Quo vadis Messdienstleister, 2. Teil

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Die großen Messdienstleister entwickeln neue digitale Geschäftsmodelle und bieten der Immobilienwirtschaft zusätzliche Services. Wie sehen die Pläne der bedeutendsten Unternehmen der Branche, Brunata-Metrona, Ista, Kalorimeta, Minol und Techem aus? In einer dreiteiligen Serie beschreiben wir die Entwicklung und die zukünftige Ausrichtung der Unternehmen. Teil 1 ist in Heft 6 erschienen und kann auch auf immoclick24.de nachgelesen werden.

Teil zwei beleuchtet die Zusammenarbeit der Unternehmen mit der Immobilienwirtschaft und der dritte Teil, der im September im Modernisierungs-Magazin veröffentlicht wird, geht auf die Ziele der Messdienstleister in naher Zukunft ein. Die Befragung der Unternehmen fand im Mai 2019 statt.

Brunata-Metrona
Um die ehrgeizigen Klimaziele der Europäischen Union zu erreichen (Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent, Steigerung der Energieeffizienz um mindestens 27 Prozent), ist es zwingend erforderlich, den Energiebedarf des Immobiliensektors signifikant zu senken. Wir forschen gemeinsam mit Hochschulen und Partnern aus der Wohnungswirtschaft daran, wie sich der Energieverbrauch im Bestand durch geringinvestive Maßnahmen senken lässt. In mehreren Pilotprojekten konnten wir im Praxisbetrieb zeigen, dass Größenordnungen von bis zu 20 Prozent realistisch sind. Auch bei Neubauten können wir unseren Kunden nützliche Werkzeuge an die Hand geben. Moderne Gebäude sind auf ein bestimmtes Nutzerverhalten ausgelegt. Die theoretisch erzielbaren Einsparungen in Niedrigenergiehäusern sind jedoch nur dann zu realisieren, wenn sich die Nutzer adäquat verhalten. Die Immobilienbranche benötigt also geeignete Werkzeuge zur Verbrauchssteuerung, um Rebound-Effekte zu vermeiden, die dazu führen, dass Einsparpotenziale nicht ausgeschöpft werden – beispielsweise weil das Nutzerverhalten sich nachteilig verändert. Außerdem gehen unsere Produkte und Dienstleistungen weit über das bloße Messen und Abrechnen von Energie hinaus. Wir unterstützen Eigentümer und Bewohner in zahlreichen weiteren Feldern des intelligenten Immobilienbetriebs und der Immobilienverwaltung – auch in Niedrigenergiehäusern.

Minol
Die größte deutsche Studie zum Heizwärmeverbrauch in Gebäuden (TU Dresden, Professor Dr. Clemens Felsmann, 2013) hat klar belegt, dass die Verbrauchsabrechnung auch in modernen Gebäuden sinnvoll ist und viel CO2 spart. Denn gerade in gut gedämmten Gebäuden neigen die Bewohner zu einem verschwenderischen Umgang mit Energie. Minol ist so aufgestellt, dass man die Immobilienwirtschaft bei den beiden Megatrends Digitalisierung und Energieeffizienz, aber auch beim Einstieg in neue Geschäftsmodelle unterstützt.
Der Kern: das IoT-Funksystem Minol Connect
Es basiert auf dem offenen Übertragungsstandard LoRaWAN und verbindet nicht nur die Messtechnik, sondern auch viele weitere Geräte, zum Beispiel Rauchwarnmelder.
Neue Servicebausteine: Minol Connect Insights
Durch Integration weiterer Sensoren in das Funksystem kann Minol der Wohnungswirtschaft eine Reihe zusätzlicher digitaler Services anbieten, wie: Ölstands-Überwachung, Leckage-Überwachung, Heizraum-Überwachung, Überwachung von Brandschutztüren, Status-Überwachung von Feuerlöschern, Überprüfung, ob Feuerwehrzufahrten frei sind, Monitoring von Temperatur und Feuchtigkeit in den Gebäuden, Überwachung von Garagentoren, Parkraumoptimierung.
Neue Geschäftsmodelle: zum Beispiel Elektromobilität
Minol will Verwaltern aber nicht nur neue Services, sondern auch komplett neue Geschäftsmodelle ermöglichen, wie den Einstieg in die Elektromobilität und zugehörige Sharing-Angebote. Der Markt für Elektromobilität entwickelt sich rasant und stellt die Wohnungswirtschaft vor neue Herausforderungen: Bis 2030 wird der Anteil an Elektroautos in Deutschland auf mindestens 30 Prozent steigen. „Minol Drive – powered by GP Joule Connect“ deckt die gesamte Palette moderner Mobilität ab: E-Mobilitätsanalyse für das Bestandsportfolio, Smarte Ladeinfrastruktur für Immobilien, Sharing-Lösungen für Mieter und ein flächendeckendes Ladenetz.

