GTW: Zulassungsvoraussetzungen kommen

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Anerkannten Abschluss als Verwalter erwerben

Kommen sie noch 2015? Wie ist der Informationsstand, und wie können sich Verwalter heute schon wappnen? Manches ist noch offen, doch sicher ist heute schon, dass sich jeder Verwalter überprüfen lassen muss. Wer also frühzeitig seine Ausbildung ergänzt, einen anerkannten Abschluss erwirbt, der wird später nur noch einen kleinen Aufwand betreiben müssen. Er gewinnt so eine bessere Ausgangsposition im gewiss härter werdenden Wettbewerb.

Viele der seriösen Immobilienverwalter wünschen sich seit Langem, dass der Zugang zum Beruf gesetzlich geregelt wird. Sie erwarten, dass damit der Verbraucher qualifizierte Verwalter erkennen kann. Sie hoffen, dass weniger professionelle Wettbewerber aus dem Markt verschwinden und dass auch die anspruchsvolle Leistung eines Immobilienverwalters klarer darstellbar wird.

Verwalterverbände drängen die Politik seit Jahren, endlich die gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Dies wurde noch 2010 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) abgewiesen, da die bestehenden Überwachungsinstrumente der Gewerbeordnung und der einschlägigen Gesetze wie BGB, WEG etc. ausreichen würden (BMWI, 25. Mai 2010, www.wohnen-im-eigentum.de/dokumente/eigentumswohnung/dr_stenger_100525.pdf). In Österreich zum Beispiel besteht bereits seit 1. Februar 2004 die Immobilientreuhänder-Verordnung (www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20002461) mit einer entsprechenden Prüfungsordnung (www.wkimmo.info/i/wko/service/pruefungsordnungverwalter.pdf), in der die Kriterien detailliert festgehalten sind. Nachdem das Thema in den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung aufgenommen wurde, führte der politische Meinungsbildungsprozess nach zähen Anfängen nun zu einem ersten Ergebnis.

Gewerbeordnung für Immobilienverwalter

Erste Form der deutschen Zulassungsvoraussetzungen ist erkennbar: Wahrscheinlich wird der Paragraf 34c Gewerbeordnung auf den Personenkreis der Immobilienverwalter erweitert. Ende Dezember tagte im BMWI zum wiederholten Male ein Arbeitskreis mit Beteiligung mehrerer Verbände, in dem erste Vorschläge erarbeitet wurden:

  • Sachkundenachweis des Geschäftsführers/Zweigstellenleiters und
  • Angemessene Berufshaftpflichtversicherung

Bisher gelten im Paragraf 38c Gewerbeordnung bereits für Immobilienmakler und Darlehensvermittler:

  • Zuverlässigkeitsanforderungen bezüglich Vorstrafen (Führungszeugnis)
  • Vermögensschutzanforderungen (Schuldnerverzeichnis, Insolvenzfreiheit)

Eine Vertrauenschadenhaftpflichtversicherung und eine Betriebshaftpflichtversicherung, die die Verbände gefordert hatten, werden voraussichtlich nicht gefordert werden.

Mögliche Ausgestaltung des Sachkundenachweises

Der Nachweis der Sachkunde könnte durch eine bundeseinheitliche Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) erbracht werden. Für die weitere Ausgestaltung erwartet GTW gemäß der zusammengefassten Positionen verschiedener Verbände:

  • Sachkundenachweis für alle gewerblich tätigen Immobilienverwalter (und Makler)
  • Ausnahme für von Eigentümern selbst verwaltete Wohnungseigentümergemeinschaften
  • Festlegung einer Übergangsfrist, bis zu der alle Verwalter, auch bereits aktive, eine Prüfung abgelegt haben müssen, das heißt keine „Alte-Hasen“-Regelung
  • Für öffentlich-rechtliche IHK-Abschlüsse wie zum Beispiel Immobilienkaufmann/frau (IHK) und Geprüfte/r Immobilienfachwirt/in (IHK) sind Anerkennungs- oder Nachqualifizierungsrichtlinien zu erwarten; zumindest der Abschluss zum Geprüfte/n Immobilienfachwirt/in (IHK) soll ohne weitere Auflagen als Sachkundenachweis anerkannt werden

GTW erwartet, dass ein Rahmenstoffplan und eine Prüfungsordnung erstellt werden, die die Inhalte, Umfang, Art und Ablauf der Prüfung festgelegen. Dieses Verfahren könnte analog der Einführung der Sachkundeprüfung zum Geprüften Finanzanlageberater (IHK) (www.dihk.de/ ressourcen/downloads/rahmenplan-finanzanlagenvermittler-2014/at_download/file?mdate=1383059551842) gestaltet sein.

