Weru-Thermico – weniger Heizkosten, mehr Komfort


Interview mit Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt

"Nachhaltige Technik wird für die Wohnungswirtschaft immer wichtiger"

Interview mit Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt "Nachhaltige Technik wird für die Wohnungswirtschaft immer wichtiger"Die ISH ist die größte Messe für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie erneuerbare Energien. Im Gespräch mit Chefredakteur Jörg Bleyhl erklärt Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt, was den Erfolg dieser Weltleitmesse ausmacht – und warum sie für die Wohnungswirtschaft immer wichtiger wird.

Die ISH in Frankfurt bietet die weltgrößte Leistungsschau für innovatives Baddesign, energieeffiziente Heizungs- und Klimatechnik und erneuerbare Energien. Die Messlatte liegt nach der erfolgreichen Messe 2009 sehr hoch. Können Sie trotzdem an die Erfolge der vergangenen Ausstellungen anknüpfen?

Wolfgang Marzin: Als unangefochtene Weltleitmesse mit einer 50-jährigen Erfolgsstory erwarten wir dieses Jahr über 2300 Aussteller aus 58 Ländern. Damit ist das Messegelände mit der 250.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche bereits komplett belegt. Unter den Ausstellern sind alle nationalen und internationalen Marktführer vertreten. Sie werden alle Produkte und Technologien vorstellen, die weltweit im Bereich Sanitär, Heizung, Wärme- und Klimatechnik an Innovationen im Angebot zu haben sind. Gerade die sich abzeichnenden Trends, zum Beispiel im Sanitärbereich, und neue Verordnungen im Bereich der Energieeinsparung geben uns Rückenwind. Insofern gehen wir davon aus, dass wir an die Erfolge der ISH 2009 anknüpfen können. Wir rechnen mit rund 200.000 Besuchern aus aller Welt.

Welchem Bereich schenken Sie die größte Aufmerksamkeit?

Marzin: Mit dem Verbundkonzept aus den Bereichen „ISH Water“ und „ISH Energy“ zeigen wir das gesamte Spektrum – von Spitzentechnologie bis High-End-Design. Jeder dieser Bereiche – die ISH Water mit der Erlebniswelt Bad und der Welt der Installationstechnik und die ISH Energy mit effizienter Heiz- und Klimatechnik in Kombination mit erneuerbaren Energien – ist unverzichtbar, denn die Symbiose macht es spannend. Die Zusammenarbeit der einzelnen Gewerke ist in der Praxis entscheidend für den Erfolg. Für uns macht die Fokussierung auf einen Bereich daher keinen Sinn – eben weil auch das bereits vorhandene Weltangebot immer noch internationaler wird.

Wie wichtig ist die Internationalität der ISH für das gesamte Konzept?

Marzin: Sehr wichtig. Eine Weltleitmesse muss alles abbilden. Über die Hälfte der Aussteller und etwa ein Drittel der Besucher kommen aus dem Ausland –  mit stetigem Zuwachs. Der Grund: Überall gibt es ähnliche Normen. Wir haben zwar immer noch nationale Normen, aber die Anzahl der Europanormen – derzeit sind 30 prognostiziert – wird weiter steigen. Was der Installateur heute in seinen Regalen hat, ist weitaus internationaler oder übereuropäischer als es noch vor einiger Zeit war. Wir sehen, dass – auch im Hinblick auf die Internationalisierung der Branchen – Messen Spiegelbild der Wirtschaft sind. Wir setzen aber nicht allein auf Auslandswachstum, sondern arbeiten mit Nachdruck daran, dass unsere Partner die Messe auch national hoch interessant halten. Beides muss stimmen –  sowohl die nationale als auch die internationale Nachfrage. Der Erfolg der ISH zeigt seit über 50 Jahren, wie gut dieses Modell funktioniert.

Zur Messe in Frankfurt treffen sich in der Hauptsache Handwerker. Lohnt es sich auch für Planer aus der Immobilienwirtschaft durch die Messehalle zu gehen?

Marzin: Unbedingt! Die ISH wird von immer wichtigerer Bedeutung für die Immobilienwirtschaft: Hier werden alle Neuheiten aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, wie nachhaltige Sanitärlösungen, energetische Modernisierung im Gebäude, altersgerechtes Wohnen und High-End-Design gezeigt – natürlich auch im Hinblick auf die Modernisierung von Gewerbeimmobilien. Die Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik ist für die energetische Bewertung eines Gebäudes im Zusammenhang mit der Reduktion von Emissionen von großer Bedeutung. Insofern sind Planer, Ingenieure und Architekten neben den Handwerksbetrieben, der Industrie und dem Handel die wichtigsten Besuchergruppen. Das zeigen auch die steigenden Besucherzahlen aus diesem Bereich: Allein 2009 waren 20.000 der ISH-Besucher Planer, Ingenieure und Architekten. Denn sie sind an Entscheidungen maßgeblich beteiligt und erhalten hier auf der Messe das nötige Know-How sowie professionelle Kontakte rund um zukunftsweisende Gebäude.

