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Interview mit Werner Genter von der KfW über die neue Förderstruktur

„Das KfW-Angebot wird straffer und transparenter“

KfW-Angebot wird straffer und transparenterDie Jahrestagung Energieeffizienz von Wohngebäuden der BBA – Akademie der Immobilienwirtschaft - hat sich als Treffpunkt von Wohnungs- und Immobilienunternehmen etabliert, die ihre Bestände auf einen zukunftsfähigen energetischen Standard bringen wollen. Mitte November kamen über 100 Fachleute aus Wohnungswirtschaft, Politik und Dienstleistungsbranche in Berlin zusammen. Sie informierten sich über die aktuellen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Das Themenspektrum reichte von Anlagenoptimierung über Kraft-Wärme-Kopplung bis hin zur strategischen Investitionsplanung in verschiedenen Beständen. Aktuell vorgestellt und diskutiert wurde auch die neue KfW-Förderstruktur für energieeffizientes Bauen. Werner Genter, Direktor bei der KfW-Bankengruppe, beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Welche KfW-Förderprogramme werden sich mit der EnEV2009 ändern, und ab wann ist damit zu rechnen?
Genter: Das neue, auf die EnEV2009 zugeschnittene Förderangebot wird voraussichtlich bis zur Jahresmitte 2009 und somit zeitnah zum Inkrafttreten der Verordnung zur Verfügung stehen. Dabei setzen wir auf die bewährten Förderstrukturen. Das Angebot wird jedoch straffer und insgesamt transparenter gestaltet sein. Zukünftig werden wir zwei Programme anbieten: „Energieeffizient Sanieren“ für den Bestand und „Energieeffizient Bauen“ für den Neubau.

Darüber hinaus wollen wir einen neuen einheitlichen KfW-Effizienzhaus-Standard einführen. Dieser einheitliche Standard für Neubau und Sanierung wird die in den letzten Jahren sehr erfolgreichen KfW-Energiesparhäuser 40 und 60 weiter entwickeln. Wir versprechen uns von diesem Schritt eine noch bessere Verständlichkeit der komplexen energetischen Anforderungen für unsere Kunden. Die Förderung der allgemeinen Wohnraummodernisierung wird mit einem speziellen Angebot zur Verringerung von Barrieren im Wohnungsbestand ergänzt. Damit rückt neben der Energieeffizienz ein weiteres wichtiges gesellschaftliches Thema – der generationengerechte Umbau des Wohnungsbestands – stärker in den Vordergrund.

Wohnungsunternehmer beklagen, dass die EnEV2009 sie an den Rand des wirtschaftlich Machbaren drängt. Sind die Förderprogramme der KfW ausreichend, den Kostendruck aufzufangen?
Genter: Um den steigenden energetischen Anforderungen und den damit verbundenen höheren Kosten im Rahmen der Gebäudesanierung Rechnung zu tragen, werden wir den Förderhöchstbetrag im Programm „Energieeffizient Sanieren“ auf 75.000 Euro je Wohneinheit erhöhen. Damit ist sichergestellt, dass die durch die erhöhten Anforderungen entstehenden Mehrkosten durch das Programm abgedeckt werden. Darüber hinaus planen wir im Rahmen einer Erweiterung der Gebäudekulisse für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, dass zukünftig Gebäude, für die vor dem 1.Januar 1995 der Bauantrag gestellt oder Bauanzeige erstattet wurde, in die Förderung miteinbezogen werden. Die Förderintensität wird wie bisher in Abhängigkeit vom erreichten Effizienzniveau ausgestaltet. Je besser die erreichte Effizienzstufe desto attraktiver die Finanzierungskonditionen und desto höher der gewährte Tilgungszuschuss oder Zuschuss. Die Förderung wird somit auf das individuelle Ergebnis der Investition abgestimmt.

Das Angebot beginnt mit einer Einstiegsförderung bei energieeffizienten Einzelmaßnahmen im Bestand, es folgen Effizienzstufen bei Bestandsgebäuden, die das in der EnEV2009 geforderte Neubauniveau um 20 Prozent überschreiten beziehungsweise erreichen, bis hin zur Spitzenförderung für Vorhaben, die im Rahmen von Modellvorhaben das Neubauniveau um 20 Prozent und mehr unterschreiten. Wir beabsichtigen zudem, auch im Bereich energieeffizienter Neubauten das im Sanierungsprogramm bewährte Instrument des zusätzlichen Tilgungszuschusses für besonders effiziente Gebäude - dies sind die Effizienzstufen „EnEV Neubauniveau minus 40 Prozent“ und „Neubauniveau minus 60 Prozent“- einzuführen. über hinaus ist im Programm Energieeffizient Sanieren eine Zusatzförderung für den Austausch von Nachtstromspeicherheizungen vorgesehen. Wir sind davon überzeugt, auch unter den gestiegenen Anforderungen Wohnungsunternehmen ein attraktives Förderangebot zu machen.

Werden die Mittel für das Programm auch dauerhaft aufgestockt?
Genter: Das Bundeskabinett hat am 5. November 2008 das Maßnahmenpaket „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ beschlossen. In diesem Rahmen werden auch die Haushaltsmittel für die Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren für die Zusagejahre 2009  bis 2011 deutlich aufgestockt. Für Privatpersonen und Wohnungsunternehmen, die Sanierungen und Neubauten planen, ist dies ein wichtiges Signal. Es setzt aber auch ein deutliches Zeichen für Handwerker und Anbieter im Energieeffizienzbereich. Die Verstetigung der Förderung leistet einen elementaren Beitrag zu einer kontinuierlich hohen Nachfrage, die dann auch Investitionen bei den Anbietern auslöst.

Die Bundesregierung will energetische Investitionen künftig mit besonderen Steuervorteilen belohnen. Hat das auch Auswirkungen auf die KfW-Förderung?
Genter: Im Interesse des Klimaschutzes sehen wir das grundsätzlich positiv. Wesentlicher Vorteil unserer Förderkredite gegenüber allgemeinen Steuervorteilen ist jedoch, dass unser Fördeangebot bei Banken und Investoren bekannt ist. Aufgrund von transparenten und eindeutigen Förderkriterien ist dem Investor schon vor Vorhabensbeginn bekannt, welche Mittel er in welcher Höhe erhalten kann. Unsere Zusage bekommt er dann innerhalb weniger Tage über seine Hausbank und die Finanzierung seines Vorhabens ist in der Regel gesichert. Eventuell erforderliche Vorfinanzierungen und auch teure Ergänzungsfinanzierungen entfallen. So ermöglichen wir mit unseren zielgenauen Förderdarlehen auch Vorhaben, die in einem sehr begrenzten Spielraum umgesetzt werden müssen. Die steuerliche Förderung wendet sich zudem an eine Gruppe von Eigentümern, die wir mit unserem bisherigen Förderangebot nicht erreichen konnten. Folgerichtig schließen sich auch beide Fördermaßnahmen aus, das heißt die Mittel sind nicht miteinander kombinierbar.

Bild: Werner Genter leitet den Grundsatzbereich des Geschäftsfelds inländische Investitionsfinanzierung. Dabei verantwortet er unter anderem die für die Wohnungswirtschaft relevanten Förderprogramme sowie die Weiterentwicklung des Förderangebots. (KfW-Bildarchiv / Fotograf: Thomas Klewar)