 

Ista
Transparenz über Energieverbräuche wird immer wichtiger. Erstens gibt es einen breiten gesellschaftlichen Konsens zum Klimaschutz. Zweitens kann das Klima nur erfolgreich geschützt werden, wenn der Gebäudesektor noch energieeffizienter wird. Dabei geht es aber zunächst weniger um Energieeffizienz im Neubau als darum, die Millionen Gebäude im Bestand zu optimieren. Das geht nur mit niedriginvestiven Maßnahmen, die Vermieter und Bewohner nicht übermäßig belasten und trotzdem effizient sind. Den Verbrauch eines Gebäudes zu kennen, ist dabei der erste und grundlegende Schritt für mehr Energieeffizienz. Daher wird die Messdienstleistung weiterhin ein sehr gefragter Service sein. Durch die neuen digitalen Möglichkeiten wird der Service sogar ausgebaut werden, um die Verbrauchstransparenz für Bewohner und Vermieter weiter zu erhöhen – zum Beispiel durch eine zeitnahe Verbrauchsinformation per App, die dem Nutzer erlaubt, seinen Verbrauch bereits während der laufenden Heizperiode aktiv zu steuern und dadurch Kosten, Energie und CO2 einzusparen. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass es sich unabhängig von der Energiequelle lohnt, sparsam und bewusst mit Energie umzugehen.

Kalo
Der energetische Standard eines Gebäudes hat großen Einfluss auf den Heizenergieverbrauch einer Liegenschaft, aber auch in Niedrigenergie- und Passivhäusern ist eine verbrauchsabhängige Abrechnung weiterhin sinnvoll. Das Verhalten der Nutzer hat auch dort einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Verbrauch. Dabei hilft die Erfassung und Verteilung der Verbrauchskosten auch dem sogenannten Rebound-Effekt entgegenzuwirken, der dazu führt, dass die Energieeinsparung, die durch Effizienzmaßnahmen wie den baulichen Wärmeschutz erreicht werden, durch ein erhöhtes Verbrauchsverhalten der Nutzer nivelliert wird. Auch der Gesetzgeber sieht in der verbrauchsabhängigen Abrechnung nach wie vor ein wirksames Instrument zur Erreichung von Energieeinsparungen. Das zeigt die kürzlich novellierte EU-Energieeffizienz-Richtlinie, die ab dem Jahr 2020 zusätzliche, unterjährige Verbrauchsinformationen vorsieht, um den Wohnungsnutzern ihr Verbrauchsverhalten noch präsenter zu machen. Die Erfassung von Verbrauchsdaten dient aber nicht nur der verbrauchsabhängigen Abrechnung. Sie ist darüber hinaus Grundlage für eine ganzheitliche, klimaintelligente Steuerung von Immobilien, die Kalo und die Noventic Group als Wegbereiter vorantreiben. Neue, digitale Anwendungen nutzen die Daten, um weitere Optimierungspotenziale von Immobilien zu erschließen. Mit der Einbindung zusätzlicher Sensorik sowie der Bündelung von Smart- und Submetering-Daten über die hochsichere Kommunikationsplattform des Smart Meter Gateways wird zudem die Voraussetzung für weitere Mehrwerte geschaffen – etwa die Einbindung von E-Mobility oder Active-Assisted-Living-Anwendungen.

