Weru-Thermico – weniger Heizkosten, mehr Komfort


Interview mit Kludi-Geschäftsführer Ingo H. Traskalik

Armaturen für Bad und Küche, Brausesysteme und Klinikarmaturen

Interview mit Kludi-Geschäftsführer Ingo H. TraskalikKludi entwickelt und produziert Armaturen für Bad und Küche, Brausesysteme sowie Klinikarmaturen. Welche neue Unternehmensstrategie das Unternehmen aus Menden präsentiert und ob die Wohnungswirtschaft davon profitieren kann, darüber hat sich das Modernisierungs-Magazin mit Geschäftsführer Ingo H. Traskalik unterhalten.

Mit der neuen Unternehmensstrategie Smart Luxury setzen Sie auf zeitgemäßes Design mit hohen Qualitätsansprüchen. Wie lässt sich dieses Konzept mit der Zielgruppe Wohnungswirtschaft vereinen?

Traskalik: Mit der neuen Unternehmensstrategie machen wir schickes, trend-orientiertes Design für Armaturen bezahlbar. Auf der einen Seite ist das für den Endverbraucher im Privatbereich interessant. Denn in Handelsausstellungen wird der Kunde häufig vom Preis abgeschreckt und kauft daraufhin nur den Standard. Auf der anderen Seite ist die Strategie durchaus für die Wohnungswirtschaft gedacht, die im Bad durch gutes Design und intelligente Technik Akzente setzen kann. Smart Luxury heißt Design, Qualität und nachhaltige Technologie zu einem angemessenen Preis. Deshalb sind wir überzeugt, dass diese Strategie alle weiterbringt.

Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkte auf dem deutschen Markt? Halten Sie spezielle Angebote für die Wohnungswirtschaft bereit?

Traskalik: Ein Schwerpunkt auf dem deutschen Markt ist das Projektgeschäft. Heute und in Zukunft gehen wir diesen Geschäftsbereich selbst aktiv an. Das geschieht, indem wir bei Planungsbüros und in der Wohnungswirtschaft präsent sind. So können wir rechtzeitig bei einem Projekt einsteigen. Mit der Produktpalette, die Kludi anbietet – nämlich nicht nur Armaturen, Ablaufsysteme, Brausen, sondern auch ganze Badkonzepte für bekannte Marken –, sind wir für die Wohnungswirtschaft interessant.

In Zeiten, da Wasser ein Gut ist, das immer rarer wird, sind wassersparende Armaturen ein wichtiges Thema, sicher nicht nur aus Umwelt-, sondern auch aus ökonomischen Gründen. Vor diesem Hintergrund betrachtet: Achten Sie bei der Entwicklung Ihrer Produkte auch auf deren Energieeffizienzklasse?

Traskalik: Wir beherrschen alle Wasserspartechniken, angefangen von den Thermostaten mit Eco-Taste bis hin zu Waschtischarmaturen, bei denen 50 Prozent Wasser eingespart werden kann. Im internationalen Vergleich ist dieses Thema in Deutschland noch wenig beachtet. Lediglich in Hotels und in öffentlichen Bereichen spielt beispielsweise der hohe Wasserbedarf beziehungsweise -verbrauch eine immer größere Rolle. Es gibt allerdings Länder, wo Produkte ohne Wasserspartechnik gar nicht mehr eingesetzt werden, vor allem nicht im Projektgeschäft. Momentan sind wir gemeinsam mit dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auf dem Weg, eine Klassifizierung zu entwickeln. Produkte werden dann mit einem Label ausgestattet und zeigen an, wie wassersparend sie sind.

Sind die neuen Brausen Kludi A-QA Teil der Unternehmensstrategie?

Traskalik: Im Zuge der strategischen Ausrichtung gehören zu unseren Armaturen auch entsprechendes Brausen. Kludi A-QA ist eine neue Generation großflächiger Brausen. Zur ISH wurde, zu der eben eingeführten A-QAi-Brause, die Produktpalette um eine weitere Brause ergänzt. Mit diesem Programm können wir im Smart-Luxury-Segment attraktive großflächige Brausen anbieten, die als Brausen- oder Wannenset komplett zu unseren Armaturen passen. Diese kaufen wir im Übrigen nicht dazu, sondern produzieren sie selbst in Menden.

Und welche Vorteile bietet diese Brausengeneration im Gegensatz zu früheren Modellen?

