethe kam mit seinen Überlegungen nicht zur Praxisreife. Auslöser für die intensive Forschungsarbeit Adolf Wilhelm Keims war König Ludwig I. von Bayern. Der kunstsinnige Monarch war von den farbenfrohen Kalkfresken Norditaliens so begeistert, dass er diese Kunstwerke auch in seinem Königreich Bayern erleben wollte. Doch das Wetter nördlich der Alpen, als wesentlich rauer bekannt, zerstörte die Kunstgemälde in kurzer Zeit. So erging sein Auftrag an die bayerische Wissenschaft, eine Farbe zu entwickeln, die wie Kalk aussieht, aber über einen längeren Zeitpunkt haltbar ist. Die überzeugende Lösung für diese Aufgabenstellung waren die Keim'schen Mineralfarben.