Techem
Aktuelle, digitale Verbrauchsdaten sind nicht nur die Basis von Messdienstleistungen sondern auch für viele weitere Services, die auch in Zukunft benötigt werden: Energieflüsse werden auch weiterhin erfasst werden müssen, um sie zu steuern. Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft benötigt eine Sensorik-Infrastruktur, die auch die Wohnungen umfasst. Und auch die Kosten, die im Rahmen zentraler regenerativer Energieversorgung anfallen, müssen potenziell verteilt werden. Dafür bietet unsere Arbeit eine Grundlage. Insofern sind strategische Eckpfeiler unseres Geschäfts bis ins Jahr 2025 neben dem Ausbau der digitalen Infrastruktur zum Erfassen und Verarbeiten von Informationen über Energieverbrauch und Gebäudezustand auch die weitere Ausrichtung auf die zukünftigen Kundenbedürfnisse in der digitalen Welt. Diese strategischen Eckpunkte haben wir in jüngster Vergangenheit weiter definiert. Die Vision „Making buildings green and smart. Helping people live healthy and comfortably” wird das Unternehmen in zusätzliche Anwendungs- und Servicebereiche leiten und Techem zum zentralen digitalen Service-Partner der Immobilienbranche für den Schutz von Ressourcen machen. Auf Basis digitaler Technologien werden wir den Mehrwert unserer Produkte und Services für Immobilieneigentümer und –nutzer, sowie die Gesellschaft weiter steigern und die Vernetzung und die digitalen Prozesse in Immobilien weiter vorantreiben. So hat Techem beispielsweise die digitale Lösung Smart Monitor entwickelt, die direkt die Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung in Gebäuden beeinflussen und einen sicheren und effizienten Anlagenbetrieb gewährleisten kann. Smart Monitor ermöglicht es in Echtzeit von einem Leitstand aus digital auf viele Anlagendaten zuzugreifen mit dem Ziel, den Anlagenzustand darzustellen. Perspektivisch wird auch eine aktive Steuerung und Optimierung der Anlage in Echtzeit möglich sein. Die zustandsabhängige Planung von Wartungsarbeiten zur Vermeidung von Betriebsstörungen, auch bekannt als Predictive Maintenance, sehen wir als weitere Ausbaustufe.

 

Brunata-Metrona
So wie die meisten unserer Kunden sehen wir vor allem die Chancen der Digitalisierung, das heißt der Kuchen als Ganzes wächst. Gleichzeitig wird der Markt unübersichtlicher. Deshalb sind Experten gefragt, die Orientierung bieten können. Wir beobachten sehr genau, welche Geschäftsmodelle neue Marktteilnehmer, wie beispielsweise Prop-Techs, entwickeln. Daraus können sowohl Partnerschaften entstehen, die unser bestehendes Geschäft um wertvolle Facetten erweitern, als auch Ideen für neue Dienstleistungen, die wir in Eigenregie umsetzen. Wenn es uns gelingt, Expertenwissen zu vernetzen, Schnittstellen und Prozesse zu optimieren, steigern wir dadurch den Nutzen der Immobilienbetreiber.

 

Ista
Der Wettbewerb nimmt durch die Digitalisierung weiter zu. Wir spüren diesen Wettbewerb jeden Tag. Neue Marktteilnehmer vom Start-up bis zum etablierten Konzern kommen hinzu. Wir sind dafür aber gut gerüstet: Erstens, weil wir unsere Infrastruktur seit Jahren konsequent digitalisiert haben. Unsere Infrastruktur ist die effizienteste auf dem Markt, weil sie aufgrund ihrer Bidirektionalität mit weniger Geräten als der Wettbewerb auskommt. Als technologischer Vorreiter haben wir natürlich alle Brückentechnologien im Blick, denken aber bereits heute über den technischen Status quo hinaus in Richtung Internet of Things (IoT). Zweitens, weil wir auf langjährige gute Kundenverhältnisse bauen können. Daher sind wir nah am Markt und lernen täglich, was unsere Kunden beschäftigt und wo wir gemeinsam mit ihnen zukunftssichere und zugleich wirtschaftliche Antworten finden können. Mit dem Internet of Things werden sich die smarten Anwendungsfälle im Gebäude in absehbarer Zeit vervielfachen. Wir stellen dazu heute schon die Weichen, indem wir mit der Deutschen Telekom daran arbeiten, das Internet of Things auf Basis des neuen Kommunikationsstandards NB-IoT für den Gebäudebereich nutzbar zu machen. Unsere Kunden werden damit die Möglichkeit haben, perspektivisch aus einer Vielzahl von Anwendungsfällen auswählen zu können.