Traskalik: Die aktuell vorgestellte A-QAi-Brause hat einen dreistufig verstellbaren Kopf. Das heißt, es gibt einen festen Handgriff, und der Kopf kann daran bis zu 30 Grad verstellt werden. Damit passt sie in jede Wandstange und ist auf kleinstem Raum ideal. Dies ist auch für das Nachrüstungsgeschäft von Vorteil. Ultra-flat-Design und neueste Produktionstechnologie heißt in diesem Zusammenhang: Die Brausen sind nur 2 Zentimeter hoch.

In Zeiten der Globalisierung eine Frage an den Global Player: Wo lassen Sie fertigen?

Traskalik: Wir fertigen hauptsächlich in Deutschland und Österreich. In diesen Werken werden die großen Serien hergestellt. Kunststoffbrausen produzieren wir ausschließlich in Menden. In unseren Komponentenwerken in Polen und Ungarn werden Armaturenkörper bearbeitet. In Polen stellen wir Pressteile her. In Ungarn gießen wir Armaturenkörper, schleifen und polieren sie vor der Weiterverwendung in Hornstein beziehungsweise Menden. Weitere Produktionsstätten in Asien oder Middle East ergänzen unsere Möglichkeiten vor Ort und erhöhen die Produktionsflexibilität. Dort werden Armaturen mit „Technology made in Germany“ produziert und an den Märkten im Golf, in Afrika sowie auf dem Subkontinent verkauft.

Fünfjahrespläne sind zwar längst vom Leben bestraft worden, wir wollen den Gedanken dennoch kurz festhalten: Welche Pläne hat Kludi für die nächsten fünf Jahre?

Traskalik: Mit der neuen Strategie haben wir gute Wachstumschancen. Im Markenbereich werden wir in den nächsten Jahren zweistellig wachsen. Das ist ambitioniert, weil Kludi immer noch einen sehr hohen Inlandsanteil hat. Dieser liegt leicht über 50 Prozent, aber wir arbeiten daran und stellten bereits im Jahr 2008 in vielen internationalen Märkten ein zweistelliges Wachstum fest. Wir haben durch eine gute Marktbearbeitung eine realistische Möglichkeit, unsere Ziele zu realisieren. Vor allem die Märkte wie Osteuropa oder Asien bieten uns sehr gute Wachstumschancen.

Sie kennen ja die politische Forderung an die Wohnungswirtschaft, zum Beispiel das Stichwort Wohnwertverbesserung. Auch die Bundesregierung liefert aufgrund der finanziellen Weltmarktsituation Bezuschussungen. Kann damit in Deutschland noch einiges bewegt werden?

Traskalik: Unser Problem ist es, dass schon seit Jahren Anreize geschaffen werden in den Bereichen Energieeinsparung, Heizungstechnologie und Fassadendämmung. Hier kann der Endverbraucher effizient Geld einsparen. Leider ist das Bad in den letzten Jahren dabei auf der Strecke geblieben. Wenn heute renoviert wird, passiert dies auf einem niedrigeren Level als vor zehn Jahren. Das heißt, die Kunden investieren nicht in ein neues Bad. Wir haben, was den Neubau angeht, 2007 und 2008 ganz enttäuschende Entwicklungen: 2007 sind 40 Prozent weniger Ein- und Zwei-Familien Häuser gebaut worden, und das merken wir natürlich auch. Es wäre gut, wenn gewisse Anreize die Menschen beflügeln würden, ihr Bad zu renovieren. Denn hier liegt das Problem: Selbst wenn das Bad 25 Jahre alt, aber noch funktionsfähig ist, hat der Kunde das Gefühl, unnötig Geld für eine Renovierung auszugeben, nur damit hinterher alles schöner aussieht und sich besser anfühlt. Hier stellen wir uns der Forderung, neue Technologien zu entwickeln, denn das Problem der Sanitärarmaturenindustrie sind fehlenden Neutechnologien, wie sie im Heizungsbereich zu finden sind. Wir haben vielleicht hier schöneres Design und dort größere Brausen, also mehr Duschkomfort, aber die Keramikkartuschentechnik ist noch auf dem Stand wie seit 30 Jahren.

Möglicherweise ist aber schon alles ausgereizt - oder gibt es noch Entwicklungspotenzial?