Der Zeitrahmen zur Einführung ist noch weit gefasst

GTW rechnet damit, dass es ein bis zwei Jahre dauern kann, bis die entsprechenden Richtlinien ausgearbeitet sind. Erst dann kann der Sachkundenachweis in Kraft treten. Danach werden bis zu drei Jahre Übergangsfrist bis zur Prüfung für alle bestehenden Verwalter anberaumt werden. Wer einen IHK-Abschluss Immobilienkaufmann/frau besitzt, wird voraussichtlich nur geringen Nachschulungsaufwand haben, und der Abschluss zum Geprüften Immobilienfachwirt (IHK) wird inhaltlich völlig ausreichen. Welche Lernstufen und Lernzeiten jeweils ergänzend zu den IHK-Abschlüssen nötig werden, wird nun von der Ausgestaltung der Prüfungsordnung abhängen. Die Zeit, die die Abstimmung benötigt, lässt erwarten, dass die Verordnung frühestens ab 2016 in Kraft treten könnte und aus GTW-Sicht die Übergangsfrist mindestens bis ins Jahr 2018 dauern wird.

Aufgrund des geschilderten langen Zeitraums besteht die Gefahr einer zu großen Gelassenheit. Es lohnt sich nicht zu warten, bis die Regelungen der Zulassung feststehen und dann erst in die eigene Weiterbildung zu investieren. Im Gegenteil, gerade wer jetzt beruflich gut ausgelastet ist, nutzt den Zeitraum, um sich schrittweise mit dem Wissen zu versorgen, das er dann für die Prüfung zur Zulassung braucht. Aktive Verwalter mit mehrjähriger Praxis, aber ohne immobilienwirtschaftlichen IHK-Abschluss suchen daher nun vermehrt nach einem höheren und öffentlich-rechtlich anerkannten Abschluss, der auch höchstwahrscheinlich nach einer Regelung die Zulassung ohne Nachschulung sichert. Im Abschluss zum Geprüfte/n Immobilienfachwirt/in (IHK) ist so eine sichere Qualifikation vorhanden. Gerade für Brancheneinsteiger ist wegen der fehlenden Berufspraxis zuweilen der höhere Abschluss zum Geprüfte/n Immobilienfachwirt/in (IHK) nicht gleich erreichbar. Oft ist es sinnvoll, erst die eigenen kaufmännischen Kenntnisse und die eigene Berufspraxis zu schaffen. Dafür ist ein Lehrgang angebracht, in dem in überschaubarem Aufwand genau das Wissen vermittelt wird, das ein Verwalter braucht, um seinen Beruf rechtssicher auszuüben. Dies bestätigt auch die derzeit vermehrte Nachfrage nach Verwalter-Lehrgängen und Seminaren.

Kurze, aber effiziente Prüfungsvorbereitung

Die renommierten Bildungsträger werden sich sehr rasch auf die neuen Zulassungsvoraussetzungen einstellen und Kurse anbieten, die abgestuft, je nach der Ausgangsqualifikation der Teilnehmer, mit möglichst wenig Aufwand an Lernzeit und Kosten in die Lage versetzen, die dann geforderte Prüfung zu bewältigen.

Fazit: In jedem Fall ist es für alle Verwalter höchst ratsam: Bilden Sie sich jetzt weiter und bringen Sie Ihre Mitarbeiter auf ein möglichst hohes Niveau. Dann können Sie sofort die Qualifikationsvorteile als Wettbewerbsvorteile am Markt nutzen, und Sie werden später rascher und mit weniger Aufwand die neue Zulassung erreichen können.

www.gtw.de

Christian Szeibert, Diplom-Ingenieur (Univ.), Geschäftsführer GTW

Quelle

Der Immobilien Verwalter

Der ImmobilienVerwalter berichtet verbandsübergreifend in den kaufmännisch/technischen Fachgebieten und erreicht Mitarbeiter von Verwaltungsbetrieben, Wohnungsunternehmen und -genossenschaften, kommunale Liegenschaftsämter sowie verwalterisch tätige Mitarbeiter von Maklerunternehmen.

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