Kalo
Branchenfremde versprechen sich mit der zunehmenden Digitalisierung einen leichteren Marktzugang. Das Know-how, das für die rechtssichere Erstellung einer Heizkostenabrechnung benötigt wird, darf aber nicht unterschätzt werden. Kalo kann auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen und hat gleichzeitig seine Methoden und Prozesse einschließlich seiner Plausibilisierungsverfahren stetig verbessert. Wir haben die Digitalisierung von Beginn an als Chance begriffen, um das eigene Dienstleistungsportfolio noch besser den heutigen Kundenanforderungen anzupassen und auch künftig neue, innovative Lösungen entwickeln zu können. Beispiel hierfür ist etwa die Messung der Luftfeuchtigkeit und -qualität in Wohnungen, die eine rechtzeitige Warnung vor Schimmelgefahr ermöglicht. Oder die regelmäßige Erhebung und Analyse von Wasserverbräuchen, mit der sich Leckagen frühzeitiger aufspüren lassen. Eine solche vorausschauende Überwachung und Vermeidung von möglichen Schadensereignissen führt zu niedrigeren Versicherungssummen – neben dem Schutz des Gebäudebestands ein echter Mehrwert für die Wohnungswirtschaft.

Minol
Wir kennen die Branche: Minol begleitet die Immobilienwirtschaft schon sehr lange. Wir wissen, wie die Branche tickt, kennen die speziellen Anforderungen der Wohnungsunternehmen, Verwalter, Vermieter, Wohnungseigentümergemeinschaften, Mieter und der Betreiber von Gewerbeimmobilien. Zudem sind Abrechnungen nach Heizkostenverordnung nicht trivial, sondern erfordern viel Know-how und eingespielte Prozesse – Kompetenzen, die jeder Neueinsteiger erst mühsam aufbauen müsste.
Wir waren schon oft Innovationsführer. Zum Beispiel mit der ersten integrierten Geräteentwicklung und Produktion (1974) dem kleinsten Wasserzählerblock der Welt (2008) und dem ersten Angebot der Branche für Elektromobilität (Minol Drive, 2019).
Wir haben uns früh auf den digitalen Wandel eingestellt: Minol hat als einer der ersten Dienstleister der Branche erkannt, dass die Digitalisierung neue Chancen bietet, und diese Chancen früh in konkrete Produkte und Services umgemünzt. Das Know-how dafür haben wir durch Kooperationen und Beteiligungen ausgebaut.
Wir haben als Familienunternehmen die nötige Flexibilität, um schnell zu handeln und unsere Ziele konsequent zu verfolgen, ohne den kurzfristigen Finanzdruck, der zum Beispiel bei Fonds oder AGs typisch ist.

Techem
Die Leistungen, die Techem bereits heute im Bereich Energieeffizienz erbringt, führen automatisch zu weiteren möglichen Tätigkeitsfeldern. Das bietet Anknüpfungspunkte für neue Dienstleistungsfelder in Immobilen, wie Prozesseffizienz, Gesundheit der Bewohner oder Werterhalt des Gebäudes, die nicht nur zusätzliches Wachstum ermöglichen, sondern auch den gesellschaftlichen Wert von Techem weiter steigern. Bis 2025 werden wir die drei Tätigkeitsfelder Schutz klimarelevanter Ressourcen, Wohngesundheit und Prozesseffizienz in Immobilien noch stärker besetzen. Bereits heute verfügt das Unternehmen über ein umfangreiches Lösungsportfolio für Energieeffizienz. Die vor allem geringinvestiven Maßnahmen unterstützen eine bezahlbare Energiewende in Immobilien. Auf Basis von Datenanalysen und künstlicher Intelligenz soll dieser Bereich um Angebote, zum Beispiel für mehr Verbrauchs- und Kostentransparenz für Mieter und für automatisierte Optimierung der Wärmeerzeugung und Verteilung, erweitert werden.

Weitere Infos zum Thema erhalten Sie auch in MM 6/2019 – Teil 1 und in der September-Ausgabe von MM – Teil 3

Quelle

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