Traskalik: Es gibt meines Erachtens noch Entwicklungspotenzial. Vor allen Dingen sehe ich keine Gründe, die gegen einen Einzug der Elektronik ins Bad sprechen, wo sie doch in vielen anderen Bereichen nicht mehr wegzudenken ist. Im Bad finden sich bisher nur wenig elektronische Komponenten. Die Funktionalität der Elektronikarmatur ist noch nicht mit der Nutzungsgewohnheit kompatibel. Es gibt zwar im öffentlichen Bereich berührungslose Armaturen, aber die sind eben für das Alltagsbad ungeeignet. Wir glauben daher, dass im Bereich Elektronik und Bad noch viel Potenzial steckt, auch was die Energieeffizienz betrifft.

Dies bedeutet dann aber auch, dass Sie sich als Systemanbieter aufstellen müssen?

Traskalik: Nein, das sehe ich nicht so. Wir werden strategische Partnerschaften eingehen beziehungsweise es bestehen diese bereits. Wir müssen heute keine Elektronik oder kein Magnetventil mehr selbst entwickeln. Es bieten sich genügend Hersteller, die in großen Serien fertigen und auch die Technik im Griff haben. Wir nutzen dies, bauen die Technik ein und stellen die Funktionalität sicher. Wir werden im Elektronikbereich etwas auf der Messe vorstellen, was es in der Form noch nicht gibt. Innovationen sind eben auch Bestandteil unserer Strategie. Man muss Anreize schaffen, um ein Produkt zu verkaufen. Als Innovationsbeispiel sind die flache, schwenkbare Wandstange oder die A-QAi-Brause mit Gelenk zu nennen. Das sind Entwicklungen mit guter Nutzenbasis, die unsere Kunden überzeugen.

Der Markt der Armaturenanbieter ist relativ eng besetzt. Zu denken ist an Hansa und Grohe. Ein hart umkämpfter Markt, der eigentlich klar verteilt ist, oder?

Traskalik: Ja, der Markt ist verteilt, das muss man sehr klar sagen. Trotzdem glaube ich, dass man mit einer guten Marktbearbeitung, mit guten Konzepten – dazu gehört beispielsweise auch unser Esprit-Konzept –, sich vom Markt abheben und behaupten kann. Auch wenn der Markt weltweit eng besetzt ist, ist der Wettbewerb letztendlich überall gleich. Und Kludi überzeugt durch schönes Design, gute Technik, vernünftige Qualität also ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis.

Welche Botschaft richten Sie an die Wohnungswirtschaft?

Traskalik: Der Markenname Kludi ist noch zu unbekannt, auch bei der Wohnungswirtschaft. Das liegt zum einen an der Historie, zum anderen gibt es regionale Unterschiede. In Ostdeutschland sind wir in der Wohnungswirtschaft wesentlich präsenter. Ich möchte als Botschaft absetzen, dass Kludi als großer Mittelständler viel zu bieten hat. Wir nehmen die Wohnungswirtschaft sehr ernst und sehen uns als interessanten und durchaus unterschätzten Partner, bei dem jeder das Richtige finden kann. Unsere Zielstellung für die Zukunft: intensive Zusammenarbeit und aktive Unterstützung der Wohnungswirtschaft durch Kludi.

Das heißt, Sie sind vertriebstechnisch auch entsprechend aufgestellt?

Traskalik: Wir sind flächendeckend in Deutschland vertreten. Unser Key-Accounter, Herr Weber, kümmert sich übergreifend um das Projektgeschäft, das sicher seine Zeit braucht. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit sind erste Erfolge sichtbar, Wir statten höherwertige Hotels mit unseren Produkten aus und renovieren Wohngebäude – im Osten noch viel stärker als im Westen. Aber wie sagt man so schön: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Es gibt Nachholbedarf und darauf werden wir uns in Zukunft noch stärker konzentrieren.

Das Interview führte Dieter A. Kuberski
Bild: Kludi-Geschäftsführer Ingo H. Traskalik setzt auf Smart Luxury: "Mit der neuen Unternehmensstrategie machen wir schickes, trend-orientiertes Design für Armaturen bezahlbar." Und diese Strategie ist durchaus auch für die Wohnungswirtschaft gedacht, "die im Bad durch gutes Design und intelligente Technik Akzente setzen kann. Smart Luxury heißt Design, Qualität und nachhaltige Technologie zu einem angemessenen Preis." (
Bleyhl)