Welche wichtigen Sonderschauen und Termine rund um die ISH sollte man nicht versäumen?

Marzin: Besonders im Mittelpunkt steht das ISH Technologie- und Energieforum des Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie und Umwelttechnik (BDH) und zahlreicher Partner aus Energiewirtschaft und Industrie. Das Forum legt den Fokus auf energiesparende und ressourcenschonende Wärmeerzeugung in Gebäuden. In Fachvorträgen und Ausstellungen werden bereits heute einsetzbare Innovationen bei Wärmeversorgung, Be- und Entlüftung sowie Kühlung vorgestellt. Das Klima-Forum des Fachinstituts Gebäude-Klima (FGK) hat Vorträge und eine Ausstellung zum Sanieren im Bestand sowie zur Kampagne „Wirtschaft für Klimaschutz“ und zu aktuellen Europäischen Richtlinien im Angebot. Im Design Plus-Sonderareal sind Produkte der ISH-Aussteller zu sehen, die sich durch optimales Zusammenspiel von Nachhaltigkeit, Ästhetik und Funktionalität auszeichnen und im Design Plus-Wettbewerb prämiert werden. Darüber hinaus gibt es in beiden Hauptbereichen Seminare, Sonder- und Trendschauen: Die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) zeigt die Trends im Bad, wie „Green Bathroom: Zurück zur Natur!“, „Easy Bathroom: Einfacher geht‘s nicht!“ und „Bathroom Interior: Weg von der Wand!“. Natürlich gibt es auch themengeführte Rundgänge speziell für Planer, Ingenieure und Architekten.

Die ISH tritt mit erweiterter Trägerschaft 2011 auf. Weshalb kam es zur Erweiterung und was bedeutet das für die Messebesucher?

Marzin: Wir haben die ISH nicht völlig neu strukturiert. Einige Industrieverbände, die zuvor in einer anderen Art und Weise eingebunden waren, sind in der Trägerschaft jetzt lediglich anders verankert. Für die Messebesucher hat das keine relevanten Auswirkungen. Die kontinuierliche und enge Zusammenarbeit mit den Branchenverbänden ist aber ein wichtiger Erfolgsfaktor der ISH und manifestierte sich in der Trägerschaft vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der VDS und der VdZ – Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik. Jetzt haben wir die Trägerschaft um den BDH und das FGK erweitert und der Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik eine direkte Stimme in der Trägerschaft gegeben. So sind wir als Weltleitmesse auf die Veränderungen am Markt gut aufgestellt.

Die ISH ist auch für Frankfurter Verhältnisse ein Schwergewicht. Wie geht die Entwicklung weiter? Sind Sie mit über 2300 Ausstellern an der Kapazitätsgrenze, könnte eine Aufteilung weiteres Entwicklungspotenzial bieten oder fehlt in Ihrem Konzept noch ein wichtiger Baustein?

Marzin: Zu Ende ist die Entwicklung nie! Es gibt immer Optimierungsbedarf. Wir denken über einiges nach und werden unsere Besucher genau befragen, was ihnen noch fehlt. Wir haben auch auf unserem Messegelände durchaus noch einige Möglichkeiten und können bei Bedarf noch mindestens zwei Hallen bauen. Einen Stillstand soll, kann und wird es nicht geben. Ich denke aber, dass es in nächster Zeit keine gravierenden Änderungen geben wird. Die drei Säulen Sanitär, Heizung und Klima werden für die nächsten Jahre unverrückbar sein. Denn das weltweite Angebot unter einem Dach zu einem Termin ist unser Erfolgskonzept. Das zu splitten wäre meiner Meinung nach kontraproduktiv, solange die Vertriebswege so sind, wie sie sind und der Handwerker alles - Wärme, Klima und Sanitär – einbaut. Sollten wir aber gemeinsam mit der Trägerschaft gravierende Veränderungen  im Markt feststellen, sind wir für ein neues Konzept offen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Jörg Bleyhl
Bild: Erfolg lässt strahlen: Wolfgang Marzin setzt bei der ISH auch weiterhin auf Internationalität und die drei bewährten Standbeine. (Messe Frankfurt)